Stronach gelingt Pröll-Kritik erst im zweiten Anlauf

Wahlkampfauftakt II. 2500 Besucher sahen in Tulln den Wahlkampfstart des Milliardärs. Der wetterte gegen Korruption und Parteibuchwirtschaft.

WAHLKAMPFAUFTAKT TEAM STRONACH FUeR NOe-WAHL: STRONACH
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APA/HERBERT PFARRHOFER

[TULLN] Als „der Frank“, wie sie ihn hier eher kumpelhaft nennen, seinen Auftritt hat, ist es Donnerstagabend, kurz vor 19 Uhr. Rund 2500 Personen, die meisten schon sehr lange keine Teenager mehr, sind zum Wahlkampfauftakt des Team Stronach Niederösterreich in die Donauhalle nach Tulln gekommen, um den 80-jährigen Parteigründer zu sehen und zu erleben. Für manche mögen auch die Snacks (die meisten entscheiden sich für ein Paar Würstel) und das Gratisgetränk ein Motiv gewesen sein, um sich die Vorhaben des austro-kanadischen Neo-Politikers anzuhören.

Aus den Lautsprechern dröhnt DJ Ötzi, als sich Frank Stronach, der zwar Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 3. März ist, aber kein Mandat annehmen will, den Weg durch die Heurigentischreihen in Richtung Bühne bahnt. Die Blicke der Gäste lassen von den Papptellern ab und wenden sich dem Magna-Gründer zu, der freudig winkt und viele Hände schüttelt. Vieles an diesem Abend erinnert frappant an ein Wahlkampf-event der FPÖ – auch wenn Stronach nicht die Begeisterungsfähigkeit eines Jörg Haider entfalten kann, nicht einmal die eines Heinz-Christian Strache. Im Publikum dominiert Neugier, aber Fankult gibt es keinen.

Zunächst dürfen Stronachs niederösterreichische Statthalter, die seine Werte im neuen Landtag vertreten sollen, ans Mikrofon: Ernest Gabmann junior, Sohn des ehemaligen ÖVP-Landesrats, und Elisabeth Kaufmann-Bruckberger, eine von mehreren Überläufern aus dem BZÖ. Gabmann, die Nummer zwei hinter Stronach, echauffiert sich pikanterweise über die „Freunderlwirtschaft“ der Landesregierung. Das gefällt dem Publikum.

Dann erst ist der Parteichef am Wort. Stronachs Rede ist über weite Strecken redundant, aber bemüht. Seine Lebensgeschichte samt Weisheiten („Ich bin einer aus dem Volk“) kommt besser an als die Kritik an Erwin Pröll – jedenfalls vorerst. Der Applaus ist verhalten, fast schüchtern, als der Herausforderer den Landeshauptmann einen „Schuldenmacher, Schmähtandler und Verhinderer“ nennt.

Einen Nerv im Publikum trifft Stronach erst, als er die Politik insgesamt in die Pflicht nimmt: die „Parteibuch- und Freunderlwirtschaft“, die Korruption, die aufgeblähte Staatsverwaltung. Am Ende unternimmt Stronach einen zweiten Anlauf gegen Pröll, diesmal erfolgreich: Der Landeshauptmann verweigere ihm die öffentliche Debatte, das könne er nicht akzeptieren. „Als Niederösterreicher“, sagt Stronach, „wünsche ich mir entweder eine resolute Frau oder einen starken Mann an der Spitze des Landes. Aber keinen Feigling.“ Das bringt im stehende Ovationen ein, wenigstens im halben Saal.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15. Februar 2013)

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