derStandard.at-Redakteure fordern Gleichbehandlung

24.10.2012 | 17:55 |   (DiePresse.com)

Die Journalisten protestieren gegen Missstände und bekommen Unterstützung von Gewerkschaft und Konkurrenz. Herausgeber Bronner verweist auf "Leistbarkeit".

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Die Online-Journalisten der Tageszeitung "Der Standard" protestieren in einem Brief an "Standard"-Herausgeber Oscar Bronner gegen arbeitsrechtliche Missstände und Ungleichbehandlung innerhalb des Verlagshauses. Die standard.at-Redakteure fordern "bessere Arbeitsbedingungen und eine gerechte Entlohnung", wie es in dem DiePresse.com vorliegenden Schreiben heißt.

"'Der Standard' und derStandard.at stehen im österreichischen Medienwettbewerb für Qualitätsjournalismus und transportieren dieses Image auch nach außen. Allein: Diesen Qualitätsanspruch vermissen wir im Umgang mit Ihren MitarbeiterInnen. Hier gibt es immer noch ein Zweiklassensystem", erklären die Journalisten des Wiener Medienverlags. Im Gegensatz zur Print-Redaktion würden die Journalisten im Online-Bereich im IT-Kollektivvertrag oder als Internetbetreuer geführt. "Als solche sind wir in jeder Hinsicht schlechter gestellt: finanziell, rechtlich und sozial. Es schadet der Moral, dass unsere Arbeit gering geschätzt wird."

"Freie Dienstnehmer sind es meist nicht freiwillig"

Danach folgt eine Auflistung der Kritikpunkte: Vertragsverhältnisse würden nicht der tatsächlichen Arbeit entsprechen, die Fähigkeiten der Mitarbeiter nicht entsprechend entlohnt. Nach Anstellung bei derStandard.at würde man für eine Vollzeitstelle 2.200 Euro brutto verdienen. Vordienstzeiten würden dabei nicht berücksichtigt, für Sonntagsarbeit gebe es keinen Zuschlag, Randdienste würden nur zwischen 23.00 Uhr und 7.00 Uhr gesondert vergütet, das Gehalt nicht regelmäßig inflationsangepasst.

Daneben würden Teilzeitkräfte in die Scheinselbstständigkeit gedrängt und arbeiteten als freie Dienstnehmer zu noch schlechteren Konditionen. In der Praxis agierten sie aber wie Angestellte und bekämen vor Abzug von Steuern und Sozialversicherung ab 11,30 Euro in der Stunde. "Freie Dienstnehmer sind es meist nicht freiwillig."

Auf einen neuen Journalisten-Kollektivvertrag wollen die Online-Redakteure des "Standard" nicht warten. "Enorme Lohngefälle zwischen Kollegen – von Angestellten nach Journalisten-KV in der Print- bis zu freien Dienstnehmern in der Online-Redaktion – vergiften das Betriebsklima und verunmöglichen eine befruchtende Zusammenarbeit zwischen Print und Online."

Im Dezember ziehen standard.at und "Standard" um

Vor allem im Hinblick auf die räumliche Zusammenführung der Redaktionen in einem gemeinsamen Newsroom - "Der Standard" übersiedelt im Dezember an einen neuen Standort - sei der "Status quo der Ungleichbehandlung" nicht aufrechtzuerhalten, schreiben die Redakteure an Herausgeber Bronner. "Es ist an der Zeit, dass sich unsere Situation verbessert. Wir verdienen bessere Arbeitsbedingungen und eine gerechte Entlohnung."

Bronner: "Ihren Unmut kann ich verstehen"

Standard"-Herausgeber Oscar Bronner signalisiert den Online-Journalisten seines Verlagshauses Gesprächs- und Verhandlungsbereitschaft. "Ihren Unmut kann ich verstehen. Selbstverständlich trete auch ich für faire Gehaltssysteme ein", schrieb Bronner am Mittwoch an die standard.at-Redakteure. Zugleich verwies er aber auf die begrenzten finanziellen Möglichkeiten.

"Ich bin Ihr Verbündeter im Bemühen um würdig entlohnten Qualitätsjournalismus, und ich möchte die Probleme in diesem Bereich gemeinsam mit Ihnen beheben. Ich muss dabei allerdings auch auf die Leistbarkeit achten. Auf Basis des Zeitungs-KV wäre ein Online-Startup gar nicht möglich gewesen." Den Grundsatz vom gleichen Lohn für gleiche Arbeit erfülle derzeit keiner der österreichischen Kollektivverträge, weil diese immer jüngere Mitarbeiter benachteiligten. "Manche Kollektivverträge führen in einer Branche geradezu zu einer Umverteilung von unten nach oben. Dazu zählt leider der Tageszeitungs-KV", so Bronner.

