Armin Wolf: "ORF-Spitze lässt sich politisch erpressen"

07.01.2012 | 12:19 |   (DiePresse.com)

Heftige Kritik von "ZiB 2"-Moderator Armin Wolf an den Stiftungsräten. Unter Wrabetz herrsche aber ein "sehr viel größeres Maß an journalistischer Freiheit".

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"ZiB 2"-Moderator Armin Wolf hält die ORF-Führung in der geplanten Bestellung von Niko Pelinka zum Büroleiter von Generaldirektor Alexander Wrabetz für "politisch erpresst". Die jüngsten Wechsel von Stiftungsräten in ORF-Jobs seien zudem "einfach obszön", wie er im Interview mit dem Nachrichtenmagazin "profil" sagte. Die Mitglieder des obersten ORF-Gremiums würden wie Parteiangestellte agieren.

Wolf, der via Twitter die geplante Bestellung Pelinkas von Beginn an wortreich und heftig kritisiert hatte, begründet sein Engagement in der Causa so: "Die Geschichte geht mir nahe, weil sie dem ORF und der Glaubwürdigkeit der ORF-Journalisten schadet. Wenn die Zuseher den ORF für einen Regierungsfunk halten, dann werden sie der "ZiB" nicht vertrauen. Ich halte das für fatal." Wrabetz könne sich natürlich seinen Büroleiter selbst aussuchen, aber: "Ich glaube, die ORF-Spitze wird politisch erpresst. Und sie lässt sich leider erpressen." Wenn man den ORF-Beauftragen der SPÖ zum Büroleiter des Generaldirektors mache, "kann ich auch gleich die Parteigeschäftsführerin (Laura Rudas, Anm.) nehmen. Zwischen die passt doch kein Blatt."

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Wolf für Umgestaltung des Stiftungsrates

Die Ankündigung, der bisherige SPÖ-Stiftungsrat Pelinka werde zum Büroleiter gemacht, "war der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat", begründet Wolf die Proteste der ORF-Redakteure. "Von 35 Stiftungsräten sind nach dieser ausgedealten Generaldirektorenwahl vom vergangenen August vier in leitende Funktionen im ORF gehievt worden. Ich kann mich nicht erinnern, dass es so etwas schon einmal gegeben hat. Das ist ganz einfach obszön."

Wolf plädierte für eine Umgestaltung des Stiftungsrates, etwa in Form einer Beschickung nach Hearings. "Und er muss nicht aus 35 Leuten bestehen, die fast alle von Parteien entsendet werden. Das gibt es in keinem anderen öffentlichen Unternehmen des Landes." Die Stiftungsräte würden wie Parteiangestellte agieren. "Es ist empörend, dass es diese so genannten 'Freundeskreise' überhaupt gibt. Im ORF-Gesetz ist von unabhängigen Stiftungsräten die Rede, die ausschließlich zum Wohle des ORF handeln sollen. Die SPÖ hat vor zwei Jahren ihren erfahrenen 'Freundeskreisleiter' ausgetauscht und den 23-jährigen Nikolaus Pelinka dort hingesetzt - ohne dass der je von irgendjemandem gewählt worden wäre."

Schädliche Dealerei

Wolf betonte aber auch, dass unter Wrabetz die Journalisten freier agieren könnten als früher: "Es gibt in den Redaktionen ein viel größeres Maß an Freiheit, als ich es je im ORF erlebt habe, inklusive der Ära Zeiler", sagte er. "Niemand sagt uns, welche Geschichten wir machen dürfen und welche nicht. Vielleicht verfolgt Alexander Wrabetz mit seinen Deals ja die Strategie, politische Wünsche schon auf der Verwaltungsebene abzufangen. Trotzdem ist diese Dealerei für den ORF schädlich, weil es die Glaubwürdigkeit ruiniert: Wir stehen als Regierungsfunk da, obwohl wir keiner sind."

(APA)

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51 Kommentare
 
12

Vom Regierungsfunk kann eh keine Rede sein

das wird er erst, wenn die Regierung so rotgrün ist wie die Berichterstattung schon lange.

Gast: Umbau tut not
09.01.2012 01:03
0

ORF-Gehälter an Printmedien anpassen!

Aufnahmestopp für das Staatsmedium ORF, Einfrieren der überhöhten Gehälter auf Printmedieniveau! Viele der von Wolf angesprochenen Obszönitäten passieren dort oben ausschließlich deshalb, weil die ORF-Mitarbeiter in ihrer Gesamtheit jeglichen Bezug zur Arbeitswelt ringsum verloren haben. Dort verdienen Teilzeitkräfte mehr als Vollzeitjournalisten überall sonst. Da Österreich nicht in der Lage ist, ein öffentlich-rechtliches Qualitätsmedium auf BBC-Niveau zu führen, wäre Gesundschrumpfen und Privatisieren zumindest die für Zwangsgebührenzahler verträglichste Lösung. Im übrigen bin ich der Meinung, dass Wrabetz sich durch seine Personalpolitik komplett diskreditiert hat und gehen muss.

