Die Ausstellungen 2013: "Like it!"

05.01.2013 | 18:13 |  von Almuth Spiegler (Die Presse)

Große Personalen von Lucian Freud bis Gottfried Helnwein und große Gefühle von Liebe bis Zorn werden uns heuer in Österreichs Museen und Kunsthallen serviert: Was uns 2013 an Kunst erwartet.

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Wie kann man das Klimt-Jahr 2012 nur toppen? Ein Jahr, in dem Wiens Museen großteils vorbildhaft ihrem Auftrag nachgekommen sind – nämlich die Schätze, die sie lagern, bestmöglich aufzuarbeiten und, ja, zu vermarkten. Toll war das. Und jetzt?

Kein Schiele-Jahr (erst 2018!), kein Kokoschka-Jahr in Sicht. Dafür wird Hans Staudacher am 14.Jänner 90 (was allein die Galerie Hilger zu feiern weiß) und Hermann Nitsch im August 75 (was sein eigenes Mistelbacher Museum natürlich dementsprechend retrospektiv zu würdigen weiß). Ansonsten macht dieses Ausstellungsjahr ein bisschen den Business-as-usual-Anschein – was jeder Direktor, jede Direktorin natürlich vehement bestreiten würde. Aber nachdem die Albertina das vorhersehbar kontroversiellste Projekt des Jahres, eine Damien-Hirst-Ausstellung, absagen musste, scheint 2013 recht gemütlich zu werden.

Immerhin stehen zwei Neueröffnungen an: Erst wird die Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums endlich, nach zehn Jahren Schließzeit, am 28.Februar wieder aufgesperrt, was standesgemäß der Herr Bundespräsident übernimmt. Tickets für die ersten, ziemlich sicher überlaufenen Wochen sind online bereits zu erwerben. Und im Oktober expandiert dann die stolze Belvedere-Oberbefehlshaberin Husslein (eine Million Besucher 2012!) und eröffnet in Prinz Eugens ehemaligem Stadtpalais in der Himmelpfortgasse eine Barock-Dependance.

Barock beginnt auch das Jahr im ehemaligen Sommerpalais des Prinzen, genauer im Unteren Belvedere, wo eine große Schau die Hauptzeit „Seit 1630“ beleuchtet. Weitere Hauptprojekte im Belvedere widmen sich heuer ab Juni der „Dekadenz“, also dem österreichischen Symbolismus, Paul Gauguin im Herbst und Friedensreich Hundertwasser und seinen japanischen Verbindungen ab März. Der Titan unter den Einzelausstellungen, die wir uns heuer wieder einmal üppig selbst, also österreichischen Künstlern, ausrichten – unterschätze man doch niemals die Lust an der Selbstbespiegelung!

Gironcoli, Helnwein, Damisch. Das Essl Museum gedenkt im Herbst dem 1992 verstorbenen Maler Kurt Kocherscheidt. Die Secession stellt ab 28.Februar, im Vorfeld der Anfang Juni startenden Biennale Venedig, ihren Hauptraum Mathias Poledna zur Verfügung – damit Österreich zumindest die Chance hat, die Filme seines heurigen Biennale-Vertreters kennenzulernen (was allerdings purer Zufall, nicht freundliche Vermittlungsarbeit ist).

Bruno Gironcoli hatte 2003 das Venedig-Vergnügen, Ende Mai bekommen seine Skulpturen im 21er Haus wieder eine prominente Plattform. Parallel dazu wird uns in der Albertina Gottfried Helnweins Werk neu – und in natürlich noch nie da gewesener Breite – vorgelegt. Es folgt Gunter Damisch, der den Sommer auf der Albertina-Bastei bestreitet. Heimo Zobernig verbringt seinen 2013 in Graz, wo er im Kunsthaus seinen Hang zum Theatralischen herausarbeitet. Ebenfalls Sommerkinder sind Kiki Kogelnik und Elfie Semotan in der Kunsthalle Krems. Dort huldigt man heuer überhaupt den Damen – ganz im Gegensatz zum Essl Museum, das mit Baselitz, Tim Eitel, Martin Schnur und Stargastkurator René Block ein extrem männliches Programm fährt. In Krems aber steuert alles auf den Auftritt einer der wenigen weiblichen Kunststars hin: Yoko Ono, die im Februar 80 wird, tourt mit einer Retrospektive durch Europa. Ab 20.Oktober macht sie in Krems, bei Yoko-Ono-Intimus Hans-Peter Wipplinger, Station (neben der Schirn Frankfurt und dem Louisiana Art Museum).


