Pelinka im ORF: Redakteure proben den Aufstand

27.12.2011 | 17:59 |  Von Anna-Maria Wallner  (DiePresse.com)

Der Redakteursrat prüft Maßnahmen gegen die Postenbesetzungen, und Niko Pelinka will seine Kritiker mit „harter Arbeit" überzeugen. Sein Posten wird nun aber erst einmal ausgeschrieben.

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Das hat sich Alexander Wrabetz etwas anders vorgestellt. Sein neu geschnürtes Personalpaket für die zweite Amtszeit ab 2012 gab er bewusst erst Freitagnachmittag, nur einen Tag vor dem Heiligen Abend, bekannt, weil er davon ausging, dass das halbe Land bereits im Weihnachtsurlaub weilen und die zu erwartende Empörung über die Feiertage abklingen würde.

Der ORF-Chef, selbst bis 2. Jänner auf Urlaub, hat aber nicht mit der Reaktion seiner Mitarbeiter gerechnet. Obwohl die ORF-Redaktionen am Dienstag ferienbedingt spärlich besetzt waren, wurde erneut gegen die Bestellung des SPÖ-Stiftungsrates Nikolaus Pelinka zum Büroleiter von ORF-Chef Wrabetz protestiert. Der Redakteursrat erklärte in einem internen Mail an alle ORF-Journalisten, man wolle der Geschäftsführung nicht die Freude machen, die „überaus fragwürdigen Personalvorhaben" in der „Feiertagsstimmung untergehen zu lassen". Man prüfe derzeit, welche rechtlichen Maßnahmen gegen die Personalbestellungen möglich sind.

Welche Aktionen infrage kommen, wollte Redakteursratsvorsitzender Fritz Wendl nicht sagen, um sich „Überraschungseffekte offenzulassen". An die ORF-Mitarbeiter appellierte er in seiner Mail gemeinsam mit Dieter Bornemann und Eva Ziegler, "auf Alleingänge zu verzichten".

Auslandskorrespondenten: "Glaubwürdigkeit erschüttert"

Auch die ORF-Auslandskorrespondenten äußerten in einem Schreiben Kritik an dem Personalrochaden: "Die Glaubwürdigkeit des öffentlichen-rechtlichen Senders wird erschüttert, wenn politische Funktionäre in die Chefetagen eines Rundfunk- und Fernsehunternehmens wechseln".

„Möglichst bald" will Redakteurssprecher Dieter Bornemann eine Redakteursversammlung einberufen. Sinnvoll sei das aber erst, wenn die Belegschaft wieder vollzählig aus den Weihnachtsferien zurückgekehrt ist, also ab dem 9. Jänner. Bis Dienstagmittag hatten bereits 100 Mitarbeiter aus der „ZiB"-Redaktion mit ihrer Unterschrift gegen die jüngsten Personalrochaden protestiert. „Wir werden sicher nicht die ,ZiB‘ ausfallen lassen, aber wir wollen ein deutliches Zeichen setzen, dass wir gegen parteipolitische Postenbesetzungen sind", sagte Redakteurssprecher Dieter Bornemann zur „Presse". Anlass zum Protest sei nicht nur die Pelinka-Bestellung, sondern auch die des bisherigen Online-Direktors Thomas Prantner zum Vize-Technik-Direktor sowie die für Niederösterreich-Redakteur Robert Ziegler neu geschaffene Dienststelle „Koordination Landesstudios" und die Bestellung des ÖVP-nahen Stiftungsrats Helmut Krieghofer zum Tiroler Landesdirektor. Wie empört die „ZiB"-Redaktion über das Personalpaket ist, zeigt auch ihre Berichterstattung: Am Freitag wurde in allen „Zeit im Bild"-Sendungen kurz, aber kritisch über die Bestellung Pelinkas zum Büroleiter berichtet.

Zentralbetriebsrat Gerhard Moser will den Vertrag von Pelinka mit dem ORF genau prüfen - bisher gibt es aber noch keinen Vertrag. So hieß es am späten Dienstagnachmittag, der Posten des Büroleiters werde gar erst ausgeschrieben, Pelinkas Besetzung sei daher nicht garantiert. Die Ausschreibung für den Posten soll am Mittwoch in der "Wiener Zeitung" abgedruckt werden.

Rudas: „Kommentiere das nicht"

Der kritisierte Nikolaus Pelinka urlaubt diese Woche in der Steiermark und gab sich am Dienstag auf Anfrage wenig überrascht von den negativen Reaktionen auf seine Bestellung. Diese seien zu erwarten gewesen. „Natürlich muss man die Sorgen der ORF-Mitarbeiter ernst nehmen. Ich werde in den nächsten Monaten alle meine Kritiker durch harte Arbeit überzeugen." Er sei in Zukunft nur einer Person verpflichtet: „Und das ist der Alexander Wrabetz." Er freue sich auf die Arbeit im ORF, weil ihm das Unternehmen gefalle und er Wrabetz sehr schätze. „Zu behaupten, dass die SPÖ in den ORF einmarschiert", hält er für absurd.

SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas will die Bestellung ihres guten Freundes und Vertrauten Pelinka zum ORF-Büroleiter nicht kommentieren. Sie habe sich schließlich zu „den vorherigen Büroleitern des Generaldirektors auch nicht geäußert".

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