Hollywoodtraum in Rot-Weiß-Rot

23.02.2013 | 19:01 |  von THOMAS VIEREGGE (Die Presse)

Auf Wilders, Schwarzeneggers und Pucks Spuren versuchen Auslandsösterreicher ihr Glück in der Filmmetropole. Die Verheißung ist groß - wie auch das Risiko des Scheiterns.

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Selbst Samstagabend ist der Campus der Uni Berkeley in der Bucht von San Francisco noch ziemlich stark frequentiert. Eine Cineastenreihe lockt Filmfreunde ins Pacific Film Archive Theater. Der österreichische Filmstudent Tobias Deml, erst seit ein paar Wochen in Berkeley inskribiert, ist indes nicht im Publikum. Der quirlige 23-Jährige ist am Wochenende als Kameramann zu sehr mit Dreharbeiten in Los Angeles beschäftigt, um sich mit „Arthouse Cinema“, wie er Kunstkino im Fachjargon nennt, auseinanderzusetzen.

Unter der Woche Theorie an der Uni, unter anderem bei einem vierfachen Oscar-Preisträger für Sounddesign, am Wochenende Praxis in und um Hollywood: So lautet der Wochenplan Demls, der zwischen den beiden kalifornischen Metropolen pendelt. „Gemütlich“ ist eines der Lieblingsworte des Wieners im Deutschen, doch sein Stundenplan ist alles andere als gemütlich. Um sich schneller auf dem weitläufigen, parkähnlichen Campus fortzubewegen, hat er sich einen Roller zugelegt. Via Tablet-Computer, auf dem sich auch sein Portfolio blitzartig abrufen lässt, ist er ständig vernetzt.

Zusammen mit seinem japanischen Freund und Studienkollegen Hiroki Kamada hat Deml bereits eine eigene Filmfirma gegründet: Prodigium Pictures. Mal jobbt er bei einem TV-Spot in New York, mal bei einem Kurzwestern in der kalifornischen Wüste. Er lernt so das Handwerk, das ihm später, so sein Masterplan, als „Auteur“, als Drehbuchautor und Regisseur, zugutekommen soll. Als Vorbild gilt ihm der neuseeländische „Herr der Ringe“-Regisseur Peter Jackson.

Nach der Matura hat es ihn als Zivildiener im „Museum of Tolerance“ nach Los Angeles und später nach Montreal verschlagen. „Der Film ,Valkyrie‘ war wie eine Erscheinung für mich.“ Als 3-D-Fan – einer seiner Lieblingsfilme ist „Matrix“ – war Deml so sehr von den Möglichkeiten im Filmbereich fasziniert, dass er beschloss, am Santa Monica College Film zu studieren. Währenddessen fing er auch an, filmisch zu experimentieren. Das brachte ihm genug Geld ein, um im Vorjahr ohne die Unterstützung der Eltern auszukommen – nicht jedoch das begehrte Visum. Also konzentriert er sich jetzt wieder verstärkt aufs Studium, ohne Visumschwierigkeiten.


Neue Welt. In Berkeley ist er in eine neue Welt eingetaucht. „Da herrscht ein anderer Vibe, der gesellschaftspolitische Diskurs dominiert.“ In Los Angeles ist er dagegen viel unmittelbarer auf die amerikanische Realität geprallt. In einer WG lebte er, wie sich herausstellte, nicht nur mit Transsexuellen zusammen, sondern auch mit einem entlassenen Mörder, einem Latino. Und im Greyhound-Bus, erzählt er, machte er einmal die Bekanntschaft einer Gefangenen, die mit 20 Dollar gerade den Weg in die Freiheit antrat.

Begegnungen und Erfahrungen wie diese wären in der behüteten Hietzinger Welt seiner Jugend nicht vorstellbar. Bei seinen Freunden aus Schulzeiten drehe sich alles im Kreis. „Verkürzt gesagt, geht es in den USA darum, zu essen oder gegessen zu werden. Das Leben ist hier viel fragiler, weniger wert. Du kannst hier plötzlich auch tot sein, wenn du in den falschen Bus einsteigst.“

Nach vier Jahren in den USA hat er das europäische Sozialnetz erst richtig schätzen gelernt. „Ich kenne Leute, die leben im Auto. Viele bleiben auf der Strecke.“ Zugleich hat der Filmstudent ein Motto der US-Mentalität internalisiert: „Alle sind Immigranten. Wenn ich sehr hart arbeite, kann ich alles erreichen.“ Nicht zuletzt Arnold Schwarzenegger habe dies vorexerziert.