Der "Standard"-Herausgeber tritt deshalb auch für eine Änderung der ungleichen kollektivvertraglichen Situation zwischen Print und Online ein. "Daher habe ich es begrüßt, als die Verhandlungen für einen gemeinsamen Kollektivvertrag für alle Journalisten begannen, wobei eine Grundbedingung die Bereitschaft zum Verzicht auf unfinanzierbar gewordene Privilegien war. Es kann in niemandes Interesse sein, dass ein Kollektivvertrag, der die Existenz der Printmedien gefährdet, in Zukunft auch Online gefährdet."

Dass die Verhandlungen über einen neuen Journalisten-KV zwischen Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) und Journalistengewerkschaft nun schon über drei Jahre dauern, empfinde er als unakzeptabel. Ebenso dass die Gewerkschaft bereits abgehakte Punkte wieder in Frage stellte. "Es entstand der Eindruck, dass die Gewerkschaft als Vertreter der Besitzstandswahrer die Verhandlungen nur so lang wie möglich hinausziehen wollten." Auch auf Kosten der Online-Journalisten, so die Kritik Bronners.

Stimmte für KV-Kündigung

Er habe daher im VÖZ für eine Kündigung des Journalisten-KV gestimmt - "in der Hoffnung, dass wir auf diese Weise schneller zu einem Ergebnis kommen". Der neue KV sei weitgehend ausverhandelt, "die offenen Punkte könnten bei gutem Willen in wenigen Tagen erledigt sein".

Was die budgetären Möglichkeiten ohne Abschluss eines neuen KV betrifft, werde man beim "Standard" im Budget entsprechende Vorsorgen treffen, so Bronner. "Dazu gibt es auch schon konkrete Gespräche mit Geschäftsführung und Betriebsrat." Bronner erinnerte seine Mitarbeiter auch daran, dass es heuer in der Online-Redaktion bereits zehn zusätzliche Anstellungen gegeben habe. "Ich glaube nicht, dass ein anderes Medium hier vergleichbare Zahlen aufweisen kann."

Zustimmung aus anderen Medienhäusern

Die Journalistengewerkschaft unterstützt die Forderungen der Redakteure von derstandard.at, ebenso wie die Redakteure von DiePresse.com und die Freien Dienstnehmer aus der "Wiener Zeitung".

"Wir haben bei der letzten Kollektivvertragsreform im Jahr 1999 auf Gehaltsteile verzichtet, damit die Onlineredaktionen in den Kollektivvertrag genommen werden. Die Unternehmer haben dies nie eingehalten und die Beschäftigten der Onlineredaktionen um die ihnen zustehenden Verträge betrogen", so Franz C. Bauer, Vorsitzender der Journalistengewerkschaft in der GPA-djp. Man habe offenbar nie ernsthaft vorgehabt, diese Verträge einzuhalten. Die meisten Online-Redaktionen in Österreich sind ausgegliedert, Redakteure in anderen Kollektivverträgen angestellt. 

"Das Geschrei der Unternehmer wegen angeblich zu hoher Löhne ist ein scheinheiliger Versuch, von diesem Betrug abzulenken, an dem die Kolleginnen und Kollegen bis heute leiden, und überdies der Versuch, die jüngeren gegen die Älteren Kolleginnen und Kollegen gegeneinander aufzuhetzen und den Abschluss eines fairen Kollektivvertrages zu torpedieren", so Bauer weiter. Die Gewerkschaft bekenne sich nach wie vor zu fairen Verhandlungen über einen fairen Kollektivvertrag, der auch Onlineredaktionen, Freie Mitarbeiter und Ausgliederungen wieder auf den Boden gesicherter und rechtlich haltbarer Verträge zurück führe.

(APA/Red.)

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41 Kommentare
 
12
Gast: AuskennerIn
25.10.2012 10:23
2

ja, ja, wasser predigen, wein trinken

muss allen streitparteien absolute verlogenheit unterstellen: die gewerkschaft schützt nur die bereits priviligierten, geschäftsführung und print gerieren sich als fleischgewordene gerechtigkeitsautoritäten und hungern die eigenen mitarbeiter/kollegen aus - und die online-redakteure schielen neidisch auf die unzeitgemäßen privilegien der anderen, die ihnen vermeintlich auch rechtlich zustehen ...

selten so gelacht!