LucianFreuds Vermächtnis. Noch eine zweite Künstlerin, die im Schatten der Beatles stand, ist heuer zu Gast: Ab 6.Juni wird die erste umfassende Retrospektive der Fotografin Linda McCartney im Kunsthaus Wien zu sehen sein. Ähnlich internationalen Glamour verspricht der Rising Star der 2000er-Jahre, Olafur Eliasson, zu versprühen. Er zündet dem Lentos in Linz zu dessen zehntem Geburtstag im Sommer ein „Cosmic Campfire“, ein kosmisches Lagerfeuer, an.

Der gewichtigste Gaststar der (Post-)Moderne ist heuer aber ausgerechnet im Kunsthistorischen Museum zu finden: Der englische Maler Lucian Freud war (naturgemäß) begeistert, hier das ausstellen zu dürfen, was er als seine Hauptwerke betrachtete. Mitten in den Vorbereitungen, im Juli 2011, verstarb er allerdings. Dieses Vermächtnis, organisiert von Kurator Jasper Sharp, wird jedenfalls auch international für Aufsehen sorgen (ab 8. Oktober).

Einem gewaltigen österreichischen Maler rückt im Herbst noch das Leopold- Museum auf den Leib: Oskar Kokoschka wird mithilfe des aufgearbeiteten Fotoarchivs der Angewandten (5000 Kokoschka-Fotos!) so lebensnah wie nie präsentiert.

Die zweite Hauptschau im Leopold Museum ist einem ätherischeren Phänomen gewidmet, den „Wolken“, womit wir bei den großen Themenausstellungen wären: Tobias Natter und seine Kuratorenkollegen haben die Blicke gen Himmel von William Turner, Claude Monet, Ferdinand Hodler, Max Beckmann und Gerhard Richter hier gebündelt (ab 22.3.). Den kulturhistorischen Hauptact liefert heuer aber das Wien-Museum im Herbst, wenn es mit „Experiment Metropole“ episch daran erinnert, dass Wien 1873 einmal sogar eine Weltausstellung ausrichtete, die erste im deutschsprachigen Raum.

Im Gegensatz dazu wählte das Essl Museum den fast schon provokant zeitgeistigsten Zugang zum Koloss Museumsausstellung, im Herbst zeigt man hier mit „Like it“ eine Gruppenschau, über deren Exponate die Facebook-Community abstimmen soll. Den bislang interessantesten Titel hat das Kunsthaus Bregenz vom Theatermacher René Pollesch geklaut: Die Schau „Liebe ist kälter als das Kapital“ umfasst u. a. Werke von Keith Haring und soll dem „Wert der Gefühle“ nachgehen. „Große Gefühle“ (Liebe, Zorn, Trauer) an sich zeigt die Kunsthalle Krems ab 10.März anhand 50 zeitgenössischer Werke der Turiner Sammlung Sandretto Re Rebaudengo in Dialog mit Werken aus dem Kunsthistorischen Museum. Fast schon leidenschaftlich ruft auch die Generali Foundation zu ihrem 25-jährigen Bestehen „Amazing! Clever! Linguistic!“ aus und beschwört ab 17. Jänner noch einmal das, was sie am besten kennt, das Abenteuer Konzeptkunst.

Und auch einen Abschied wird man heuer hinnehmen müssen (mit mehr oder weniger Tränen): Nach eineinhalb Jahren verlässt die klingende schwarze Spitzenskulptur „The Morning Line“ den Schwarzenbergplatz. Und geht als Dauerleihgabe Francesca Habsburgs an Peter Weibel, also ans ZKM Karlsruhe.

Was vom Klimt-Jahr Blieb

Die Bücher, die man haben sollte:

Albertina-Katalog: „Gustav Klimt: Die Zeichnungen“, von Marian Bisanz-Prakken, Hirmer, 49,90 Euro.

Der goldene Ziegel: Tobias Natters Monster-Taschen-Verlag-Prachtband mit unglaublich üppigen Fotostrecken im Kartonschuber. „Gustav Klimt. Sämtliche Gemälde“, 150 Euro.

Klimt privat: Michaela Schlögl folgte „Klimt mit allen fünf Sinnen“, hier finden sich die Anekdoten: Von Klimts geliebtem Schlagobers bis zu seinem bevorzugten Sitzplatz im Konzert. Styria Premium, 19,90 Euro.

Fotografien: „Gustav Klimt & Emilie Flöge“, Hg. von Agnes Husslein-Arco und Alfred Weidinger, Prestel Verlag, 24,95 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.01.2013)

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3 Kommentare

"gedenkt"

verlangt den Genitiv.

Zensur..

...bei diesem Thema. Alles klar.
Mein Abo ist abbestellt!

Ist...

...er jetzt bei Scientology, oder ist nicht?



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