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MAK: „1000 Euro Reisespesen pro Tag?“

02.11.2012 | 18:45 |  BARBARA PETSCH (Die Presse)

Der RH-Rohbericht über Ex-Chef Peter Noever schlägt hohe Wellen. Grünen-Sprecher Zinggl ortet Sittenbild der Kulturpolitik. MAK-Direktor Thun: „Das Museum ist nicht Not leidend!“

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Ein kleines Detail, aber bezeichnend: Der 2011 entlassene Direktor des Museums für angewandte Kunst (MAK) PeterNoever weilte durchschnittlich 79Tage pro Jahr auf Dienstreisen, wobei 81.000 Euro Spesen anfielen, was ca. 1000 Euro pro Tag entspricht. Ein Rechnungshof-Rohbericht zerpflückt nun Noevers Museumsführung – der heute 71-jährige Designer wurde 1986 vom damaligen Wissenschaftsminister Heinz Fischer bestellt.

Der Rechnungshof prüfte die Periode von 2001 bis 2010. Er kritisierte u.a. exorbitant gestiegene Kosten der Direktion, diese beanspruchte 2010 um 58 Prozent mehr Geld, die Wissenschaft erhielt um 14 Prozent mehr, die Restaurierung um 2,3 Prozent. Lieferanten und Mitarbeiter seien als Besucher gezählt worden – das MAK gab 185.602 Besucher an, der RH erkennt aber nur knapp 100.000 an. Asiatika seien verschwunden. Für ein Sponsoring-Konzept seien 10.000 Euro an eine Mitarbeiterin bezahlt worden, ohne dass darin konkrete Vorschläge enthalten sind. Keiner Wiederbestellung Noevers ging eine öffentliche Ausschreibung voraus, für den RH: „Rechtswidrig“.

 

„Alle wussten, was los ist“

Noever ließ in einer schriftlichen Stellungnahme ausrichten, er könne die Vorwürfe jederzeit entkräften. Laut RH fordert er 482.700Euro für entgangene Leistungen, insgesamt aber bis zu 7,3Mio. Euro. Der Rechtsstreit beim Arbeitsgericht wird voraussichtlich wieder aufgenommen, sobald der Endbericht im Jänner vorliegt. Erst dann will Kulturministerin Claudia Schmied dazu Stellung nehmen.

„Ein Sittenbild“, meinte Freitag Grünen-Kultursprecher Wolfgang Zinggl und erinnerte an Kontroversen um den früheren KHM-Generaldirektor Wilfried Seipel. Der Kontrollamtsbericht über den ehemaligen Kunsthallen-Chef Gerald Matt ist fast fertig und kommt im Dezember in den Kontrollausschuss des Gemeinderates. In einem Jahr hat das Ministerium laut RH dem MAK nicht einmal die „Entlastung“ erteilt, das heißt, die Bilanz akzeptiert: „Das bedeutet, dass allen klar war, was im MAK los ist, aber es wurde nichts unternommen“, meint Zinggl. Hat das MAK nicht ein strukturelles Besucherproblem? „Keineswegs“, widerspricht er. „Das MAK könnte einen Blockbuster nach dem anderen haben: Werbung, Mode, Internet, alles, was die Menschen täglich interessiert, ist angewandte Kunst!“

Die Kulturpolitik sei auf einem falschen Weg, erklärt Zinggl, sie fördere vor allem Bundestheater und Bundesmuseen: „Bei staatsnahen Einrichtungen ist die Misswirtschaft trotz Ausgliederung am größten.“ Eben bekommen bei den Budgetverhandlungen für 2013 die Bundestheater 4,5 Millionen Euro mehr: „Obwohl eine Evaluierung ein Einsparungspotenzial von 13 Millionen Euro erbracht hat. Das ist doch absurd!“

Verwundert über die Aufregung ist MAK-Direktor Christoph Thun-Hohenstein: „Vieles im Rohbericht war bereits bekannt.“ Zu den Vorwürfen im Einzelnen will er sich nicht äußern, obwohl er die Stellungnahmen des Museums, die in den Rohbericht eingearbeitet werden, formulieren muss.

Dass Personal und Lieferanten als Besucher gezählt werden, sei seit 1.1.2012 abgestellt. Thun ist seit 1.9.2011 im Amt. Am Montag hat er eine Bilanz- und Vorschaupressekonferenz. Das Museum werde in vielen Bereichen neu aufgestellt, er führe regelmäßige Gespräche mit den 25 Führungskräften: „Diese Sache müssen wir durchstehen. Ich bin nicht besorgt über die Zukunft. Dies ist auch kein Not leidendes Museum“, betont Thun. Wie konnte es passieren, dass Noevers Vertrag immerfort verlängert wurde – zuletzt richtete er sogar Ministerin Schmieds Büro ein? „Er war fantasievoll, er hat dieses schwierige Museum ganz gut geführt. Er war talentiert, allerdings auch darin, sich der Kontrolle zu entziehen“, meint der ehemalige Wissenschaftsminister Erhard Busek. Kann man als Politiker überprüfen, ob ein Museumsdirektor ordentlich wirtschaftet? „Wenn der Beamtenapparat funktioniert, ja“, sagt Busek. Museen werden heute von Kuratorien beaufsichtigt, im MAK ist sogar Erste-Bank-Generaldirektor Andreas Treichl Kuratoriumsvorsitzender: „Ich habe mit Treichl lange gesprochen. Er hat sich sehr engagiert, aber Noever hat sich Klarstellungen immer wieder entzogen und Entscheidungen nicht akzeptiert“, meint Busek. Die MAK-Dependance in Los Angeles sei „wichtig und gut“, Noever habe dem MAK eben genützt und geschadet: „Eine gewisse Maßlosigkeit ist Teil seines Charakters.“

