25.05.2012 00:34 | Meine Presse Merkliste 0

"Star Wars" in 3D: Eine flache Sache

06.02.2012 | 18:27 |  CHRISTOPH HUBER (Die Presse)

Die dunkle Bedrohung. Es tobt wieder Krieg der Sterne: Die Umrechnung in die dritte Dimension bringt nichts - außer für den Pensionsfonds von George Lucas. Ab Freitag.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Grund zur Freude für unbedingte Fans von Star Wars: 13 Jahre nach der Premiere kommtEpisodeI – Die dunkle Bedrohung im 3-D-Format wieder ins Kino. Weltweit startet am Freitag eine in die dritte Dimension hochgerechnete Version, die anderen fünf Episoden sollen etwa im Jahresabstand folgen – so viel Zeit braucht die 3-D-Konvertierung. Gut für alle, die danach lechzen, die Abenteuer (wieder) auf der großen Leinwand zu sehen.

Für alle anderen ist es eine tückische Falle. Denn mit dem Ticket-Aufpreis für 3-D zahlt man nur in den Pensionsfonds des Multimilliardärs George Lucas ein: Der Star-Wars-Erfinder war immer ein schlaues Kerlchen, was Zusatzverdienste angeht – ob durch Merchandising oder Wiederveröffentlichungen. Diesmal wird es auch keinen Aufschrei geben wie bei seinen digital nachbearbeiteten Veränderungen der originalen Star-Wars-Trilogie – denn bei der 3-D-Neuauflage kommt nur nutzlose Anstrengung für die Augen hinzu. Ansonst ist Die dunkle Bedrohung noch immer derselbe unselige Film: zwar der erfolgreichste der Saga (allerdings nur ohne Inflationsbereinigung), aber auch derjenige, der gemeinhin als ihr schlechtester gilt. Der Auftritt der peinlichen Kinderkomik-Figur Jar Jar Binks erinnert sofort wieder, warum: Er schmerzt in jeder Dimension gleichermaßen.

 

Bester Effekt: Der Lauftext...

Im Übrigen ist der beste 3-D-Effekt des Films derjenige, den man sich auch in der 2-D-Fassung denken konnte: wie der Anfangs-Lauftext („Es war einmal...“) in die Tiefe des Raums zu wandern scheint. Er belegt auch das 3-D-Missverständnis: Die gern als wirklichkeitsnäher verkaufte Technik ist extrem künstlich und wirkt am besten, wenn der Blick in tiefen Räumen schweifen kann, wie den Aquariumwelten von Avatar. Die Raumschiffe und Planeten von Star Warswären gut dafür geeignet: Aber sie bleiben der flache Hintergrund, als der sie in der zweidimensionalen Version konzipiert wurden. Es gibt auch keine aufsehenerregenden „In die Kamera“-Effekte, nur Figuren und Gegenstände im Vordergrund heben sich ab, manchmal auf zwei Ebenen: Als würde man durch ein Pop-up-Buch blättern.

Dass der groß gehypte 3-D-Boom sich längst in eine Niederlage an der Kassa verwandelt, liegt nicht zuletzt daran, dass die meisten neuen 3-D-Filme eigentlich zweidimensional gedreht und dann in eiliger, enttäuschender 3-D-Konversion präsentiert wurden. Kein Wunder, dass die meisten Zuseher bald genug hatten. Dass man jetzt dasselbe mit alten Publikumserfolgen macht, kann nicht die Rettung sein – im Gegenteil: Langfristig gesehen arbeitet man mutwillig am eigenen Untergang. Da passt es nur zu gut, dass im April als nächste Wiederveröffentlichung in 3-D-Konversion ausgerechnet Titanic anläuft.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

7 Kommentare
Gast: Grummelbart2
08.02.2012 13:41
0 0

Werd...

...die Prequel-Trilogie sicher meiden wie der Teufel das Weihwasser - das beste 3D nutzt nichts, um dieser Trilogie Tiefe zu verleihen (Challenge: Wieviele 3D-Witze kann man über die alten Teile machen?).

Aber die Originale... was wär vielleicht mal was. Nicht wegen dem 3D, sondern um die wieder einmal im Kino zu sehen (mit ordentlichem Sound, großer Leinwand und Popcorn).

Solange Lucas nicht auch an denen wieder herumdoktort (ich sag nur: Han shot first!).

Franz A.
07.02.2012 09:07
4 1

3D

3D. Der bisher laengste mir in Erinnerung gebliebene 3D-Hype geht seinem Ende zu? Danke!
Gibt doch nix bloederes, als mit einer (zusaetzlichen) Brille im Kino zu sitzen um was mattes (farblilch, kontrastmaessig, inhaltsmaessig) um wirklich viel Geld zu sehen.

Antworten GBCorner
07.02.2012 14:27
0 0

Re: 3D

Ganz verdammen möchte ich's nicht, aber zumindest habe ich mir geschworen, nur mehr Filme in 3D anzuschauen, die auch so gedreht worden sind. Die ganze Konvertiererei bringt nichts außer höhere Eintrittspreise. Was einmal ein echter Fortschritt wäre, wären höhere Bildraten - mit der jetzt eigentlich flächendeckend vorhandenen Digitaltechnik keine Hexerei mehr und das bringt wirklich was fürs Kinoerlebnis.

Antworten Antworten Sodawasser
07.02.2012 16:00
0 0

Re: Re: 3D

zum Thema höhere Bildraten: Rechnerisch problematisch aber bei 4K nicht mehr allzu fremd...

Antworten Franz A.
07.02.2012 09:08
1 0

Re: 3D & Kameratechnik

Ah ja - moege die Wackelkamera gleich mit - verschwinden!

keyplayer
07.02.2012 00:50
2 0

ich hab heute den Trailer im Kino gesehen

und kann dem Autor nur Recht geben...

rt_hex
06.02.2012 21:58
4 0

nearly nothing left to say...

... only nooooooooooooo!
(vgl. http://nooooooooooooooo.com/ )