Gast: radius
08.01.2012 20:56
2

Der Wolf hat das Problem wenigstens erkannt,

der Wrabetz nicht. Aber hinter dem steht ja der Parteiapparat, daher SPÖ abwählen.

Als ich das Profil Interview von A.W. gelesen habe, ist mir sofort der Begriff betriebsblind in den Sinn gekommen.

Ob das der Zens o r durchgehen lässt?

Wolf naiv oder Roter

Etwas was man nicht hat kann man nicht verlieren.

ORF privatisieren

und bis dahin beharrlich boykottieren.


Gast: gobo
08.01.2012 12:33
0

Blickrichtung ändern

Wer sich jetzt so besorgt um den ORF gibt, hat die „erfolgreiche“ Tätigkeit von Lindner, Bergmann und Mück vergessen.
Auch vergessen jene Sendung an einem 1.April, als in laufender Sendung, big brother-gleich, Peter Westenthaler eingeblendet wurde und einen in der Sendung anwesenden Berichterstatter der Süddeutschen gemaßregelt hatte ?
Es genügte doch erst einmal eine Änderung der Blickrichtung um den Gedanken eine andere Richtung zu ermöglichen, zB. zu den Öffentlich-Rechtlichen in unserem Nachbarland Deutschland.
Vielleicht finden sich doch noch genügend „Wutbürger“ die dem Nationalrat eine umfassende ORF-Reform abringen ?

"Die Geschichte geht mir nahe, weil sie dem ORF und der Glaubwürdigkeit der ORF-Journalisten schadet. Wenn die Zuseher den ORF für einen Regierungsfunk halten, dann werden sie der "ZiB" nicht vertrauen. Ich halte das für fatal."

Diese Aussage ist an Naivität und/oder Stupidität nicht mehr zu überbieten. Auf welchem Planeten lebt Hr. Wolf eigentlich?

Gast: Die Tante Jolesch
08.01.2012 00:10
3

Unter den Blinden ist der einäugige Wolf König

Die Zweiäuger sind im ORF schon ausgestorben.

Geht man mit Kritik am Arbeitgeber an die Öffentlichkeit?

Ach der Herr Wolf hätt sich wahrscheinlich gern selbst als Intendant gesehen.

Gast: Major Wills
07.01.2012 19:32
1

Ein Staatsfunk ohne Regierungseinflussnahme

Schliesslich ist eine gewählte Regierung dazu berufen sich die Mitarbeiter auszusuchen.
Wie soll es gehen dass der Staatsrundfunk neutral oder gar gegen die gewählte Regierung Stellung beziehen soll..

10

Ein Staatsfunk ohne Parteieneinflussnahme

Wie soll das gehen, Hr. Wolf?
Sind Sie so naiv oder so dumm oder selbst schon korrumpiert?
Bzw: Für wie dumm halten Sie uns Österreicher? Glauben Sie nicht, dass wir Österreicher schon längst erkannt haben, dass man dem ORF nicht trauen kann?

Gast: Mazur
07.01.2012 19:04
4

Einfach informieren

einfach abmelden.

Gast: Mikado 13
07.01.2012 18:48
3

Die Journalisten sind freier unter Wrabetz. Recht hat der Wolf!

Wrabetz (SPÖ) hat ja schon gute Köpfe aus der ehemaligen Arbeiterzeitung (SPÖ) im Haus. Denen kann niemand was sagen. Die Gesinnungsgenossen wissen selber besser als Wrabetz, was zu tun ist. Ganz frei, ohne Zwang.

Gast: Till aus dem Haus der Freude
07.01.2012 18:18
7

Jeder gegen jeden

Nachdem der Pelinka-Ableger keinesfalls auf seine Pfründe verzichten will, darf der Wolf weiter seine Zähne fletschen und knurren.
Beissen wird er die Hand, die ihn füttert, sowieso nie.

Die Jelinek kann sich auf ihrem Blog auch einen als Dauerempörte 'runterschreiben, das soll doch nur die Genossen mundtot machen.
"Schau', die Elfriede ist die Gute."
In Wirklichkeit sind das bloß Nebelgranaten.

In diesen atheistischen Zeiten sind schöne Versprechungen Opium für's Volk- und damit hat die Faymann/Rudas-Partie den Genossen schon ordentlich das Hirn vernebelt, das Wunschdenken ist Vater der Gedanken.
Und wenn Wrabetz und Pelinka eh versichern, dass der ORF objektiv bleibt, ist alles paletti im roten Augias-Stall. (Denn wir sind die Guten und die Reaktionäre sollen gefälligst die Pappen halten.)

Das wussten auch schon der Conducator Ceausescu und der Maximo Lider Fidel, wie man aus einem bettelarmen Land eine Erfolgsstory bastelt.

Österreich geht den umgekehrten Weg Richtung Sozialismus...bon voyage.

O(ffizieller) R(ot) F(unk)

Moderiert Herr Wolf auch die heutige Vorstellung des roten Manipulantenstadl auf ORF2?

