Bachmannpreis: Josef Winkler rechnet politisch ab

24.06.2009 | 20:41 |   (DiePresse.com)

"Räuberische Politiker" und "größenwahnsinniger Bürgermeister". Der Kärnter Schriftsteller greift mit seiner Rede zur Eröffnung der 33. Tage der deutschsprachigen Literatur die Politik seines Bundeslandes heftig an.

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Der Kärntner Schriftsteller Josef Winkler hat am Mittwochabend im Klagenfurter ORF-Theater die 33. Tage der deutschsprachigen Literatur mit seiner Rede zur Literatur eröffnet. Der Text "Der Katzensilberkranz in der Henselstraße" geriet einerseits zu einer intensiven Auseinandersetzung mit Ingeborg Bachmann, andererseits zu einer beinharten politischen Abrechnung mit den Mächtigen in seinem Bundesland. Ein weiteres Epizentrum der Rede war der tragische Unfalltod eines neunjährigen Buben vor zwei Jahren in der Kärntner Landeshauptstadt.

Immer wieder flicht Winkler Zitate aus Bachmann-Werken in seinen Text ein, dessen Titel ebenfalls direkt mit der Autorin zu tun hat. In der Henselstraße hat Bachmann einen Teil ihrer Kindheit und ihrer Jugend verbracht. Winkler: "'Kinder legen alte Worte ab und neue an', steht in der Prosa "Jugend in einer österreichischen Stadt" - einer Stadt, die Ingeborg Bachmann in dieser Geschichte nur einmal mit dem Buchstaben 'K' identifiziert." Dies löst bei Winkler Erinnerungen an die eigene Jugend, an die Schulzeit aus.

Die Assoziationskette geht weiter zu dem Unfalltod an einer Kreuzung unweit der Henselstraße: "...seinen Verletzungen erlegen ist auch der neunjährige Lorenz Woschitz, vor zwei Jahren, als einem größenwahnsinnig gewordenen Bürgermeister und einem ebenso größenwahnsinnigen Landeshauptmann, den beiden Hausherrn der Stadt K. und des Landes K., in den Kopf gestiegen war - der eine hat später, schwer alkoholisiert, aus seinem mit dreifach überhöhter Geschwindigkeit fahrenden Auto ein beim Aufprall mehrfach sich überschlagendes Geschoß gemacht -, für drei Fußballspiele, für viereinhalb Stunden Fußball also, ein gigantisches Fußballstadion in dieser Kleinstadt zu bauen. Der neunjährige, gerade aus der Schule kommende Lorenz Woschitz, der auf dem Heimweg war, wurde in Klagenfurt an einer Kreuzung - damals ein Dreivierteljahr lang eine ein paar hundert Quadratmeter große Baustelle -, die er auf einem Zebrastreifen bei Grün überquerte, von einem Lastwagen überfahren und getötet."

Die Anklage Winklers: Für den Bau des Fußballstadions seien immer wieder Arbeiter von eben dieser Kreuzung abgezogen worden. Und so "haben die verantwortlichen Straßenbauer, die Sensenmänner von Klagenfurt, wie ich sie nenne, schließlich den Tod eines Schulkindes buchstäblich aus dem Asphalt gestampft".

Keine Bibliothek in Klagenfurt

Heftige Kritik übte Winkler auch an der Tatsache, dass Klagenfurt bis heute keine eigene Bibliothek besitzt, was er als Verrat an der Jugend wertet: "Diese Stadt Klagenfurt, die sich seit über dreißig Jahren, jährlich im Juni, in der Zeit der Lindenblüte, als deutschsprachige Literaturhauptstadt feiern lässt, ist wohl die einzige Stadt Mitteleuropas mit 100.000 Einwohnern, in der es keine eigene Stadtbibliothek gibt." Es gebe kein Geld, so die steten Argumente der Politiker, meinte Winkler und stellte dieser Aussage das Sechs-Millionen-Euro-Honorar entgegen, das der damalige Landeshauptmann Jörg Haider, "der sich mit seiner Asche aus dem Staub gemacht hat", und ÖVP-Chef Josef Martinz einem Steuerberater für die Beratung beim Verkauf der Landesanteile der Kärntner Hypo an die BayernLB bezahlt haben.

