Theater an der Wien: Im Korsett der Staatsmacht

Bei Rossinis "Elisabetta, Regina D'Inghilterra" soll Schauspielbedeutsamkeit ein Manko an Belcantovirtuosität aufwiegen. Das gelingt nur bedingt.

Alexandra Deshorties als Elisabetta und Ilse Eerens als Matilde am Theater an der Wien in Rossinis „Elisabetta, Regina D'Inghilterra“.
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Alexandra Deshorties als Elisabetta und Ilse Eerens als Matilde am Theater an der Wien in Rossinis „Elisabetta, Regina D'Inghilterra“.
Alexandra Deshorties als Elisabetta und Ilse Eerens als Matilde am Theater an der Wien in Rossinis „Elisabetta, Regina D'Inghilterra“. – (c) APA/HERWIG PRAMMER

Das kann ja heiter werden: Der Orchestertusch, das wohlbekannte Trippeln, die melodische Verbeugung der Holzbläser – es ist die Ouvertüre zum „Barbier von Sevilla“! Doch zerstreute Opernfreunde haben kaum eine Chance, sich länger als ein paar Momente im falschen Stück zu wähnen: Die Noten mögen dieselben sein, aber Jean-Christophe Spinosi am Pult des Ensembles Matheus tut von Beginn an alles, um unsere wohlige Vertrautheit mit diesen Klängen zu unterwandern. Als würde er sein Abschlussdiplom der Harnoncourt-Schule vorweisen, beschleunigt Spinosi die Zweiunddreißigstelnoten, verbreitert die Bläsergeste, dehnt die Generalpausen dazwischen auf beliebige Länge. Und im Allegro machen die Streicher bei den repetierten Begleitakkorden gar perkussiven Effekt, als vernehme man das Waffenklirren einer in der Ferne marschierenden Armee – immerhin betreten wir mit diesem Stück auch politisches Parkett.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.03.2017)

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