"Tatort" Konstanz: Sinnsuche am Bodensee

Die Kommissare Blum und Perlmann ermitteln ein letztes Mal am, um und im Bodensee: Ein deutschnationaler Autor wurde ermordet. Ein zerfahrener Abschied von einer zerfahrenen Eva Mattes und einem rätselhaften Sebastian Bezzel.

Die Kommissare Perlmann (l.) und Blum treffen auf eine Reihe von Unsympathlern.
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Die Kommissare Perlmann (l.) und Blum treffen auf eine Reihe von Unsympathlern.
Die Kommissare Perlmann (l.) und Blum treffen auf eine Reihe von Unsympathlern und suchen nach dem Sinn des Lebens. – SWR/Stephanie Schweigert

Unsere Wertung für diesen "Tatort":

3,5 von 10 Punkten. (Die 0,5 Punkte mehr gibt es als Abschiedsgeschenk.)

Worum geht's?

Ein bekannter deutschnationaler Autor (Thomas Loibl) wird ermordet in einem zeremoniell geschmückten Boot am Bodensee entdeckt. Das Duo Klara Blum (Eva Mattes) und Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) beginnt mit den Ermittlungen; der Schweizer Kollege Matteo Lüthi (Roland Koch mit der animierendsten schauspielerischen Leistung unter den Kommissaren) hilft stellenweise mit - und stößt immer wieder auf Verbindungen zu Fällen in seinem Kanton: Dort nämlich kommt er mit der Aufklärung des Mordes an einem Anlagebetrüger nicht weiter.

Worum geht's wirklich?

"Wofür es sich zu leben lohnt" hat man diesen letzten Bodensee-"Tatort" getauft, und sicherheitshalber ein mystisches, leicht lebensbeneinendes Netz gesponnen: Wer Lust auf Postkartenweisheiten hat - dieser "Tatort" liefert. Immerhin hat Klara Blum große gesundheitliche Probleme, Kai Perlmann wirkt auch nicht wirklich glücklich, und die beiden Kollegen helfen einander kein Stück aus der Patsche. Das ist einmal die persönliche Dimension. Der "Tatort" will aber auch zeigen, wie schwer manche Ermittlungen den Kommissaren fallen können - wenn man nach der Reihe nur Opfer hat, die andere ausnützen, hintergehen, sich das System so drehen, wie sie es brauchen. Das ist zumindest der - höchst bemühte - Anspruch der Folge. Eine kleine Systemkritik mit dem untrüglichen Bildungsauftrag: Was machen mit der - im "Tatort" auf- und abthematisierten - Flüchtlingskrise? Was mit dem Finanz- und Wirtschaftssystem? Mit schmierigen Typen?

Was gefällt?

Klara Blum stößt bei den Ermittlungen auf eine WG älterer Damen, die schräg und witzig und verdächtig gleichermaßen sind. Der (zugegeben: übertrieben dargestellte) Lebensdrang der drei Frauen ist eine untypische Charakterisierung für einen "Tatort" - zwischen Hexen und Heiligen. Zudem ist Kai Perlmann in diesem Fall eine starke Figur, wenn auch nicht immer sympathisch, und Matteo Lüthi hält die Partie kraftvoll zusammen. Die Frau und Tochter des ermordeten Autors geben zudem ein faszinierendes Duo ab: streng und behutsam, überheblich und sensibel, stets kontrollierend, kontrolliert, manipulierend, manipuliert.

Woran hakt's?

Die verschiedenen Themen, die dieser "Tatort" besprechen will, bringen solche Unruhe in die Folge, das man wirklich nicht besonders viel Spaß beim Ansehen hat - und sich irgendwann berieseln lässt. Das klappt immer ganz gut. Das Problem: Die großen Gedanken, die transportiert werden sollen, kommen einfach nicht an, und am Ende hat man beinah schon wieder vergessen, dass es beim "Tatort" immer ja noch um eines geht: den Täter. Ein zerfahrener Fall mit einer abgedrehten Blum und einem verschlossenen Perlmann.

Und zum Schluss?

Es ist das letzte Mal, dass man Eva Mattes und Sebastian Bezzel zusammen als Ermittlerteam sieht. Vielleicht nimmt sich dieser "Tatort" deswegen so viel vor: ein Abschied mit Pathos und großen Gedanken. Im Endeffekt tragen weder das Team noch die Handlung dieses Ansinnen. Schade. Immerhin hätte man ansonsten bei der Schlussszene traurig sein können - so bleiben viele Fragen offen. Und das nicht auf eine gute Art.

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