Gast: Januar
07.01.2012 17:57
9

Sehr gut Herr Wolf:

"Wir stehen als Regierungsfunk da, obwohl wir keiner sind."
Dann braucht der ORF auch sicher keine vom Parlament beschlossenen und von der Regierung exekutierten Zwangsabgaben mehr.

Gast: der vom Himmel
07.01.2012 17:26
1

polititsche Erpressung

Ja, das waren noch Zeiten, als der Alfons Dalma einen tschechischen Spion vor die Türe gesetzt hat.

Daß linksgrüne Journalisten linksgrüne Berichte machen wollen, verwundert nicht.

Daß dies SPÖ und Grünen zugute kommt, auch nicht.
Der ORF ist lt. Gesetz zur Objektivität verpflichtet. Da fehlt es meilenweit. Skandalisierung und Kampagnisierung - auch nicht bewiesener Vorwürfe - wenn es um BZÖ, FPÖ und VP geht, großzüges Wegschauen bzw. Verniedlichen bei Skandalen der Roten und Grünen. Ein weiteres Beispiel ist die Parteinahme in Angelegenheiten der kath. Kirche, wo einseitig Partei ergriffen wird.

11

Wolf im Schafpelz?

Klingt sehr glaubhaft und ehrlich was Armin Wolf sagt.

Trotzdem:

Nico Pelinka ist nur mehr der Tropfen der das Fass -hoffentlich- zum Überlaufen bringt. Die Linkslastigkeit und mangelnde Objektivität des ORF war aber schon seit vielen Jahren erkennbar. Im ORF herrschte die rot/grüne Ideologie von Politikern und Journalisten.
ORF-Journalisten erkennen zu spät dass die (übrigens jahrelang praktizierte) Links-Indoktrinierung nur zur Unglaubhaftigkeit des ORF führte. Die vielen einseitigen Berichte, Diskussionen, Linken unter dem Titel "Experten" ... wer tut sich denn das noch an?

Der ORF gehört privatisiert, Zwangsgebühren abgeschafft! Hoffentlich begreift auch die ÖVP dass dies nur in ihrem Sinn sein kann!


Re: Wolf im Schafpelz?

Volle Zustimmung. Genau so sehe ich es auch. Va Armin Wolf, doch recht eindeutig links positioniert, ist nicht glaubwürdig.
Einzig mit der Privatisierung u Abschaffung der Zwangsgebühren wäre uU Vorsicht geboten......aber bei dieser "Unabhänigigkeit" des ORF sind die Gebühren nicht angebracht....

Gast: baneck
07.01.2012 16:14
2

also:

"
- Wrabetz könne sich natürlich seinen Büroleiter selbst aussuchen

- Wolf betont aber auch, dass unter Wrabetz die Journalisten freier agieren könnten als früher

- Es gibt in den Redaktionen ein viel größeres Maß an Freiheit, als ich es je im ORF erlebt habe, inklusive der Ära Zeiler

- Niemand sagt uns, welche Geschichten wir machen dürfen und welche nicht
"


Gast: mick1
07.01.2012 16:09
6

nichts neues bitte !

in esterreich ist und wird immer nach den staubigen parteibicherln gehandelt in sehr vielen bereichen ein durch und durch versch....... Land !

Wen wundert's schon?

Der Bundepräsident rühmt sich mit seinen freundschaflichen Beziehungen zu Nordkorea.

Die SPÖ Niederösterreich hat sich im Kondolenzbuch des verstorbenen nordkoreanische Diktators verewigt.

Darabos verfährt mit seinem Armeechef wie ein Despot.

Bei der Klärung über die Manipulation an Entachers Wag stellen die ermittelnden Behörden
fest, dass die Überkameras in den Garagen just an den vorangehenden Tagen des Unfalls gelöscht wurde (welch Zufall).

In den Ermittlungen zur Causa Grasser gelangen verschlossene Akten widerrechtlich an die Öffentlichkeit.

Die Vorsitzende des U-Ausschusses Moser von den Grünen verliest geheime Akten im Parlament.

Die Roten und Grünen fühlen sich als 39,7 % Minderheit schon längst wie die Regenten in einer volksdemokratischen "Demokratur" in diesem Land.

Es ist höchst an der Zeit für ÖVP, FPÖ und BZÖ etwas dagegen zu unternehmen.


Re: Wen wundert's schon?

Da bieten Sie aber glaubwürdige Zeugen auf. Ich will gar nicht ins Detail gehen.
Das Problem ist wohl, daß wir einen Karl Schwarzenberg, einen Vaclav Havel, einen Gauck schlicht und einfach nicht haben.
Was wir haben, ist nur das Gleiche in verschiedenen Farben, beklatscht von den jeweiligen Einäugigen jeder Seite.

Antworten Gast: Besorgt
07.01.2012 16:23
3

Ist der Övp/NÖ klar, welchen parteischädigenden Unsinn ihr Funktionär hier postet?



 
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Meinung

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