Die Philharmoniker musizieren mit sich selbst unter Mehta

Kritik Haydns Sinfonia concertante als "Wiener Bonbon" im Musikverein.

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Symbolbild: Musikverein – (c) Clemens Fabry

Wie man ein Meisterorchester „spielen lässt“, das hat Zubin Mehta als Student und Zuhörer in Wien gelernt. Er hat diese Tugend als Globetrotter mit allen großen symphonischen Klangkörpern der Welt kultiviert – und kehrt immer wieder gern zurück, denn die Wiener Philharmoniker haben ihn schon als Jungstar ins Herz geschlossen. Unter seiner sicheren, ruhigen Leitung spielen sie entspannt wie unter wenigen anderen Dirigenten auf.

So gibt ein Stück wie das späte „Konzert für Orchester“ von Béla Bartók den rechten Rahmen ab für solistische Kunststücke aller Art. Von der Flöte bis zur Bassposaune kommen alle dran – und lassen dann eines Sinnes den traurig-schönen Mittelsatz programmgemäß elegisch tönen. Platz für viel Gefühl war sonst nicht im Programm, Brahms' Ouvertüre op. 81 geriet mangels interpretatorischem Nachdruck eher müde als „tragisch“; dafür ließen Konzertmeister Rainer Honeck, Solocellist Robert Nagy, Solooboist Martin Gabriel und die exzellente, quicklebendig phrasierende Fagottistin Sophie Dartigalongue in Haydns Sinfonia concertante hören, wo Bartók gelernt hat, konzertierende Instrumente raffiniert miteinander und mit dem Orchester in Dialog treten zu lassen.

Solch eloquenter musikalischer Wettstreit krönt philharmonische Musizierfreude – da ist ein Mann wie Mehta, der bei behutsam extemporierenden Soloeinwürfen sichtlich genießerisch zum bestbezahlten Zuhörer im Saal wird, genau der Richtige. Schon Gabriels Kunst, Rubati natürlich in den Fluss des Tempos zu integrieren, wäre eine Reise wert – und vielleicht die Aufnahme von KV 314 ins philharmonische Programm... (sin)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2017)

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