Dafür gebe es Geld, ebenso wie für das 70 Millionen Euro teure Fußballstadion. "Aber für eine Stadtbibliothek in der Landeshauptstadt, wie es sie in jeder Stadt Mitteleuropas gibt, hatten diese drei erwähnten Politiker in den letzten Jahren, und eigentlich seit dieser Literaturwettbewerb existiert, kein Geld. Sie haben kein Geld für eine Bibliothek für Kinder und Jugendliche. Sie haben kein Geld für Bücher. Sie haben kein Geld für die Bücher von Ingeborg Bachmann."

Ebenso wie die Stadt kein Geld gehabt habe, um der Familie des getöteten Buben ein zinsenloses Darlehen für die Begräbniskosten zu gewähren, so Winkler. Der Bub ist laut Autor übrigens nicht weit vom Grab Bachmanns zur letzten Ruhe gebettet worden. Zum Abschluss stellt Winkler die Frage: "Wie lange werden sich die Bevölkerung des Landes K. und die Bewohner der Stadt K. von diesen schamlosen und räuberischen Politikern, den Hausherrn des Landes Kärnten und den Hausherrn der Stadt Klagenfurt, noch ausbeuten lassen, wann werden sie endlich auf die Straße gehen und den Mund aufmachen?"

Nach der Rede und den Eröffnungsansprachen der Politiker stand die Auslosung der Reihenfolge, in der die 14 Autorinnen und Autoren zum Wettbewerb antreten werden, auf dem Programm.

(APA)

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27 Kommentare
 
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Gast: woodenhouse
19.07.2012 12:29
0

Überraschung

Ich bin überrascht über das Niveau dieses Presse-Forums. Schaut nach Kronen Zeitung aus.
Im Jahr 2012 ist es ja nun amtlich: Ist irgendwer wirklich überrascht, wieviele Mitglieder der K. Landesregierung mittlerweile angeklagt bzw. verurteilt (nicht rechtskräftig) sind?

Gast: tscholdera
23.03.2010 01:11
0

Wonnst speibn muaßt steck dan Finga obe oder lies Winkler

Verdammt, können wir nicht einmal einen österreichischen Schriftsteller in der Gegenwart haben, dessen Bücher man gerne liest?
Noch nie habe ich es so bereut €15,8 für ein Buch auszugegeben zu haben.
ich gratuliere jedem, der es schafft überhaupt ein Buch von Winkler fertig zu lesen und noch mehr wenn er/sie sich dabei nicht übergeben muss. Aber wenn letzteres doch geschieht geilt sich der vollspako dabei noch auf und verwendet das für sein nächstes Buch.
Nur ein krankes Hirn kann solche Bücher schreiben und noch krankere Hirne verleihen dem Schwachmatenschriftsteller einen Preis.
Winkler soll seine mit Perversitäten gespickten grotesken Ergüsse für sich behalten und nicht die Menschheit damit belästigen.
Aber hey, vielleicht werde ich jetzt auch ein berümter Schriftsteller wenn ich: die Misstände in Österreich als Antrieb nehme und gleichzeitig einen Kübel voller Exkremente über Österreich ausschütte.


Gast: niki
30.06.2009 10:34
0

winkler

jelinek und winkler zB sind keine selbsternannten künstler...welch ein schwachsinn

jelinek gewann als bisher einziger österreicher/erin den literaturnobelpreis und winkler den georg büchner preis

da sitzen leute in der jury die sicher niemanden etwas schenken

selbsternannte politiker wie etwa ein ex brauerei chef etc... SOWAS GEHT MIR AM WECKER

Ekelig

Mir gehen die selbsternannten Literaten und Superkünstler 'a la Jelinek, Nitsch, Menasse, Heller und Konsorten schon langsam so auf den Wecker...

Antworten Gast: scalla17
27.07.2012 01:30
0

Re: Ekelig

was genau meinen sie denn bitte mit "selbsternannt"?

Antworten Gast: sapereaude
27.12.2009 19:45
0

@McCarthy

Na, das klingt ganz nach der FPÖ! Die machen gerne Plakate mit Künstlernamen und putzen sich an Künstlern ab.
Frau Jelinek und Peter Turrini können bereits ein Lied davon singen.
Oder gar das rechtsextreme www.alpen-donau...?
Da wird gegen Künstler gehetzt. Vielleicht gibt es bald fliegende Steine oder mehr?
daran sollten Sie ruhig denken.