Nach den Exilanten Billy Wilder, Fred Zinneman & Co. setzte die „steirische Eiche“, der Bodybuilder aus Thal bei Graz, den Goldstandard für Österreicher in Hollywood. Mit Fleiß und kernig-alpenländischem Schmäh tat es ihm der Kärntner Koch Wolfgang Puck gleich. Ausgehend von seinem Nobelrestaurant „Spago“ schuf das 63-jährige Marketinggenie ein Gastronomie-Imperium – von Washington über die Hawaii-Insel Mauii bis hin nach Singapur. Zum 19. Mal serviert Puck heute das offizielle Oscar-Menü beim „Gouverneur's Ball“. „Das ist die größte Party, größer als die Inauguration des Präsidenten“, sagte er der „Los Angeles Times“. Der 28-jährige Oberösterreicher Bernhard Mairinger, der am Santa Monica Boulevard ein „Bierbeisl“ eröffnet hat, eifert Puck nach.

Wer es geschafft hat, wie Regisseur Robert Dornhelm oder Musikproduzent Peter Wolf, residiert in den Hügeln von Malibu. Wolf, das einstige Wunderkind mit der platinblonden Mähne, das in der Band Frank Zappas spielte und Filmmusik zu „Top Gun“ und „Pretty Woman“ beisteuerte, macht sich einen Jux daraus, im weißen Porsche-Cabrio mit dem Kennzeichen „Oasch 1“ – reimt sich schön auf Porsch“, die US-Aussprache für den Boliden deutscher Machart – durch das palmengesäumte Malibu zu kurven: ein Insider-Gag für Exil-Österreicher.


Skispringen als Frühstücks-TV. Markus Lanxinger fährt derweil ein solides Mittelklasseauto, er lebt in einem Fabrik-Loft in der Nähe von Downtown L. A., jenseits des Betonrinnsals des Los Angeles River. Und als einzige Extravaganz leistet sich der 32-jährige gebürtige Niederösterreicher aus Gloggnitz, zum Frühstück Skispringen im Fernsehen anzusehen – eine Reverenz an die Heimat, die Zauberbergwelt des Semmering. Mit acht Jahren sah er am liebsten Roger Rabbit und die Star-Trek-Serie im Kino, und als Kameramann ist der 3-D-Spezialist den Comics- und Science-Fiction-Stoffen treu geblieben. Er wirkte an den Blockbuster „The Green Hornet“ (mit Christoph Waltz) und „Spiderman“ mit.

Mit Anfang zwanzig entfesselte ein Amateurvideo seine Filmleidenschaft. Kurzerhand schrieb er sich in einem Filmkurs in New York ein, danach schaffte er die Aufnahme an die renommierte Filmakademie in Los Angeles. Inzwischen ist er mit einer Amerikanerin verheiratet, dreht als Freelancer indes oft im Ausland – in Indien und China. „Letztes Jahr war ich drei Monate ohne Job. Da musste ich an meine Ersparnisse ran.“ Gerade ist ihm ein dicker Auftrag durch die Lappen gegangen: die Fortsetzung der Neuauflage von „Der Planet der Affen“. In der Branche als „Happy Markus“ bekannt, folgt er einem uramerikanischen Credo: „Man muss positiv denken.“

produzent

Peter Wolf. Der 68-Jährige spielte in der Band von Frank Zappa und produzierte Filmmusik für „Top Gun“ und „Pretty Woman“.

starkoch

Wolfgang Puck. Das 63-jährige Marketing-genie schuf ein Gastro-Imperium. Zum 19. Mal serviert er heute das offizielle Oscar-Menü.

APA,ORF Starmania

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.02.2013)

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