Kluge Satire und gemeine TV-Folter

Dirk Stermann und Christoph Grissemann haben den schonungslosen Wahnwitz hauptabendfähig gemacht.

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(c) ORF (Milenko Badzic)

Die neue Show wurde von ihren Protagonisten als „Mischung aus ,Club2‘ und debilem Kindergeburtstag“ angekündigt – „zynisch“, „menschenverachtend“, „astreines Folter-TV“ und zwar „für die ganze kaputte Familie“. Alles klar. Dirk Stermann und Christoph Grissemann ist nach wie vor nichts heilig. Schonungslos bricht in „Keine Chance“ deren Wahnwitz über jeden herein, der eine gute Zielscheibe abgibt – von Hansi Hinterseer bis Karl-Heinz Grasser (als Inspirationsquelle für das Goldbarrenschleppen im Finalspiel).

In Anlehnung an Showformate wie „Schlag den Raab“, „Joko und Klaas“ oder „Wetten, dass . . ?“ (. . . ich erraten kann, welcher Tierschweif das ist?) stacheln die beiden ihre Teams zu einer Mischung aus Wissens- und Geschicklichkeitsspiel an. Dass das Unterfangen nicht einfach noch eine ähnliche Show unter vielen wird, ist diesen Charakterschädeln zu verdanken, die die Grenzen des für den Hauptabend Erträglichen genüsslich ausloten, die fluchen, ordinär sind und unkorrekte Witze auf Kosten ihrer Kandidaten machen. So gesehen also doch kein Kindergeburtstag. Und debil ist die Sendung auch nicht – dank der klugen (Polit-)Satire, die Ster- und Grissemann ja erst in den Hauptabend-Himmel des ORF gehievt hat. Zynisch? Vielleicht. Menschenverachtend? Nie. Die Gemeinheiten gehen auf Kosten der beiden, die sich gegenseitig mit flauschigen Hinterseer-Stiefeln und ekligem Slime „foltern“. Das klingt kindisch und banal, hat aber einen tieferen Sinn. Den sucht man in vielen TV-Shows, die sie damit persiflieren, vergebens.

 

E-Mail: isabella.wallnoefer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.12.2012)

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