Michael Haneke erhielt Ehrendoktor der Theologie

Hanekes Filme seien "sowohl Forschungsgegenstand als auch Impuls für Wissenschafterinnen und Wissenschafter der Universität Graz", sagte Rektorin Christa Neuper.

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(c) APA/ERWIN SCHERIAU (ERWIN SCHERIAU)

Der vielfach ausgezeichnete österreichischen Filmregisseur und Oscar-Preisträger Michael Haneke ("Das weiße Band", "Amour", "Funny Games") wurde am Dienstagabend an der Universität Graz mit einem Ehrendoktorat der Theologie geehrt. Hanekes Filme seien "sowohl Forschungsgegenstand als auch Impuls für Wissenschafterinnen und Wissenschafter der Universität Graz", sagte Rektorin Christa Neuper.

Er habe "damit gerechnet, dass sich Theologen für meine Arbeit interessieren werden", betonte Haneke, in dem der Festveranstaltung vorausgegangenen Pressegespräch in Graz. Die Verleihung eines Ehrendoktorates der Theologischen Fakultät der Universität Graz habe ihn dennoch "verblüfft und zugleich sehr gefreut", so der Regisseur.

Dass sich Theologen mit seinem Werk auseinandersetzen, sei für ihn nicht wirklich überraschend, so Haneke in seiner Dankesrede: "Wir stellen uns - jeder auf seine Art - die gleichen grundsätzlichen Fragen: Was tun wir mit unserer Angst, wer liebt uns, wie verkraften wir, dass wir sterben müssen, wie verkraften wir die Wut angesichts des Leids?"

"Wir blicken uns über den Abgrund unbeantwortbarer Fragen an", fuhr Haneke fort. "Man geht verschiedene Wege, aber sucht den gleichen Hafen", sagte der Filmemacher. Die Auszeichnung sei für ihn "sehr erbaulich und schön". Und weiter: "Es ist doch ein Zeichen dafür, dass man nicht ins Leere spricht. Dafür arbeiten wir doch - um zu kommunizieren."

Die Ehrenpromotion geht auf die Initiative des Grazer Instituts für Fundamentaltheologie zurück. Haneke sei "mit Sicherheit kein Filmemacher, der eine religiöse Fahne vor sich hertrüge oder auch nur mit allzu deutlichen religiösen Bezügen operieren würde, wie dies andere tun", legte Forschungsdekan und Laudator Christian Wessely dar. Der religiöse Bezug liege in den "medial totgeschwiegenen, an den Rand gedrängten, den ungern gesehenen Bereichen: Alter, Leid, Tod, Gewalt und der Kampf gegen sie, Unrecht, Straflosigkeit der Ruchlosen, die Unterdrückung der Gerechten". In dem Bewusstsein, "dass es kein Sich-Zufriedengeben mit den Aporien des Hier und Jetzt gibt", würden sich die Arbeit der Theologen und des Regisseurs Haneke berühren.

Das Grazer Institut für Fundamentaltheologie ist seit Jahren mit dem Filmemacher in Kontakt: Haneke hat immer wieder Gelegenheiten zur Filmsichtung von noch nicht veröffentlichten Material ermöglicht und Unterlagen wie Originaldrehbücher und Storybooks für Analysen zur Verfügung gestellt. Das habe sich im Laufe der Jahre zu einer sehr intensiven Beziehung verdichtet. "Dieser Kooperation verdankt das Institut und die Forschungsgruppe 'Film und Theologie' einen beträchtlichen Teil ihres wissenschaftlichen Outputs", betonte Gerhard Larcher, Vorstand des Instituts für Fundamentaltheologie.

Von theologischer Seite wurde Michael Haneke (geboren 1942) bereits im Jahr 2010 in Graz der internationale kirchliche Filmpreis "Signis" für "Das weiße Band" verliehen.

(APA)

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