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ORF: Verhaltenskodex für Moderatoren?

29.06.2009 | 18:20 |  PATRICIA KÄFER (Die Presse)

Deutsche TV-Journalisten kassieren bis zu 20.000 Euro pro Vortrag. Als Stichprobe fragte die „Presse“ „ZiB2“-Moderator Armin Wolf, wie er seine externen Engagements handhabe. „Ich lehne zirka 80 Prozent der Anfragen ab“.

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„So kassieren TV-Moderatoren ab!“, titelte die „Bild“-Zeitung vergangene Woche. Das NDR-Medienmagazin „Zapp“ hatte berichtet, „worüber kaum einer reden mag“: Jeder Journalist mit TV-Präsenz bekomme Angebote, externe Veranstaltungen zu moderieren, so „Zapp“. „Das kann Probleme geben: Kann man einen Bankdirektor kritisch interviewen, wenn man vorher für die gleiche Bank für viel Geld eine Podiumsdiskussion moderiert hat?“ So lassen sich z. B. Tom Buhrow (ARD-„Tagesthemen“) und Claus Kleber (ZDF) pro Moderation oder Vortrag 20.000 Euro bezahlen, so der NDR. Der wurde daraufhin als „Nestbeschmutzer“ beschimpft – immerhin ist der NDR wie ARD und ZDF Teil des deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunks. „Zapp“-Chef Kuno Haberbusch geht es dabei nur um die Glaubwürdigkeit öffentlich-rechtlicher Medien und die des Journalismus insgesamt, sagt er.

Wie hält es der ORF mit dieser Glaubwürdigkeit? Ein vom Redakteursrat ausgearbeiteter „Verhaltenskodex“ für Mitarbeiter existiert laut dessen Angaben seit zwei Jahren – wurde aber von Generaldirektor Wrabetz noch nicht abgesegnet.Dieser würde z. B. Nebenerwerbstätigkeiten verbieten, die den Journalisten in die Nähe einer Partei oder eines Unternehmens rücken, über die er berichten könnte. Das sei aber auch schon so garantiert, meint ORF-Kommunikationschef Pius Strobl: „Die Struktur“, also Hauptabteilungsleiter und Direktoren, verhindern Unvereinbarkeiten. Der Kodex werde beim General derzeit auf seine Praktikabilität hin geprüft, so Strobl.

 

Armin Wolf moderiert acht Mal im Jahr

Als Stichprobe fragte die „Presse“ „ZiB2“-Moderator Armin Wolf, wie er seine externen Engagements handhabe. „Ich lehne zirka 80 Prozent der Anfragen ab – alle, bei denen ich den Eindruck habe, sie passen nicht zu meinem Job: z. B. alle Veranstaltungen von Parteien, Parteivorfeldorganisationen, Ministerien und anderen öffentlichen Stellen, auch der EU“, daneben auch „einen großen Teil“ anderer Anfragen. „Insgesamt komme ich wohl auf sechs bis zehn Veranstaltungen pro Jahr, z.B. demnächst einen Vortrag beim Digitalmarketing-Kongress. Das muss vom ORF jeweils genehmigt werden.“ Wie viel Geld Wolf damit verdient? „Das kommt auf die Veranstaltung an.“ Einen Jahresdurchschnitt wollte er nicht angeben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2009)

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3 Kommentare
Gast: Posa
30.06.2009 02:30
0 0

Sie sind halt auch nur Menschen.

die Journalisten. Und Korruption ist wie die Sonne, sie scheint ueberall. Und trotzdem sehen sich die Journalisten als die Gralshueter der Moral. Es wird Zeit, dass ein Parsifal sie wieder zu ihren Wurzeln fuehrt, wenn es die jemals gegeben hat. Wir, das pt. Publikum wollen doch nicht hoffen, dass Journalismus doch nur auf Tratsch und Interessen beruht. Oder?

Gast: gast
29.06.2009 22:29
0 0

Grammatik?

Ich wär ja schon zufrieden, wenn die Moderatoren wenigstens fehlerfrei Deutsch sprechen könnten.

Egal ob es der "böse" 2te Fall ist oder der richtige Artikel - immer wieder greifen die Sprecher zielsicher daneben...

Vergil
30.06.2009 08:48
0 0

Re: Grammatik?

Sie sprechen mir aus der Seele. "Deutsch für Anfänger" wäre meines Erachtens ein gelungenes Weihnachtsgeschenk für diverse ORF- Moderatoren. Letztes Beispiel: Nach dem Tod von M.J. wurde eine "Mahnwache" veranstaltet. Schüler, die nicht sinnerfassend lesen können und ORF-Mitarbeiter, die nicht "sinngebend" sprechen können. Traurig, traurig !

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