Telekom-Affäre bringt auch ÖVP in Bedrängnis

Ex-Vizekanzler Molterer soll einem Fußballklub einen Sponsorvertrag mit der Telekom vermittelt haben. Ex-Innenminister Strasser soll bei der Auftragsvergabe von neuen Polizeifunkgeräten Druck ausgeübt haben.

TelekomAffaere bringt auch oeVP
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TelekomAffaere bringt auch oeVP
Molterer – (c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Auch ÖVP-Politiker geraten nun in der Telekom-Affäre ins Zwielicht. Der ehemalige Vizekanzler und ÖVP-Chef Wilhelm Molterer soll dem Fußballklub seiner oberösterreichischen Heimatgemeinde, dem SV Sierning, einen Sponsorvertrag mit der Telekom vermittelt haben. Ein ehemaliger Mitarbeiter Molteres bestätigt am Freitag, dass der Ex-Finanzminister einen Sponsorwunsch des SV-Sierning entgegengenommen und weitergeleitet habe. Molterer sei aber in Zahlungen oder sonstige Details nicht eingebunden gewesen.

Vereinspräsident Hermann Obermayr bestätigte am Freitag in den "Oberösterreichischen Nachrichten", dass der Landesliga-Verein von der Saison 2007/08 bis 2009/10 von der Telekom Austria gesponsert wurde. Im ersten Jahr gab es 22.500 Euro, in den darauffolgenden Saisonen je 20.000 Euro. Gegenleistungen seien Werbedurchsagen und Präsenz im Stadionmagazin gewesen.

Wie die "Presse" berichtet hat, wurden diese Zahlung über die Firma des Lobbyisten Peter Hochegger, Valora AG, abgewickelt. Auf der Rechnung des Vereins an die Valora finde sich der Name des Telekom-Mitarbeiters Michael Fischer, der auch als enger Vertrauter Molterers gilt.

Strasser: Druck bei Auftragsvergabe?

Auch Ex-Innenminister Strasser soll am Rande in die Telekom-Vorwürfe verwickelt sein. Er soll bei der Auftragsvergabe von neuen Polizeifunkgeräten Druck ausgeübt haben. Eigentlich hatte bei der Vergabe des Behördenfunknetzes das Konsortium "mastertalk" um Siemens und Raiffeisen den Auftrag erhalten. Später entzog Strasser den Auftrag wieder und ein anderes Konsortium um Motorola und Alcatel erhielt den Zuschlag. Die Telekom Austria verdiente mit, da sie die Netzinfrastruktur mitlieferte.

Spekuliert wird nun, ob eine Zahlung der Telekom an den Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly, den Ehemann von Strassers Ministerkollegin Maria Rauch-Kallat (ÖVP), in Höhe von 1,1 Mio. Euro mit dem Auftrag in Verbindung steht.

Strasser wurde im Zuge der Lobbying-Affäre im europäischen Parlament aus der ÖVP ausgeschlossen.

ÖVP weist Verwicklung in Affäre zurück

VP-Generalsekretär Hannes Rauch wies am Freitag jede Verwicklung der Partei in die Telekom-Affäre zurück. Die ÖVP habe in Sachen "Korruption" schon zu Jahresbeginn klare Konsequenzen gezogen. Andere Parteien seien gefordert, "dieser Härte Folge zu leisten" und alles zu tun, damit das Ansehen der Politik nicht weiter beschädigt werden.

(APA/Red.)

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