Armin Wolf: "ORF-Spitze lässt sich politisch erpressen"

Heftige Kritik von "ZiB 2"-Moderator Armin Wolf an den Stiftungsräten. Unter Wrabetz herrsche aber ein "sehr viel größeres Maß an journalistischer Freiheit".

ORF-Moderator Armin Wolf
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ORF-Moderator Armin Wolf
(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

"ZiB 2"-Moderator Armin Wolf hält die ORF-Führung in der geplanten Bestellung von Niko Pelinka zum Büroleiter von Generaldirektor Alexander Wrabetz für "politisch erpresst". Die jüngsten Wechsel von Stiftungsräten in ORF-Jobs seien zudem "einfach obszön", wie er im Interview mit dem Nachrichtenmagazin "profil" sagte. Die Mitglieder des obersten ORF-Gremiums würden wie Parteiangestellte agieren.

Wolf, der via Twitter die geplante Bestellung Pelinkas von Beginn an wortreich und heftig kritisiert hatte, begründet sein Engagement in der Causa so: "Die Geschichte geht mir nahe, weil sie dem ORF und der Glaubwürdigkeit der ORF-Journalisten schadet. Wenn die Zuseher den ORF für einen Regierungsfunk halten, dann werden sie der "ZiB" nicht vertrauen. Ich halte das für fatal." Wrabetz könne sich natürlich seinen Büroleiter selbst aussuchen, aber: "Ich glaube, die ORF-Spitze wird politisch erpresst. Und sie lässt sich leider erpressen." Wenn man den ORF-Beauftragen der SPÖ zum Büroleiter des Generaldirektors mache, "kann ich auch gleich die Parteigeschäftsführerin (Laura Rudas, Anm.) nehmen. Zwischen die passt doch kein Blatt."

Wolf für Umgestaltung des Stiftungsrates

Die Ankündigung, der bisherige SPÖ-Stiftungsrat Pelinka werde zum Büroleiter gemacht, "war der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat", begründet Wolf die Proteste der ORF-Redakteure. "Von 35 Stiftungsräten sind nach dieser ausgedealten Generaldirektorenwahl vom vergangenen August vier in leitende Funktionen im ORF gehievt worden. Ich kann mich nicht erinnern, dass es so etwas schon einmal gegeben hat. Das ist ganz einfach obszön."

Wolf plädierte für eine Umgestaltung des Stiftungsrates, etwa in Form einer Beschickung nach Hearings. "Und er muss nicht aus 35 Leuten bestehen, die fast alle von Parteien entsendet werden. Das gibt es in keinem anderen öffentlichen Unternehmen des Landes." Die Stiftungsräte würden wie Parteiangestellte agieren. "Es ist empörend, dass es diese so genannten 'Freundeskreise' überhaupt gibt. Im ORF-Gesetz ist von unabhängigen Stiftungsräten die Rede, die ausschließlich zum Wohle des ORF handeln sollen. Die SPÖ hat vor zwei Jahren ihren erfahrenen 'Freundeskreisleiter' ausgetauscht und den 23-jährigen Nikolaus Pelinka dort hingesetzt - ohne dass der je von irgendjemandem gewählt worden wäre."

Schädliche Dealerei

Wolf betonte aber auch, dass unter Wrabetz die Journalisten freier agieren könnten als früher: "Es gibt in den Redaktionen ein viel größeres Maß an Freiheit, als ich es je im ORF erlebt habe, inklusive der Ära Zeiler", sagte er. "Niemand sagt uns, welche Geschichten wir machen dürfen und welche nicht. Vielleicht verfolgt Alexander Wrabetz mit seinen Deals ja die Strategie, politische Wünsche schon auf der Verwaltungsebene abzufangen. Trotzdem ist diese Dealerei für den ORF schädlich, weil es die Glaubwürdigkeit ruiniert: Wir stehen als Regierungsfunk da, obwohl wir keiner sind."

(APA)

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