Gast: Erwin Tripes
25.10.2012 10:04
3

15 und mehr Gehälter...

Komisch, daß kein Journalist darüber berichtet, daß im eigenen KV-Bereich gerade daran gearbeitet wird, langsam von ehemals 17 auf 15 Monatsgehälter !!! herabzusteigen?

Antworten Gast: Savage
28.10.2012 20:27
0

Re: 15 und mehr Gehälter...

17? Wie kommen sie auf diese Idee?

Es gibt ein 15., das einen einstelligen Prozentbereich des Bruttoeinkommens beträgt. Und das dürfte aller Voraussicht nach mit einem neuen KV sowieso fallen.

Qualitätsjournalismus

Das Wort Qualitätsjournalismus in Österreich in den Mund zu nehmen finde ich sehr verwegen, entweder wir haben die sogenannten Aufdecker, die letztlich kleinmütig Gegendarstellungen akzeptieren müssen und alle anderen schreiben ab natürlich dem Stil des Blattes angepasst. Diese Art von Journalismus ist ja nicht mal in der Lage Gliedsätze zu formulieren, die welche es könnten fehlt der Gang in die Tiefe, lieber eine Nacherzählung als selbst zu recherchieren und so hat jeder Wert seinen Preis. Wie gut, dass es heute tablets gibt, mit denen man die neuesten stories aus GB, USA, Italien oder BRD in guter sprachlicher Weise aufbereitet bekommt!

Gast: Hammerschmidt -
25.10.2012 06:38
2

Find ich immer witzig!

Da spitzen die Redakteure den ganzen Tag ihren Bleistift und sind unzufrieden. Wenn's mir wo nicht gefällt, wisst ihr was ich dann mache, hm? Ich suche mir was anderes! Subeventionierte Tagträumer wohin man schaut.

Re: Find ich immer witzig!

Genau. Weil es ja gerade in Österreich so leicht ist, als Quereinsteiger in einer Branche einzusteigen und da einigermaßen gut zu verdienen.
Wer bezahlt den Leuten denn die Umschulung? Sie?

So funktioniert Marktwirtschaft

Wenn tausende Studenten Medienwissenschaft studieren, dann gibts ein Gedränge.


Gast: Rl2012
25.10.2012 01:50
1

Willkommen im wirklichen Leben

Scheinselbständigkeit und seltsame Arbeitsverträge dürften heute in den meisten Firmen normal sein.

Es soll auch Manager in Firmen geben, die über eine Scheinfirma an einer Personalbereitstellungsfirma beteiligt sind und dafür sorgen, dass verstärkt Mitarbeiter dieser Firma in der eigenen Firma beschäftigt werden.

Re: Willkommen im wirklichen Leben

Ja, das ist leider wirklich so. Es ist wie in den USA: hire and fire. Nachdem das bei Angestelltenverträgen etwas mühsamer ist (Fristen, Geldansprüche), möchte man am liebsten lauter freie Dienstverträge.

Man kann sich nicht darauf verlassen, dass man seinen Arbeitsplatz nächsten Monat noch hat, selbst wenn der Arbeitsvertrag nicht befristet ist. Und so wie früher, von der Lehre bis zur Pension in derselben Firma, das gibt es heute schon gar nicht mehr. Es ist eher die Regel, dass man alle paar Jahre die Firma wechseln muss, spätestens dann, wenn man nicht mehr weiter kommt und sich verdienstmäßig in Richtung oben nichts mehr abspielt ("Wir müssen leider sparen!" Und die Manager streifen hohe Boni ein.)

Mir kommen die Tränen

Die Kombination aus APA-Artikel copy&pasten, unreflektierte linke Meinungsmache produzieren und fleißig kritische Postings zensieren bzw. löschen ist halt kein Eckhaus wert.

SSKM.

wie die kleinen kinder bashen die einen

qualitäts-leser (oder event. macher?) geben die anderen. echt intelligent.

No, so sozial ...

...dürfte es im linken Paradeschmierblatt nicht zugehen. Ist aber symptomatisch: gut sein sollen immer nur die anderen, vor allem, wenn's was kostet. Und, Standardianer: selber schuld, wenn ihr dort arbeitet. Das muß die politische Korrektheit euch wert sein. Freundschaft!

Re: No, so sozial ...

Wenn's ums Geld geht, hört sich die Freundschaft auf. Ein alter Spruch, der viel Wahres beinhaltet.

