Stifterin: Von Graf „überrumpelt“

Gertrud Meschar versucht seit 2008, den Vorstand ihrer Stiftung, vor allem FPÖ-Nationalratspräsident, Martin Graf, zum Einlenken zu bewegen. Dessen Rückzug ist für sie unabdingbar.

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(c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)

Wien. Ihr Zuhause in Wien-Donaustadt gefällt Gertrud Meschar gut: mit schönen Räumen, wie sie sagt, mit einer Dreizimmerwohnung im Souterrain, mehr als 1000 Quadratmetern Grund, der Alten Donau gegenüber, einem Hotel nebenan. Allerdings: Streng genommen ist es nicht mehr ihr Zuhause, sondern es gehört der „Gertrud Meschar Privatstiftung“, eingerichtet 2006 vom Juristen und nunmehrigen Dritten Nationalratspräsidenten der FPÖ, Martin Graf. Mit Gründung der Stiftung hat Meschar den Einfluss auf die Verwaltung ihres Vermögens – insgesamt rund eine Million Euro – verloren.

Die Stiftung hält nun nicht nur die Hand über ihr Zuhause. Sie hat auch ein weiteres Grundstück Meschars in Essling verkauft – „zu günstig für den Käufer“, wie Meschar findet. Und sie hat einen Anteil an einem Haus in Wien-Döbling gekauft, in dem das Lokal von Grafs Bruder Michael eingemietet ist – „zu teuer“, wie Meschar findet, die sich auf ein Gutachten im Auftrag ihres Anwalts Alexander Hofmann beruft. Um den Deal zu finanzieren, hat die Stiftung noch einen Kredit über 200.000Euro aufgenommen. „Die Zinsen“, sagt Meschar, „das ist unglaublich.“ „Sind Sie wahnsinnig?“, hätte sie 2008 bei Abschluss des Kredits gesagt – wenn sie hätte mitreden dürfen. „Das war der Bruch mit Doktor Graf“, sagt sie am Mittwoch vor Journalisten. „Es ist ihm nur um eine sichere Existenz für seinen Bruder gegangen.“ Was auch beinhaltete, dass dieser der Stiftung tausende Euro Miete schuldig blieb.

Und Frau Meschar? Muss sich nun mit 400Euro im Monat aus der Privatstiftung begnügen – und auch die fließen zurzeit nur theoretisch. Die letzte Überweisung aus der Stiftung, in deren Vorstand Graf und zwei weitere FPÖ-Politiker sitzen, datiert vom Juli 2011: 2500Euro überwies man der heute 90-Jährigen damals. Auf 5000Euro im Jahr, ausgezahlt in zwei Teilen, hatte man sich geeinigt. Aktuell bleiben der alten Dame eigenen Angaben zufolge „nur“ ihre 1250 Euro Pension, die die frühere Buchhalterin monatlich bekommt. „Nicht genug“, sagt Meschar, die jahrzehntelang einen hohen Lebensstandard gewöhnt war. Ihre größte Sorge: dass sie sich nicht, wie angeblich auch mit Graf besprochen, 24-Stunden-Pflege aus der Stiftung leisten kann. Dabei wolle sie, die an Osteoporose leidet, „so lang wie möglich“ zu Hause bleiben. Und wenn das nicht mehr geht, in ein etwas luxuriöseres Heim wechseln.

„Jetzt bleibt mir ein gewöhnliches Heim, und nicht einmal dafür reicht die Pension“, sagt Meschar. „Pech, dann muss die Gemeinde draufzahlen“, habe Graf dazu gesagt. Den Zweck ihrer Stiftung – gute Versorgung ihrer selbst, Geld für Tierarzt oder Wissenschaft nach ihrem Tod – sieht sie durch den Vorstand nicht erfüllt. Sie befürchtet vielmehr, dass sich der Vorstand auf Basis eines schwammigen Vertrags nach ihrem Tod jede Freiheit bei der Verwaltung ihres Geldes nimmt. Und sich ihr Zuhause selbst sichert.

Graf solle nun rasch den Vorstand verlassen, auch die anderen Mitglieder sollten gehen, dafür kämpft Meschar mit ihrem Anwalt. Graf weist weiter alle Vorwürfe zurück. Auch, dass Meschar bei Gründung der Stiftung gar nicht gewusst habe, was sie da tut.

 

Bücher von Martin Graf im Postkasten

Begonnen habe alles mit einem zufälligen Treffen in einer Trafik, erzählt Meschar: Da habe sie Graf gefragt, ob er ihr bei einer Stiftung hilft. Die Idee für eine Stiftung sei von einer Freundin gekommen. Irgendwann habe ihr auch jemand den Stiftungsvertrag vorgelesen, aber zu schnell. „Ich bin überrumpelt worden.“ Und heute? „Habe ich keinen Kontakt. Er regt mich nur auf.“ Zuletzt habe man einander vor zwei Jahren gesehen. Gelegentlich sei Graf gekommen, um über die FPÖ zu politisieren. Sie, Meschar, habe das gar nicht interessiert. Bis 2010 habe sie auch zu Weihnachten Bücher von Graf im Postkasten gefunden. Darunter das „Unzensuriert Jahrbuch 2010“. Die 1848 Medienvielfalt Verlags GmbH, Herausgeberin der Graf-Seite unzensuriert.at, ist nun auch Mieterin in dem Haus, in dem Grafs Bruder sein Lokal führt. Ein Außerstreitverfahren zur Stiftungs-Causa am Handelsgericht Wien läuft.

Ob Graf nicht nur als Vorstand, sondern auch als FPÖ-Parlamentschef gehen sollte? „Ist mir wurscht“, sagt Meschar, „aber einen Denkzettel sollte er schon bekommen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.05.2012)

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