Zwei neue Spartenkanäle für den ORF?

Der Generaldirektor denkt laut über Kinder- und Regionalkanäle nach. Im Stiftungsrat stellte er den "Plan B" samt Sparmaßnahmen für den ORF vor.

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Am Donnerstag skizzierte der ORF seine Aussichten – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Am Donnerstag hat ORF-General Alexander Wrabetz das oberste Aufsichtsgremium des ORF im Rahmen einer Strategieklausur des Stiftungsrats über die Programm- und Produktstrategie des Öffentlich-Rechtlichen bis 2020 informiert. Wrabetz hält "eine Erweiterung des ORF-Portfolios" für denkbar: Konkret will er den Ausbau von Spartenkanälen im Bereich Kinder- und Regionalprogramm prüfen, um vermehrt junges Publikum anzusprechen. Weiterhin nicht klar ist, ob der ORF für derlei Aktivitäten auch das Geld haben wird - der ORF fordert die Verlängerung der Refundierung von Gebührenbefreiungen. 

"Plan B": Einsparungen in Verwaltung und Film

Wird die Gebührenrefundierung 2014 nicht fortgesetzt, muss der ORF im nächsten Jahr 75 Millionen Euro einsparen. Am Donnerstag hat die Geschäftsführung dem ORF-Stiftungsrat in einem sogenannten "Plan B" in groben Zügen dargelegt, wie die zusätzlichen Sparmaßnahmen aussehen könnten. Detaillierte Konzepte der einzelnen Bereiche sollen bis Ende Februar ausgearbeitet und dem Stiftungsrat in der nächsten Sitzung im März vorgelegt werden.

Zusätzlich zum ohnehin notwendigen Sparpaket, das etwa eine Personalreduktion bis Ende 2016 um 250 Mitarbeiter vorsieht, müssten im nächsten Jahr noch zehn Millionen in der Verwaltung eingespart werden, vor allem in der Generaldirektion, der Kaufmännischen Direktion und der Technik, und die Ausgaben für Filmproduktionen müssten ebenfalls um zehn Millionen Euro gesenkt werden, sagten Wrabetz und Finanzdirektor Richard Grasl nach der Sitzung.

Der vorgesehene Personalabbau müsste außerdem schneller über die Bühne gehen, als bisher geplant und Reduktionen gäbe es freilich auch bei den Landesstudios, den Spartenkanälen und jenen Bereichen, die nicht zum Kernauftrag des ORF gehören.

Sechs Stategien für den ORF

Grasl nannte im Rahmen der Sitzung sechs Strategien, um die Finanzierung des ORF nachhaltig stabil zu halten. Dazu gehöre, das Gebührenmodell abzusichern und zu legitimieren. Zweitens müssen die Werbeerlöse stabil gehalten werden. Drittens sollen Aktivitäten bei neuen Erlösformen weiter ausgebaut werden. Kostenseitig müsse sich der ORF auf sein Kerngeschäft konzentrieren und die Effizienz im Programm steigern. Weiters will Grasl eine Flexibilisierung bei den Fixkosten. Sechstens müsse man sich die Frage nach der Allokation der Mittel stellen: "Wo investieren wir, wie verteilen wir effizienter?", so Grasl.

Info, Community, Regionales

Fernsehdirektorin Kathrin Zechner referierte über die Schwerpunkte beim ORF-Fernsehen. Sie will unter anderem den Informations-, Doku und Fictionanteil erhöhen, außerdem brauche der ORF die Rechte für die großen Live-Sportevents und müsse auch selbst Live-Highlights schaffen.

Der Radiobereich steht laut Hörfunkdirektor Karl Amon vor der Herausforderung, "Strategien zur Verjüngung und zum Community-Building weiterzuverfolgen und weiterzuentwickeln". Mit der Radionutzung über Mobiltelefon und Internet könne der ORF seine "Programme noch zielgruppengerechter aufbereiten und über ein und denselben Radiosender gleichzeitig verschiedene Musik-Geschmäcker bedienen".