Werke von und über Ingeborg Bachmann in öffentlichen Klagenfurter Bibliotheken

In Klagenfurt gibt es zwar keine Stadtbibliothek,
aber einige andere öffentliche Bibliotheken.
Werke von und über Ingeborg Bachmann sind in den Bibliotheken der Alpen-Adria-Universität
Klagenfurt, der Pädagogischen Hochschule Kärnten und des Landesmuseums Kärnten vorhanden. Die zuletzt genannte Bibliothek nimmt die Aufgaben einer Kärntner Landesbibliothek wahr.

Antworten Gast: na dann ist ja alles bestens, nicht?
29.06.2009 16:16
0

Re: Werke von und über Ingeborg Bachmann in öffentlichen Klagenfurter Bibliotheken


Grauenhaft peinlich

Ist Literatur nicht vielleicht doch etwas anderes als Peristaltik - als Verdauung mit nachfolgender Ausscheidung vorgefertigter Inhalte ?

Hat gute Literatur nicht auch etwas mit Ethik zu tun ?

Überschreitet eine "Anklage", deren Absurdität auf den ersten Blick auszumachen ist, nicht sämtliche Grenzen des Anstands, die sich eine gebildete Gesellschaft freier Menschen auferlegen will ?

Was ist von einer Formulierung über den Unfalltod eines Menschen (gut - eines Politikers; in Ordnung - eines politischen Gegners; aber immerhin: eines Menschen) zu halten, die lautet, der Verstorbene habe sich mit seiner eigenen Asche aus dem Staube gemacht ?

Vielleicht hat Philipp Weiss noch am ehrenvollsten gehandelt, als er seinen Text öffentlich verspeiste (natürlich unter der Voraussetzung, daß es sich um das einzige existierende Exemplar gehandelt hat). Josef Winkler sollte es ihm in diesem Fall gleichtun (natürlich unter der weiteren Voraussetzung, daß er sich nicht durch die Giftigkeit seiner eigenen Diatriben eine Magenverstimmung, oder gar Schlimmeres, zuziehen könnte). Sonst wäre auch eine andere Form der umweltgerechten Entsorgung des Unerträglichen in Erwägung zu ziehen. Nur bitte nicht verbrennen, das weckt falsche Assoziationen und erzeugt klimaschädigende Emissionen. Danke !


Re: Grauenhaft peinlich - direkt widerlich sind die Ergüsse von Josef Winkler


aber manche sog. Künstler, etc. nehmen für sich das Recht in Anspruch -
Andere Menschen anzuschütten -
tritt man ihnen nahe rennen sie sofort zum Kadi
einfach widerlich solche Typen

Gast: Die Bunte Zeitung
25.06.2009 18:56
0

Der neue Geist

Wir wissen ja wer überhaupt kein Interesse daran hatte irgendetwas nicht zu begreifen: Ingeborg Bachmann!
http://www.buntezeitung.at/ingeborgbachmann

Gast: Lebon
25.06.2009 18:02
1

Winkler

Was Schrankenwärter Laumann für den Schienenverkehr ist Winkler für die Ö Literatur: http://www.youtube.com/watch?v=ECrJS8VENhU
Lest Kappacher, Handke von mir aus Turrini. Aber der Winkler kann gar nix am Schreibtisch

Hr. winkler hat mit seiner kritik ueber weite strecken recht............

den tragischen unfall den er zitiert irgendeinem politiker in die schuhe zu schieben ist dumm. der prozentanteil derjenigen, die den bachmann preis tatsaechlich aus interesse verfolgen, ist ein verschwindender - die eroeffnung fuer dieseart der berechtigten kritik das falsche forum - schade eigentlich...............

wer einfach denkt, versteht einen vielschichtigen Text nicht

leider gibt es auch unter Presselesern sehr simpel denkende Menschen. Von solchen haben wir schon in Kärnten zu viele.

Gast: epurrsimuove
25.06.2009 13:17
0

Danke

der diesjährige bachmannpreis geht an -> josef winkler!

