Robert Pattinson: "Ich will mir selbst wehtun"

24.11.2012 | 19:18 |  von Rüdiger Sturm (Die Presse)

"Twilight"-Star Robert Pattinson über seine Ansprüche an sich selbst, "Jurassic Park"-ähnliche Szenen mit Fans und seine neue Liebe zum Surfen.

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Robert Pattinson scheint der Gleiche geblieben zu sein. Bei den Interviews zum ersten „Twilight“-Film zeigte er eine selbstironische Bescheidenheit, die nicht zum Hype passen wollte. Daran hat sich offenbar nichts geändert, als er im Four-Seasons-Hotel von Los Angeles zum letzten Teil der Vampirromanze Rede und Antwort steht. Höchstens, dass der 26-Jährige ein wenig ernsthafter wirkt, was man ihm angesichts der Spekulationen über sein Liebesleben nicht übel nehmen will.

Denken Sie manchmal über diesen aberwitzigen Trip nach, den Sie seit dem ersten „Twilight“-Film erlebt haben?

Robert Pattinson: Gelegentlich. Aber ich habe kaum Zeit zu reflektieren. Es ist ein Gefühl, als hätte mich jemand auf einen führerlosen Zug gesetzt, und jetzt erst habe ich es langsam vor zum ersten Waggon geschafft, wo ich dann das Steuer ergreifen kann.

Wohin möchten Sie ihn denn steuern?

Es kommt mir immer noch so vor, als wäre ich meines Glücks nicht würdig. Ich bewundere Schauspieler, die sich denken: „Ich bin der Beste.“ Aber die wirklich Erfolgreichen, die denken: „Das hat alles nichts mit mir zu tun.“ Ihr Ego wird immer kleiner, je mehr Erfolg sie haben. Deshalb mag ich es, mich fertigzumachen und mir wehzutun, um mich zu beweisen. Egal was ich tue, es wird nicht genug sein. Diese Einstellung liefert mir die nötige Energie.

Das klingt nach einem unglücklichen Leben.

Ich bin am glücklichsten, wenn ich mich selbst zu beweisen versuche. Dagegen hasse ich es, wenn ich herumsitze und mich entspanne.

Wie genau wollen Sie sich denn beweisen?

Zum Beispiel mit einem Film wie „Cosmopolis“, den ich mit David Cronenberg drehte. Ich hatte keine Ahnung, warum er mich besetzen wollte. Ich war so paranoid, dass ich ihm fast abgesagt habe. Und beim Dreh machte ich mir vor lauter Nervosität fast in die Hosen. Ich arbeite jetzt auch mit einigen jungen Regisseuren, die etwas ganz Neues auf die Beine stellen möchten. Mit Stéphane Sauvaire drehe ich „Operation Blacklist“ über den Mann, der Saddam Hussein fand. Seinen letzten Film machte er mit echten Kindersoldaten in Liberia. Und wir drehen jetzt im Irak. Ich dachte mir: „Wenn dieser verrückte Franzose dort einen Film macht, dann muss ich dabei sein.“

Sagt denn niemand aus Ihrem Umfeld: „Du wirst nicht in den Irak gehen“?

Doch, alle. (Lacht.)

Was war denn das Gefährlichste, was Sie bisher erlebt haben?

Ganz am Anfang der „Twilight“-Filme hätten mich die Fans fast umgebracht. Ich hatte ein Erlebnis ähnlich wie in der Szene von „Jurassic Park“, wo die Helden von den Raptoren gejagt werden. Nach einer Vorführung in Mexiko stiegen wir alle ins Auto, aber das Türschloss funktionierte nicht, und die Leute drängten sich zu uns in den Wagen. Mein Manager musste sie wieder hinausdrücken. Dann wurden wir von einer Meute von 400 Menschen verfolgt. Dummerweise nahm der Fahrer die falsche Abzweigung – wir landeten in einem Parkhaus, immer noch gejagt von der Menge. Endlich kamen wir wieder zur Ausfahrt, aber wir mussten die Gebühr bezahlen. Dummerweise hatte keiner von uns genügend Geld dabei, und der Parkwächter wollte uns nicht hinauslassen – während hinter uns die Fans angestürmt kamen. Mit Mühe und Not kratzten wir ein paar Münzen zusammen.

Im Sommer erreichte die Hysterie um Sie wegen Ihrer Liebesprobleme mit Kristen Stewart einen neuen Höhepunkt. Haben Sie nie das Bedürfnis, davor zu fliehen?

Ich muss da nicht fliehen; ich finde meine Freiheit auch so. Vor mehreren Monaten habe ich mit dem Surfen angefangen. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass mich so etwas interessieren würde. Aber das Meer hat eine Wirkung auf mich, die ich liebe. Wenn ich weit draußen bin, kann ich richtig durchatmen.

Glauben Sie eigentlich, dass sich Ihr Starstatus eines Tages wieder auflösen könnte?

Natürlich. Die Showbranche ist völlig unberechenbar. All die Leute, die vor der Ära des Internets und der Klatsch-Websites bekannt wurden, sind unantastbar. Für mich sind das echte Filmstars. Aber alle anderen, die danach kamen, mich eingeschlossen, sind für jedermann frei zugänglich. Und deshalb können sie in der nächsten Sekunde wieder verschwunden sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.11.2012)

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