Die ORF-Landesstudios setzen laut ORF-Burgenland-Direktor Karlheinz Papst auch in Zukunft auf Regionalität. Der Live-Anteil in den täglichen Sendungen soll noch stärker ausgebaut und der regionale Content in allen Programmen des ORF müsse - unter Berücksichtigung der redaktionellen Möglichkeiten - stetig erhöht werden.

Ausbau der TVthek

Im Onlinebereich plant der ORF einen inhaltlichen und technischen Ausbau der ORF-TVthek, die noch im ersten Halbjahr auch auf Windows 8 und in den Kabelnetzen LIWEST, Salzburg AG und kabelplus zu empfangen sein wird, skizzierte ORF-Onlinechef Thomas Prantner.

Weiters stellte er die App-Strategie und das mögliche HbbTV-Angebot des ORF vor, das im zweiten Quartal 2013 starten soll. Geplant ist via HbbTV nicht nur die TVthek und den ORF TELETEXT, sondern auch ein News,- Sport-und Wetterportal anzubieten.

Reaktionen auf den "Plan B"

Josef Kirchberger, Leiter des SPÖ-"Freundeskreises", nannte den "Plan B "eine wirkliche Katastrophe". "Das, wofür der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht, wäre dann nur noch in sehr eingeschränktem Ausmaß möglich", so Kirchberger. Der Stiftungsrat sei "immer einhellig für die Fortsetzung der Refundierung eingetreten" und es sei wichtig, dass der ORF dieses Geld von der Politik "nicht gnadenhalber" erhalte, sondern dass der ORF behandelt werde, wie andere Unternehmen - etwa die Telekom und die ÖBB - auch.

Neuer Geschäftsführer für die GIS

Vom Stiftungsrat abgesegnet wurde am Donnerstag außerdem die DVB-T2 Vermarktung durch die ORF-Sendetechniktochter ORS. Der neue terrestrische Digital-TV-Standard soll voraussichtlich im April starten und bietet gegenüber dem herkömmlichen DVB-T deutlich mehr Programme , darunter auch HD-Sender. Der Konsument dürfte für das neue Angebot, das die ORS direkt vermarktet, "weniger als zehn Euro" zahlen, hieß es. Die kostenfrei empfangbare DVB-T Plattform wird aber fortgeführt.

Bestellt wurde mit Harald Kräuter außerdem ein neuer Geschäftsführer für die Gebühren Info Service GmbH (GIS). Er wird Nachfolger von dem mit Jänner pensionierten Jürgen Menedetter und soll die GIS gemeinsam mit Johann Simon leiten.

Beschlossen wurde auch die Neuordnung der Bereiche Grafik (bisher im ORF) und Promotion (bisher in der ORF-Enterprise), die beide in die Marketing-Tochter MSG überführt werden. Zu deren dritten Geschäftsführer wurde ORF-Art-Director Michael Hajek bestellt, neben Martin Biedermann und Werner Dujmovits.

Freie Mitarbeiter? Verhandlungen am 21. Februar

Beim Thema Freie Mitarbeiter verwies der Generaldirektor auf die nächste Verhandlungsrunde, die am 21. Februar stattfindet. Er wolle diese Angelegenheit "rasch klären", sich aber kein Zeitlimit auferlegen. Die Causa Elmar Oberhauser, und die Pensionsnachzahlung für den ehemaligen ORF-Informationsdirektor in der Höhe von knapp 670.000 Euro, wurde auf Grund der fortgeschrittenen Zeit vertagt.

Kritik von Privatsendern

Kritik an Wrabetz's Plänen kommt vom Verband Österreichischer Privatsender (VÖP). "Diese Gedankenspiele sind völlig abwegig und absurd", kommentierte VÖP-Vorstandsvorsitzender Klaus Schweighofer am Freitag. Eine quantitative Ausweitung des Angebots sei "angesichts der ständigen Jammerei des ORF über seine angeblich zu knappen Budgets" für den VÖP nicht nachvollziehbar. Schweighofer sieht den öffentlich-rechtlichen Sender vielmehr gefordert, "das bestehende Angebot qualitativ" nachzubessern.

(APA)

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