Wer ist Richard Grasl?

Menschen, die ORF Niederösterreich nicht genießen, wissen vielleicht wenig über die neue schwarze Perle am Küniglberg. Sein Tagebuch schafft Abhilfe.

Erwin Pröll schätzt ihn. Alexander Wrabetz will ihn. Niederösterreichs Landeshauptmann weiß, was er am bisherigen Chefredakteur seines Landesstudios hat. Der unabhängige Generaldirektor des ORF muss wohl auch wissen, warum er sich Richard Grasl als künftigen Finanzdirektor seiner Anstalt wünscht. Was aber wissen die Nichtniederösterreicher und Nichtküniglberger über den bald mächtigen Mann an der größten Medienorgel des Landes?

Bis nach Wien ist gedrungen, dass er Pröll seit Jahren absolute Spitzenwerte in der Sendeminuten-Hitparade der Landesfürsten beschert. Es gibt nur einen, der in ORF Niederösterreich noch häufiger zu sehen ist: Richard Grasl. Sofasurfer mit Sinn für die Kunst des perfekten Interviews kennen ihn vielleicht von den Samstagen. Da „begrüßt Chefredakteur Richard Grasl die interessantesten Persönlichkeiten des Landes zu ausführlichen Gesprächen“. Da kann man Männer bewundern, die zupacken, den sportlichen Trainer Gunnar Prokop zum Beispiel oder Ernest Gabmann, den wirtschaftlichen Troubleshooter des Landes. „Auszüge sehen Sie in NÖ heute, das ganze Interview nur hier auf noe.ORF.at.“ Es zahlt sich aus, dieses „Fernsehen am PC“, das derzeit im Testbetrieb angeboten wird, zu studieren. So sieht wahrscheinlich die Zukunft des österreichischen Staatsfernsehens aus.

Eine Diät muss her. Eine charmante Seite von Richard Grasl kann der treue NÖ-Connaisseur derzeit auf noe.orf.at/magazin/studio anklicken. Dort findet man das „Tagebuch von Richard Grasl“, und ich muss zugeben, dieser Mann bereitet sich gewissenhaft auf seine neue Aufgabe vor, der Sparmeister des ORF zu werden. Er will bereits jetzt den Gürtel enger schnallen. Grasl speckt öffentlich ab, nach einem mediterranen Diätplan. „Mehrere Mahlzeiten täglich, außerdem alles das was mir ohnehin schmeckt und das auch zu allen Tages- und Nachtzeiten. Doch beim ersten Gespräch mit der Diätologin wurde mit klargemacht: Kleine Portionen und als besonderen Arbeitsauftrag: Langsam essen! Denn da wird man schneller satt. Also ich freue mich darauf und werde laufend berichten.“

Die ersten beiden Tage, so erfährt man, waren spielerisch zu bewältigen, wahrscheinlich sogar leichter als ein kulinarisches Interview im Landhaus: „Also bisher ist das alles viel einfacher als ich mir gedacht habe.“ Das braucht die Generaldirektion in schwerer Stunde – einen Optimisten vom flachen Land, dessen Bestellung auch die nötigen 160 Millionen Euro für den ORF wert ist. Sie werden den Übergang zur Reformkost erleichtern. Und der Mann kann auch delegieren: „Heute mittags dann ein anderes Problem: Woher nehme ich im Büro zwischen Sitzungen und Sendungen Gnocci mit Tomaten-Basilikumsauce? Meine Kollegin Manuela Matl musste zum Glück ohnehin in den Supermarkt und hat es mir mitgebracht.“ Na denn! Wenn die rot-schwarzen Granden Ostermayer und Kopf gelegentlich etwas mitbringen, wird es schon nicht so schlimm werden mit der Einschränkung.

Ordentlich aufgetischt.Bananas: „Lisa, unsere Kantinen-Perle – hat mir das ganze dann mit einem frischen Salat zubereitet. Bin also voll auf Kurs, muss aber jetzt aufhören, weil ich in einer Stunde NÖ heute moderiere – übrigens mit einem Zwischenbilanz-Beitrag von uns drei Diäten-Testern. Und vorher muss ich auch noch eine Banane essen...“

Bleiben nur noch zwei Fragen offen: Wer kocht für Wrabetz? Und wo versteckt er sein Tagebuch?

norbert.mayer@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.11.2009)

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