 

MAK von Gerichtskosten entlastet

Museumsdirektoren, die mit der Zeit immer „imperialer und selbstherrlicher agieren“, mögen passé sein, allerdings sei zu hoffen, dass stattdessen nicht nur mehr Bürokraten regieren, sagt Busek. Für die Kultur sei die Optik, Kunstmanager agierten wenig sparsam mit Steuergeld, auf jeden Fall fatal.

Wie wird sich Noevers Arbeitsgerichtsprozess entwickeln? Darüber wollte und konnte Freitag – auch aufgrund des Fenstertages – niemand Auskunft geben. MAK-Chef Thun rechnet nicht damit, dass das Museum mit den Gerichtskosten belastet wird. So wird wohl das Ministerium bzw. der Steuerzahler dafür aufkommen.

Zur Person

Peter Noever, 1941 in Innsbruck geboren, war Designer und Kurator. 1986 wurde er zum Direktor des Museums für angewandte Kunst bestellt. 2011 wurde Noever wegen falscher Rechnungen und Feiern für seine Mutter im MAK entlassen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.11.2012)

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119 Kommentare
 
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Gast: bitteichweisswas
05.11.2012 09:45
0 0

tja-

mit Charme u Witz öffnen sich so manche Türen-

für die presse-philister ist doch jeder groschen für kunst einer zuviel



die würden doch liebend gerne alle mussen und theater schleißen - denn das sind doch nur staatlich subventionierte verlustbringer. das ganze geld das man so einspart steckt man einfach in steuersenkungen für die leistungsträger wie khg, emischi, plech & co. das ist (neo)-konservativ- marktliberale kulturpolitik!

Re: für die presse-philister ist doch jeder groschen für kunst einer zuviel

meinen sie das ernst?
hier geht es nicht darum, dass man kunst nicht finanzieren will sondern um verschwendung von steuergeldern... m.e. nicht sonderlich schwierig aus dem text herauszulesen.

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Re: Re: für die presse-philister ist doch jeder groschen für kunst einer zuviel

Sie dürfen das nicht so eng sehen. Fox ist ein Erzroter.

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Re: Re: Re: für die presse-philister ist doch jeder groschen für kunst einer zuviel

Aha, deshalb die vielen Roten Stricherln...
Es scheint, auf der Presseplatform gibt es nur Rote und Grüne...

Antworten Gast: YAAB
04.11.2012 14:27
3 0

Re: für die presse-philister ist doch jeder groschen für kunst einer zuviel

Wenn es um die verfolgten Enterbten der roten Korruption geht, ist Fox immer zur Stelle.

Antworten Gast: Mitzitant`
04.11.2012 08:36
4 0

Re: für die presse-philister ist doch jeder groschen für kunst einer zuviel

ihre Schlussfolgerungen, sofern sie nicht ironisch gemeint sind, haben einen Haken:
natürlich soll Geld in die Kunst fließen, aber, da es sich um Steuermittel handelt, gibt es "Spielregeln" (Rechtsvorschriften) wie diese zu verwenden sind.
Und wenn hier, wie es scheint ein enormer Rechtsbruch vorliegt, dann ist das zu ahnden, und zwar nach aller Härte des Gesetztes (ich kenn keine mildernden Umstände für den Herrn Noever).!

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Re: für die presse-philister ist doch jeder groschen für kunst einer zuviel

Wir haben seit geraumer Zeit den Euro und den Cent, jedoch nicht mehr den Groschen.
Sie sind irgendwann einmal steckengeblieben, vermutlich beim Branntweiner

Re: Re: für die presse-philister ist doch jeder groschen für kunst einer zuviel

verzeihung, ich versuche hier eine sprache zu sprechen, die auch das presse-publikum versteht. und ich dachte euresgleichen mag schilling und euro eh lieber als euro und cent. man muss sich halt ein wenig auf seine leser einstellen, finden sie nicht?

ps: heute schon drei bier bestellt?

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Re: Re: Re: für die presse-philister ist doch jeder groschen für kunst einer zuviel

Nein keine drei Bier.
Unlängst mit Alfred Gusenbauer einen Barolo La Serra 2004 getrunken und kürzlich einen Clos d`Ambonnay 1996 mit Peter Noever, auf Spesenrechnung versteht sich

Gast: GernotSchwa.
03.11.2012 19:02
8 0

Wer sein Büro gleich für fast 50.000 Euro einrichtet

ist entweder in der Privatwirtschaft Direktor oder ein agehobener Politker.