Merke: Jedes Unternehmen versucht, seine Mitarbeiter über den Tisch zu ziehen. Nur die Weite und die Schnelligkeit sind unterschiedlich.

Gestrandete Arbeiter-Zeitung Existenzen wie Günter Traxler


müssen eben standesgemäß durchgefüttert werden.
Das geht halt zu Lasten der Jungen.
Auf dieser Ebene gibt es noch einen Ehrenkodex der Soft-Kommunisten

10

hmm...


Der Standard müsste doch in Geld schwimmen - wo kommen die Millionen an Presseförderung hin die dieses grüne Einparteinblatt jährlich verbraucht?

Antworten Gast: Fakten statt Halbwissen
24.10.2012 21:13
1

Presse u Standard bekommen etwa gleich viel Presseförderung


Re: Presse u Standard bekommen etwa gleich viel Presseförderung

Was hat mein Kommentar mit der "Presse" zu tun?

Zur Ergänzung Ihres Nicks "Halbwissen"

STANDARD Presseförderung € 3,45 Mio
STANDARD Vertriebsförderung € 0,49 Mio
STANDARD Inseratenaufkommen der öffentlichen Hand und nahestehender Firmen 2009-2011 € 21 Mio

Antworten Antworten Antworten Gast: Fakten statt Halbwissen
25.10.2012 06:25
0

Dummheit siegt nicht ...

Gesamtförderung 2011 Tageszeitungen (in Euro):

Die Presse - 1.355.465,10

Der Standard - 1.290.778,20

Quelle:

http://www.atmedia.at/news/klassische-medien/pressefoerderung-2011/13-09-2011/13773/

Re: Dummheit siegt nicht ...

Ihre Intuition ist falsch - ich habe nicht über die Förderung der "Presse" geschrieben.

Bitte Fragestellung beachten - das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Es ging um den Standard - nicht um die "Presse"

Einfach addieren 2009-2011

und dann noch
Inserate Standard 2011:
ORF € 834.736
Wr.Stadtwerke €596128
WU-Wien €397.246
Informationsdienst der Stadt Wien €344.464
Wr. Linien € 230.448
usw.

Gast: freindalwirtschaft
24.10.2012 19:44
9

na ja

heute, krone, österreich machen es vor - die faymann-spö zahlt und dafür gibt es stammtisch-jubelmeldungen in deren sinn - die beim standard machen auch auf spö / grüne jubelmeldungen auf studentenniveau, verlangen aber kein geld dafür - daher - wenn der bronner nix zahlen will, dann soll sich die standard redaktion an die faymann-spö wenden, die für die erbrachten jubelmeldungen bar kralle geld abdrücken soll. ist ja so - der standard ist die AZ auf rosa - von wegen qualität

Antworten Gast: Fakten statt dumpf
24.10.2012 21:14
2

Zeigen Sie eine einzige (!)

"spö jubelmeldung" des (online-) Standard

eine einzige!

Re: Zeigen Sie eine einzige (!)

Das nennt man Suggestivjournalismus den der Standard beschreibt...

Man muss nur einmal dahinter steigen...

Antworten Antworten Gast: Fakten statt dumpf
25.10.2012 06:27
1

Keine einzige Antwort !!!

wie erwartet nur "mutige" Stricherl ...

Zeigen Sie eine einzige lachsrosa "SPÖ-Jubelmeldung" !

Re: Keine einzige Antwort !!!

Besonders auffällig war es gerade erst bei der Berichterstattung über Faymanns Inserate und die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Während die Presse groß berichtete, kritisch und investigativ auch so manche Schweinereien aufdeckte (wie z.B. die Nichteinladung der Asfinag-Zeugen durch die Wiener StA) und so eventuell dazu beitrug, dass die Justiz die Ermittlungen nicht so einfach einstellen konnte, berichtete der Standard nur als ginge es um eine Nebensächlichkeit.
Irgendwo versteckt war da ein Artikel mit dem Tenor "Ach übrigens, gegen den Kanzler wird strafrechtlich ermittelt, nicht der Aufregung wert." Dafür wird jeder substanzlose Verdachtsmoment gegen schwarze oder blaue Politiker sofort groß und episch berichtet.
Der Standard ist jedenfalls nicht ohne Grund rosa, da färbt die rote Ideologie schon auf das Papier ab. Nur anscheinend machen die das gratis und nicht aus purem Opporunismus wie die inseratenkorrumpierten Blätter Krone, Österreich und Heute.

 
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