Open Studio Day: In der Ich-Werkstatt

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Text: Johanna Hofleitner

Grenzen der Malerei.
Nick Oberthaler. Sein Metier ist die Malerei, auch wenn er dabei so gut wie gar nicht zu klassischen Utensilien wie Leinwand und Ölfarbe greift. Dennoch hält der gebürtige Bad Ischler, der auch längere Zeit in Belgien gelebt hat, fest: „Ich würde sagen, ich bin Maler.“ In seinen fragil wirkenden Bildern lotet er die Grenzen des Mediums vor allem in Richtung Zeichnung, aber auch Objekthaftigkeit aus. So ist Papier ein häufig verwendetes Trägermaterial, das er mit leichtflüssigen Farben wie Aquarell oder auch Tusche in Felder unterteilt. Ab und zu finden sich in seinen Arbeiten auch untypische Elemente und Materialien, Fotofragmente etwa, Fotokopien, dreidimensionale Gegenstände oder Texte. Oder er arbeitet mit Lacktechniken aus dem Industriebereich, wie Pulverbeschichtung. Als Materialfetischisten sieht sich Oberthaler dennoch nicht. „Material ist ein notwendiger Grund jeder Arbeit“, sagt er. „Es ist ein Rechercheprozess herauszufinden, welches Material welche Parameter bereithält, was es erlaubt und was es ausschließt. Dabei geht es mir nicht um Design oder darum, schöne Oberflächen herzustellen. Vielmehr ist es insgesamt ein pragmatischer Prozess, auch um mein Problem mit einem Trägermedium wie zum Beispiel Leinwand zu umgehen.“ Weitere wichtige Faktoren sind für Nick Oberthaler die Zeit sowie der Austausch mit anderen – im Sinn von „einer Ergänzung des eigenen Aktionsradius und einem Interesse an der Meinung und Wahrnehmung einer anderen Person“.  (c) Christine Pichler

Graben im massenmedialen Bilderfundus

Anita Witek. „Das Atelier ist mein Arbeitsplatz und letzter Rückzugsbereich, wo ich die Dinge verdauen kann“, sagt Anita Witek. Dieser Ansatz entspricht ihrer Arbeitsweise. Denn um zum Bild zu kommen, gräbt sie sich durch Unmengen von Bildern aus alten Zeitschriften ebenso wie Büchern vom Müll oder aus dem Antiquariat, um sie dann zu analysieren, mit dem Stanleymesser zu zerschnippeln und letztendlich neu zusammenzusetzen. „Mein Bilderreservoir ist der kollektive Fundus der Massenmedien“, sagt sie. Dabei interessieren sie vor allem Ränder, Hintergründe und anderes Beiwerk. „Dinge, die ursprünglich nicht im Fokus waren und nicht eindeutig zuordenbar sind.“ Diese werden dann lose aufeinandergelegt, montiert und geschichtet, bis das Bild fertig ist. Das Auswahlverfahren folgt einem „Mix aus Kontrolle und Zufall“, abgebildete Raumelemente geben dem Bild ebenso ein Gerüst wie die letztendliche Gestaltung schlussendlich vom Ausstellungsraum bestimmt wird – wie etwa aktuell die Architektur der Alten Börse, für die sie gerade ein 38 Meter langes Bild erarbeitet. Auch wenn Witeks Metier die Fotografie ist, die sie sechs Jahre lang am Londoner Royal College of Art studiert hat, ist der Prozess für sie eigentlich ein malerischer: „Die Schnipsel sind meine Farbe.“ Kamera und Blitzlicht kommen erst am Schluss zum Einsatz und dienen vor allem dazu, das Bild zu fixieren. www.anitawitek.net(c) Christine Pichler

Kein Stillstand

Alfredo Barsuglia. Dieser Mann will sich nicht festnageln lassen. Nicht auf einen Ort, nicht auf eine Methode oder ein Medium, und auch nicht auf einen Arbeitsplatz. Nicht nur, dass der gebürtige Grazer mit italienischen Wurzeln und großer Amerika-Affinität lange zwischen Europa und den USA pendelte und erst mit der Geburt seines Kindes in Wien sesshaft wurde. „Ich bin prinzipiell umtriebig und bewege mich in verschiedenen Medien“, sagt er. „Kein Stillstand – das ist mir wichtig! Daher macht es mir auch Spaß, Arbeiten zu machen, die körperlichen Einsatz verlangen: zum Beispiel ein Loch graben, in der Natur Steine sammeln oder ein Haus zu bauen.“ Neben der Vorbereitung einer Installation für den neuen Wiener Schauraum der Galerie Zimmermann-Kratochwill ist Barsuglia aktuell gerade mit dem Bau eines zwar kleinen, aber voll funktionstüchtigen Hauses beschäftigt, das den Winter über als Kunstwerk im öffentlichen Raum in Innsbruck aufgestellt sein wird und getreu seinem Titel „Hotel Public“ der Allgemeinheit kostenlos zur Verfügung steht: „Die Nutzung ist offen: Touristen können darin beispielsweise ebenso übernachten wie Obdachlose oder Leute, die einfach nur einmal eine Nacht nicht zu Hause verbringen wollen. Erst das Publikum vollendet das Kunstwerk – so wie ich auch in meinen Bildern oft Teile der Vorzeichnung stehen lasse, damit die Betrachter die Bilder im Kopf vollenden. Ich mag Kunst, die den Betrachter involviert.“ www.alfredobarsuglia.com(c) Christine Pichler

Alles auf die Spitze treiben

Iv Toshain. Ein Stehpult, eine Le-Corbusier-Liege und eine Staffelei, die angesichts der überwiegend aus Ready-mades gefertigten Objekte wie ein Fremdkörper wirkt: Dinge, die einem beim Betreten von Iv Toshains Atelier ins Auge springen. Dazu eine große Rolle Luftpolsterfolie, ein iPad – heute übliche Künstlerutensilien eben. Jedes Element spielt auf seine Weise ein Rolle. „Das Atelier ist die Verlängerung meiner selbst“, sagt Iv Toshain. „Was du hier siehst, bin ich.“ Das Recherchieren gehört da ebenso dazu wie das Zusammenbauen von Objekten oder das Experimentieren mit unorthodoxen Malmethoden. Immer wieder tauchen Metallsterne auf, entweder als Sujet oder als Bausteine, die bei näherem Hinschauen ihre Herkunft aus dem Kampfsportbereich verraten. Diese Doppelbödigkeit ist ein strukturelles Merkmal der Arbeiten Iv Toshains, die gern Begrifflichkeiten auf die Spitze treibt, um auch deren Kehrseiten aufzudecken. Ein Kugelobjekt mit dem romantischen Titel „Morning Star“ ruft Assoziationen an eine Granate wach. Porträts von „Shooting Stars“ wird ihr Glamour durch Metallapplikationen entrissen. „Es ist ein Spiel mit Ästhetik und Konzept“, sagt die gebürtige Bulgarin, die seit 2000 im Westen lebt. Wie en passant erzählt sie von ihrer Kindheit und langen Aufenthalten in Krisengebieten wie Libyen und dem Irak und räumt ein, dass sie diese Erfahrungen wohl mehr geprägt haben, als sie sich selbst lange eingestehen wollte.(c) Christine Pichler
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