Ein Format, gemacht für unsere Politik

11.09.2012 | 18:10 |  NORBERT RIEF (Die Presse)

Die ORF-„Sommergespräche“ waren sehr unterhaltsam – aber nicht viel mehr.

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Etwas haben die fünf „Sommergespräche“ im ORF deutlich bewiesen: Armin Wolf ist zweifellos der beste politische Entertainer dieses Landes. Seine inquisitorische Art im Detail (bei Eva Glawischnig etwa, ob sie zu schnell gefahren ist), seine Unberechenbarkeit (als er Michael Spindelegger zu seiner aufgedrehten Körpersprache befragte), seine Unerschrockenheit (wer würde den Bundeskanzler schon mit dem Dritten Nationalratspräsidenten vergleichen?) und seine (gespielte oder ehrliche?) Empörung über unglaubwürdige Antworten („Sie sehen hier keinen Davidstern, Herr Strache?“) haben wirklich gute Unterhaltung geboten.

Dieses Format hat den „Sommergesprächen“ einmalig hohe Einschaltquoten beschert und sogar junge Menschen vor den TV-Schirm gelockt. Waren sie aber politisch relevant, haben sie wesentliche Neuigkeiten gebracht (außer, dass Werner Faymann den Taxischein besitzt)? Nein, das haben sie nicht.


Man könnte nun grundsätzlich diskutieren, ob das Fernsehen überhaupt das richtige Medium für inhaltliche politische Interviews ist. Zeitungen haben die Möglichkeit, langatmige Antworten zu kürzen und so die Gesprächsdramatik zu erhalten. Das TV muss sie übertragen.

Außerdem weiß man seit der Kennedy-Nixon-Debatte 1960, dass es im TV nicht so sehr darauf ankommt, was man sagt, sondern vielmehr darauf, wie man es sagt. Bei den kommenden US-Präsidentschaftsdebatten gesteht man den Kandidaten zwei Minuten zu, um Antworten auf Fragen nach der Nahostproblematik oder der Wirtschaftskrise zu geben. Das kann nicht mehr als Unterhaltung und Show sein.

Hätte Wolf die „Sommergespräche“ so geführt wie die (sehr gut gemachte) „Pressestunde“, hätte wahrscheinlich ein Bruchteil der Menschen eingeschaltet. Eigentlich wurde dieses Format unserer Politik durchaus gerecht: im besten Fall unterhaltsam, aber nicht wirklich gehaltvoll.

 

norbert.rief@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.09.2012)

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7 Kommentare
Gast: rudolpho1
27.09.2012 12:20
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der mistkäfer...

auf Faymann's kragen.....trällerte ein liedchen....home sweed home...

Wolf wäre gut beraten, sich etwas zurückzunehmen

Ich denke, Herr Wolf sollte sich mal einer Selbstreflexion hingeben, denn was ich aus seinen Sommergesprächen mitgenommen habe, ist, dass bei ihm der Beisreflex schon sehr ausgeprägt ist. Wo sind die Zeiten wo er bzw sien Vorbild Hochner mit feiner Klinge in einem fleißenden Gespräch seine Interviewpartner zu Aussagen gebracht habe, die Neuheitswert hatten und nicht von vornherein erwartet wurden. Das ist meiner Ansith nach die Kunst eines guten Journalisten und nicht vorzuführen. Auch wenn wir in der Zeit von SMS leben, wo alles kurz und bündig ist, sollte weder der REspekt dem anderen gegenüber vergessen werden, mag er noch soweit von einer gemeinsamen Linie entfert sein, so gehört Höflichkeit auhc gelebt. Und ich denke, der ORF hat auch mit dem Sommergespäch einen Bildungsauftrag und dazu gehört auch die Art und Weise wie Inhalte vermittelt werden.
ich habe bisher A. Wolf immer geschätz und ich denek auch er wird wieder den Weg wegefinden, dass es im Sommergespärch, aber auch in der ZIB nicht primär um Ihn geht.

Gast: Erstaunt
12.09.2012 22:27
0

Taxischein

Da hat also unser Herr Bundeskanzler doch etwas selbst erreicht im Leben, ich will einmal annehmen dass er die Prüfung regulär geschafft hat.

Ansonsten wetteifert er mit Sinowatz um den Titel "Schlechtester Bundeskanzler seit 1945".

Antworten Gast: TT1
16.09.2012 14:44
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Re: Taxischein

Sinowatz war um Welten besser als Faymann: 1) er war ehrlich 2) er überließ Vranitzky das Amt, der aus heutiger Sicht in ein ganz anderen Liga als ein Faymann spielte.

Tja!

Muhamad Ali ist Gott sei Dank intelligenter!

Wolf, der Beste aller österr. Journalisten!


So ist es...

...und auch wenn sich der Boulevard-Journalismus teilweise kritisch geäussert hat: Dem künftigen Kultstatus von Wolf wird das keinen Abbruch tun.

Bizarr: Der Vergleich Faymanns als Muhammad Ali (Jeannee in der Krone). Aber bekanntlich beisst man nicht die Hand, die einen füttert.

Apropos Muhammad Ali: Hoffentlich ereilt unseren Bundeskanzler dann nicht das gleiche Schicksal.



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