Konzerthaus: Beschwingtes „Hallelujah!“

12.12.2012 | 18:10 |   (Die Presse)

Harry Christophers und The Sixteen beeindruckten mit Händels „Messiah“. Auch diesmal wurde es spontan beklatscht.

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Viel zu selten kommt der 58-jährige Harry Christophers nach Wien. Dabei zählt er zu den gefragtesten Interpreten Alter Musik. Wenngleich sein musikalisches Interesse breit ist. Schon als Junger nannte er als Einflüsse neben Brahms, Mahler und Strawinsky auch die Rolling Stones und Jethro Tull. Im Konzerthaus widmete er sich mit seinen The Sixteen einem Werk, dem schon seit Jahren sein spezifisches Interesse gehört: Händels „Messiah“.

Dass man dieses Oratorium gern vor Weihnachten – demnächst auch mit Erwin Ortner und seinem Arnold Schoenberg Chor im Musikverein – ansetzt, hat einen einfachen Grund: Sein erster Teil schildert bewegend die Geburt Christi. Dagegen eher aphoristisch ausgefallen sind die folgenden Teile mit dem Leiden Christi und dem ewigen Leben als bestimmende Themen. Hier, darüber konnte auch Christophers eloquent-beschwingte Deutung nicht hinwegtäuschen, erreicht dieses Werk nicht ganz die Einheit des ersten Abschnitts, wenngleich sich der Ohrwurm am Ende des zweiten findet: das Hallelujah.

Auch diesmal wurde es spontan beklatscht. Zu Recht, denn so subtil und dennoch packend hört man es selten. Wie überhaupt Christophers mit seinen klein besetzten, instrumental wie chorisch in bester Form agierenden The Sixteen stets auf höchste Transparenz, selbstverständliche Übergänge, insgesamt auf flüssiges, spannendes Musizieren Wert legte. Wobei die Lockerheit nie auf Kosten des Gehalts dieses „absolut vollkommenen Musikstücks“, (wie zur Uraufführung in Dublin geschrieben wurde) ging.

Im Konzerthaus wurden Werk und Ausführende gefeiert, auch wenn nicht alle Solisten den hohen Anforderungen entsprachen: So zeigte David Wilson-Johnson Defizite in der Tiefe, die Sopranistin Carolyn Sampson hatte gegen Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen, untadelig der Countertenor Lawrence Zazzo, ideal besetzt der Tenor James Gilchrist. dob

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.12.2012)

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