Frau Schmied ist Politikern und kann auf die Bussi Bussi Freunde der Herren Direktoren nicht verzichten.

Bekannt waren die Anschuldigungen bereits beim Armtsantritt, allerdings hat Frau Schmied nicht durchgegriffen.

Wieos?

10 0

Wertvoll, wertvoller, am wert...?

http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Noever

1997 Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst

2010 Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien

Unser HBP und seine Margit (FBP) sind so stolz!

Gast: Jetzt nicht mehr Steuerzahler!
03.11.2012 18:01
9 0

Andere Länder!

In anderen Ländern hätte das Volk schon gewußt, wie sie mit diesen Sau..... umgehen!
Aber bei uns ins Bananien!

Gast: dr triernpurg
03.11.2012 17:58
0 19

leistung kostet halt

wenn man nicht ordentlich zahlt, bekommt man halt nur die zweite garnitur.

....reine neiddebatte von tauge.- und habenichtsn.

Re: leistung kostet halt

Haben sie nachgedacht, bevor sie diesen Kommentar geschrieben haben? Wohl kaum, Leistung ist Leistung, Misswirtschaft und Korruption haben damit nichts zu tun.

3 1

Re: leistung kostet halt

Mit solche einfältigen Hetze sollten Sie nicht spielen!
.#
Ironie ist das nicht, was Sie da so vorhaben.

Antworten Gast: gast h.h.
03.11.2012 18:30
8 0

Re: Leistung kostet halt - aber bitte: wo war de Leistung? Wo ??


Wenn jemand wie dieser Direktor dem Steuerzahler in die Tasche greift, um das Geld zu veruntreuen, ist das keine Neiddebatte. Auch ein Museumsdirektor hat sich an die gesetze zu halten, Himmel Herrgott noch einmal!

Es wird sich sicher rekonstruieren lassen, welche absurden Malversationen im Museum für Angewandte Kunst passeirt sind, und wenn alles feststeht, dann muss der Verursacher auf Schadenersatz geklagt werden. Speziell dann muss mit ihm prozessiert werden, wenn er tatsächlich auch noch Forderungen erheben will. Das schaun wir uns an, wie man in Wien sagt, das schaun wir uns an!

Und schließlich gehöret die politische Verantwortung klargelegt. Wer hat diesen Herrn bstelltß Wer hat ihn verlängert? Wer hat alles gewußt, aber nichts getan? Bitte alle vor den Vorhang!

20 0

Ich sag es ungern weil es immer wieder wiederholt wird, aber es stimmt scheinbar wirklich:

Jeder sogenannte Kleine wäre schon angeklagt, abgeurteilt und zur Rückzahlung aller verursachter Kosten verdonnert, ohne dass er die Möglichkeit hat sich privat teure Anwälte zu leisten.
Es läuft einiges schief in unserem Lande.

Es läuft einiges schief in unserem Lande.

Auch schon draufgekommen, hast lange gebraucht!

2 0

Re: Es läuft einiges schief in unserem Lande.

Manche bergreifen halt schneller wie Sie. Ich bin halt ein SO langsamer.

Gast: phj
03.11.2012 15:38
16 0

„Alle wussten, was los ist“

Nur die BM Schmied nicht.
Soviel Ahnungslosigkeit, soviel Inkompetenz, soviel Versagen.
Bye, bye 2013

Antworten Gast: KRS
03.11.2012 16:20
13 0

Re: „Alle wussten, was los ist“

keine überraschung bei claudia "kommunalkredit" schmied.

Antworten Gast: Halbwissen
03.11.2012 15:59
7 0

Re: „Alle wussten, was los ist“

Ja, ja die wusste nicht was los ist !

Sie glauben anscheinend wirklich die sind dumm nur weil sie alle für sich selbst und nicht fürs Volk arbeiten.

Gast: little_brother_is_watching_you_too!
03.11.2012 15:19
16 0

es gibt...

... grundsätzlich nichts widerlicheres, als regimeschleimende staatskünstler! die allermeisten sind darüber hinaus auch noch ziemlich talentlos, ausser talentiert, öffentliche gelder einzustreifen.

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Busek Live!

Man muss sich zum Thema doch nur das Gesülze des ÖVP-Totenbegleiters Erhard Busek geben! Da weiß man, wie und warum die durchwegs politlinke Wiener Kulturschickeria weit in das bürgerlich-schwarze Lage hinein reicht! Man ist halt so viel und "Ohne Wenn und Aber" miteinander verhabert, verfreunderlt und verzahnt dass die Noevers beim Auffliegen nur ein Betriebsunfall des Wiener Kulturbetriebs bis in den Staatsfunk hinein, sind. ...Und morgen ist dann alles wieder wie gehaber)t"..."

Ist das nicht schön in Österreich ?

Gibt es überhaupt einen bereich wo öffentliche Steuergelder nicht gestohlen werden ? Oooo nein ist ja nur was ihnen für diese außergewöhnliche Leistung Bezahlt wird.

 
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