Was Sie schon immer über Woody wissen wollten...

schon immer ueber Woody
schon immer ueber Woody(c) Polyfilm
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Eine unkritische Rückschau im kurzweiligen TV-Plauderton: "Woody Allen: A Documentary", ab Freitag im Kino.

Alle Jahre wieder kommt ein neuer Film von Woody Allen, zuletzt vor allem aus Europa, wo die New Yorker Komik-Ikone eine Heimat für das Spätwerk gefunden hat: Ende August startet Allens jüngstes Opus „To Rome with Love“, bis dahin können Fans die Zeit mit „Woody Allen: A Documentary“ überbrücken, der knapp zweistündigen Kinoversion eines dreistündigen TV-Porträts aus der Serie „American Masters“. Es empfiehlt sich auch, entweder haltloser Allenist oder uneingeweihter Neuling zu sein: Anderswo wurde die Dokumentation in Anlehnung an einen bekannten Allen-Titel mit der Zeile „Alles, was Sie schon immer über Woody wissen wollten... aber nicht zu fragen wagten“, beworben – aber das vollmundige Versprechen wird allenfalls anfangs eingelöst.

Da schildert die brav chronologische Allen-Rückschau von TV-Veteran Robert B. Weide („Curb Your Enthusiasm“) die unbekannteren Anfänge: Allan Stewart Konigsbergs Kindheit und seine schon als Teenager erfolgreich eingeschlagene Karriere als Gag-Writer für Fernsehen und Bühne. Hübsches Archivmaterial zeigt Woodys TV-Duell mit einem boxenden Känguru oder seine noch gar nicht so erfolgreichen Auftritte als junger Stand-up-Comedian in den frühen 1960ern. Die abfälligen Publikumsreaktionen inspirierten den aufstrebenden Spaßmacher zur Erfindung der Bühnenkunstfigur, die er dann im Kino weltweit berühmt machte: Woody Allen, unsicherer Intellektueller – der Stadtneurotiker halt.

Aus Ärger zum Regisseur geworden

Regisseur wurde Woody anschließend, weil ihn die Umsetzung seines Drehbuchs zu „What's New, Pussycat?“ (1965) so ärgerte: Dass seine erste Inszenierung „Take the Money and Run“ (1969) von Schnittmeister Ralph Rosenblum „gerettet“ wurde, wird man in dieser eher unkritischen Dokumentation aber nicht hören. Die hantelt sich lieber in lockerem TV-Plauderton durch Best-of-Filmausschnitte und unterwürfige Star-Interviewbissen, um Woodys Größe ein ums andere Mal zu versichern, ohne allzu tief in künstlerische oder private Krisen (wie die Trennung von Mia Farrow wegen der Affäre mit Adoptivtochter Soon-Yi) einzudringen.

Bei so viel Lob sympathisiert man rasch mit Allens patentierter Selbstzweifelstrategie: „Manhattan“, wohl sein Meisterwerk, wollte er erst gar nicht veröffentlichen, und überhaupt würde er nie an die großen Kinokünstler heranreichen oder einen echten Publikumshit schaffen. Dass er 2011 mit „Midnight in Paris“ mehr eingespielt hat als mit einem Film zuvor, wird am Ende in uramerikanischer Logik als Beleg seines allumfassenden Triumphes ausgewiesen. hub

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.07.2012)

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