DDR-Regisseur Günter Reisch gestorben

Reisch schrieb die Filmgeschichte des DDR-Filmunternehmens DEFA mit. Seine aktive Karriere ging mit der DDR zu Ende.

Günter Reisch Defa Regisseur
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Günter Reisch – (c) imago stock&people (imago stock&people)

Filmregisseur Günter Reisch ist tot. Er starb am Montag im Alter von 86 Jahren in Berlin. Das teilte die Akademie der Künste am Dienstag mit, deren Mitglied der Regisseur war.

Mit 19 Spielfilmen schrieb Reisch die Filmgeschichte der DEFA, kurz für das DDR-Filmunternehmen Deutsche Film AG, mit. Wie kein anderer ostdeutscher Filmregisseur wandte er sich in schöner Regelmäßigkeit heiteren Stoffen und dann wieder der Erkundung deutscher Geschichte zu. Seine aktive Karriere ging mit der Abwicklung des Filmstudios in Potsdam-Babelsberg zu Ende.

32 "Abänderungsauflagen" für Debütfilm

Ab 1947 ließ sich Reisch, am 24. November 1927 in Berlin geboren, bei bei der DEFA ausbilden. Reisch arbeitete zunächst als Regieassistent bei Gerhard Lamprecht und später bei Kurt Maetzig.

Sein Debütfilm beim Fernsehen der DDR war im Jahr 1956 "Junges Gemüse". Für das satirische Lustspiel über die Verhältnisse im sozialistischen Dorf bekamen er und der gleichfalls debütierenden Autor Günther Rücker gleich 32 "Abänderungsauflagen".

DDR-Alltag mit Spott und Ironie

Es folgten eine Reihe von Komödien. Darin seien Opportunismus, Duckmäusertum und selbstgerechte Überheblichkeit im DDR-Alltag stets mit Spott und Ironie behandelt worden, heißt es im Nachruf der Akademie.

Nicht immer entging Reisch der üblichen Geschichtsklitterung. "Wolz - Leben und Verklärung eines deutschen Anarchisten" (1974) und "Die Verlobte" (1979/80), eine Legende über die Leiden einer Kommunistin in einem Nazi-Zuchthaus, aber gehören zu Reischs Sternstunden.

Zu Reischs weiteren Werken zählen "Nelken in Aspik" (1976) mit Armin Mueller-Stahl und "Anton der Zauberer" (1977). In der TV-Serie "Gewissen in Aufruhr" (1961) mit Inge Keller und Erwin Geschonneck habe sich Reisch mit dem Faschismus auseinandersetzt.

"Ein wundervoller Mensch voller Güte"

"Günter Reisch war nicht nur einer der wichtigsten Regisseure der DEFA, sondern auch ein wundervoller Mensch, voller Güte, Herzenswärme und Humor", erkärte Filmregisseur Andreas Dresen ("Halt auf freier Strecke"). "Seit über 30 Jahren war er als Lehrer und liebevoller Freund immer an meiner Seite. Sein guter, kluger Rat wird mir sehr fehlen. Es ist wieder etwas einsamer geworden."

Reischs Filme

1990 Simbabwe - Träume von der Zukunft (TV-Dokumentarfilm)
1986 Wie die Alten sungen...
1980 Die Verlobte
1978 Anton der Zauberer
1976 Nelken in Aspik
1974 Wolz - Leben und Verklärung eines deutschen Anarchisten
1972 Trotz alledem!
1969 Unterwegs zu Lenin
1969 Jungfer, Sie gefällt mir
1967 Ein Lord am Alexanderplatz
1965 Solange Leben in mir ist
1963 Das Stacheltier - Der Dieb von San Marengo
1962 Ach, du fröhliche
1961 Gewissen in Aufruhr (TV-Serie) - Folge "Zweite Heimkehr" (1961)
1960 Silvesterpunsch
1959 Maibowle
1958 Das Lied der Matrosen
1957 Spur in die Nacht
1956 Junges Gemüse
1951 Freundschaft siegt (Dokumentarfilm) (Co-Regisseur)

(APA/dpa)

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