Bachmannpreis:

...links-linke selbstbeweihräucherung!

Gast: Peter
25.06.2009 10:57
1

Provinziell

Der Bachmann-Preis ist eine der größten Literatur-Veranstaltungen im deutschsprachigen Raum.

Warum glaubt Herr Winkler, dass sich außer den Österreichern irgendjemand für die Kärntern Lokalpolitik interessiert???

Selbstverständlich wurde auch der Leibhaftige höchstselbst in die "Rede" eingeflochten.
Nämlich der verstorbene LH.

Billig, peinlich und beschränkt.

Antworten Gast: Goldsurfer
25.06.2009 13:00
0

Re: Provinziell

peter sie haben doch schon im standard fast das selbe geschrieben,fast der selbe wortlaut nicht wahr? sind die vom bzö oder der övp...ein profiposter was? wahnsinn..das ist peinlich.

Antworten Antworten Gast: Peter
25.06.2009 13:56
0

Re: Re: Provinziell

Wo liegt das Problem wenn man zum selben Thema bei zwei Tageszeitungen postet?

Anders gefragt:
Warum soll ich beim Standard eine andere Sicht vertreten?

Klären'S mich auf?

Ich bin nach wie vor der Ansicht, dass die (unwichtige) Kärtner Lokalpolitik für Zuseher aus Hamburg oder Zürich kaum von Interesse sein dürfte.

Sehen Sie das anders?


Antworten Antworten Antworten Gast: Gastg
25.06.2009 16:40
0

Re: Re: Re: Provinziell

Ja, das sehe ich ganz anders. Mag sein, dass sich Hamburger oder Zürcher nicht dafür interessieren, aber ICH interessiere mich sehr wohl dafür. Ich danke Herrn Winkler sehr für seine Worte. Endlich hat jemand ausgesprochen, was sich viele Kärntner denken. Hoffentlich findet bald ein Umdenken statt!!

Gast: Lotusteich
25.06.2009 08:44
0

Keine Bibliothek?

Ich kann es einfach nicht glauben, und doch glaube ich ihm, dem Josef Winkler. Interessant dass sich die bis jetzt einzigen Kommentare darauf beschränken, ihn als Linken, als Langeweiler abzutun, aber kein Wort über das absurd hohe Honorar des Herrn Steuerberaters, die fehlende Bibliothek etc. etc. verlieren

Gast: Bösewicht
25.06.2009 08:20
0

Geld her!

Man möge endlich die Kunstmafia zum Teufel jagen. Staatliche Förderung für Regenschirmmacher, Schubandhersteller und Büroklammernbieger hat tausendmal mehr Berechtigung, als die Subventionierung dieser politisch korrumpierten Künstlerkaste.

Wenn die Damen und Herren Märchenerzähler viel Geld erwirtschaften wollen, dann mögen sie halt G¿schichterln schreiben, die am freien Markt verkaufbar sind. Warum soll der demokratische Prozess von Angebot und Nachfrage am freien Markt, ausgerechnet für Künstler und Autoren von Phantasiegeschichten nicht stattfinden?

Derzeit ist es so, dass ich Steuern und Urheberrechtsabgaben an die Kunstmafia dafür bezahlen muss, dass ich meine eigenen Texte vervielfältigen darf.

Schamlos und räuberisch sind nicht nur die Politiker, sondern auch diese sogenannten Meinungsmultiplikatoren, welche die Politiker erpressen.

Antworten Gast: sapereaude
27.12.2009 19:53
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@Bösewicht

nomen est ...

Re: Geld her!

Bravo !
Ihr Beitrag sollte an alle Politiker verteilt werden.

Wenn man absolut nichts zu sagen hat

dann "flicht" man halt Zitate von renommierteren Kollegen ein und budelt sich mit Politschwachsinn, wie ihn heutzutage jeder sozialistische Hausmeister absondert, auf.

einfach zum Gähnen ...

Ich kann mir nicht vorstellen, wer die anödenden Romane Winklers eigentlich liest außer Germanistikstudenten, auf deren Pflichtprogramm dieser Langweiler steht.

Ebenso zum Gähnen ist die politische Suada dieses Linken!


 
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