"Schleich dich, wir wollen die Omas sehen"

27.05.2012 | 11:49 |  von Heide Rampetzreiter (DiePresse.com)

Stermann und Grissemann for Song Contest: Die beiden Comedians übten sich bei ihrer Moderation wieder in der großen Kunst des bitterbösen Humors.

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Der Running Gag wurde diesmal kein Brüller: Christoph Grissemann rief jeden Beitrag beim diesjährigen Eurovision Song Contest zu seinem "Geheimfavoriten" aus. Das regte zwar selbst nach nach 26 Beiträgen noch zum Schmunzeln an, an die großen, den Abend andauernden Running Gags der Stermann/Grissemann-Song-Contest-Ära bis 2002 reichte es aber nicht heran. Wir erinnern uns: Anno 2000 gewannen die beiden, getarnt als dänischer Beitrag Olsen Brothers mit "Fly on the Wings of Love". Heuer war man weniger involviert und dutzendfach "leider geil" und eben Favoritenkürer. Die Stärke des Duos lag diesmal weniger im Improvisieren als darin, dass sie gut vorbereitet schienen - und ihren bitterbösesten Humor sehr schön auf die Spitze trieben.

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Aserbaidschan sei das Land, in dem man "Tourismus" und "Demokratie" nur mit Anführungsstrichen schreibe, hieß es am Anfang über den "Blinddarm der Welt." Die Grenzen des politisch Korrekten, eine Paradedisziplin des Duos, überschritten die beiden lustvoll etwa bei "reizenden Rechtsradikalen" aus Ungarn, der Band Compact Disco: "Die Ungarn sind schon ein wenig erschöpft, weil sie den ganzen Tag in Baku Jagd auf Roma und Sinti gemacht haben." Zu besonders vielen Scherzen regte zudem der Gedanke an, es könnten viele Sehbehinderte zuhören - immerhin belegten Stermann und Grissemann den zweiten Tonkanal in ORFeins, auf dem solche Events für Blinde extra kommentiert werden. Zum optisch aufregenden griechischen Beitrag "Aphrodisiac" heiß es etwa: "Liebe Blinde, beruhigt euch. Jetzt schaut sie euch doch erstmal an." Oder an anderer Stelle: "Ich geb' der drei Punkte. Auf gelbem Grund."

Die mehr als dreistündigen Veranstaltung war eine Herausforderung für Sitzfleisch und Moderatoren. Schon zu Beginn wurde die Teilnehmerin aus Bosnien-Herzegovina, Maya Sar (für die beiden der "Spindelegger des Song Contests") zur Geduldsprobe: "Schleich dich bitte, wir wollen die Omas sehen", rief Grissemann entnervt aus. Das russische Großmütter-Oktett Buranovskiye Babushki, das am Ende auf Platz zwei hinter Schweden ("Weint die noch oder singt die schon?") landete, bekam natürlich auch sein Fett ab: "Verantwortlich für die Choreografie: Parkinson", heiß es da. Und: "Die Kostüme sind nicht mal Second Hand, die sind Last Hand."

(Unabsichtlich?) bösartig verhielt sich das Duo auch gegenüber dem Zuseher: Das Hören der Lieder, auch nur der Refrains, verunmöglichten sie meist völlig. Und auch wenn Grissemann während des ganzen Contsts entnervt "Ich kann nicht mehr" jammerte und Stermann während der Show ankündigte, den Song Contest 2013 nicht mehr kommentieren zu wollen, wir hoffen, sie überlegen es sich anders. Wo sonst hört man Analysen wie: "Das ist Bordellpop der allerübelsten Sorte". Geile Moderation. Ganz ohne leider.

 

 

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20 Kommentare

getarnt als Olsen Brothers???

So ein Blödsinn! DAS STIMMT NICHT!!!!!!!

Gleichrichten und damit Akku laden!

das einzige was mit den Wortmeldungen dieser Gehirn(amputierten)akrobaten machen kann!

"...wieder in der großen Kunst des bitterbösen Humors."???

Des "bitterblöden Humors" vielleicht.
Ja, man sieht die beiden vor sich, schwer illuminiert um auch noch den abgestandendsten Kalauer bei ihrer Witzvorbereitung aus sich herauszuquetschen wie einen allzu harten Stuhl.
Und so sagen wir den beiden, wie man es auch einem Kleinkind sagt, das sein Geschäftchen ins Topferl verrichtet hat und stolz darauf zeigt:
"Brav g'macht! Und jetzt trag' ma's schnell raus und lassen 's runter!"

1 0

Re: "...wieder in der großen Kunst des bitterbösen Humors."???

Ich halte das auch nicht für Humor. Nicht jeder Tabubruch ist originell. Es ist auch schon seit Jahren nichts Neues mehr.

Re: "...wieder in der großen Kunst des bitterbösen Humors."???

Wen es nicht interessiert, der kann ja abschalten. Das ist der Vorteil beim Fernsehen. Eine Regierung kann man nicht einfach abschalten, das ist unser Problem.

Antworten Antworten Gast: clarus
30.05.2012 09:08
2 0

Re: doubleg

Hinausgeschmissene rundfunk/fersehengebühren?

"...der kann ja abschalten."

Guter Hinweis! Das haben wir nicht geahnt!

0 3

unkorrektheit

die unkorrektheit,der tabubruch ist ihr job.
am besten war die bemerkung, daß sich die irischen zwillinge verspätetenweil ihre frisuren kein einreisevisum bekamen.
manchmal müssen sie sehr viele witze produzieren,bis dss endlich ein guter dabei ist,aber irgendwann kommt er dann.

Re: unkorrektheit

bzw haben mir diesmal die einfach unlustigen Hiebe unter der Gürtel Linie gefehlt, über die sie selbst lachen mussten..

0 1

unkorrektheit

die unkorrektheit,der tabubruch ist ihr job.
am besten war die bemerkung, daß sich die irischen zwillinge verspätetenweil ihre frisuren kein einreisevisum bekamen.
manchmal müssen sie sehr viele witze produzieren,bis dss endlich ein guter dabei ist,aber irgendwann kommt er dann.

Gast: gast434
27.05.2012 15:39
4 4

menschenverachtend

die kommentare waren menschenverachtend,demuetigend und rassistisch.
humor fuer provinzpubertaere.

Re: menschenverachtend

bis auf den letzten Satz könnte das eine beschreibung auf Presse-online-Kommentare zu diversen artikeln sein ;)

Re: menschenverachtend

Man nennt sowas Parodie, ist also nicht ernst gemeint. Wer das ernst nimmt, dem ist nicht zu helfen.

Re: Re: menschenverachtend

Rassistische und menschenverachtende Kommentare als "Parodie" finden Sie tatsächlich witzig? Faschismus und Rassismus beginnen mit mit solch angeblich "witzigen", in Wirklichkeit herabwürdigenden "Parodien".

Re: Re: Re: menschenverachtend

Ich empfehle dringend Geschichtsunterricht. Totalitäre Regime sind wohl noch nie von Komikern ausgegangen, sondern von so "ernsthaften" Menschen wie ihnen, die glauben die Moral gepachtet zu haben. Alle Diktaturen kommen mit der Botschaft "für die Menschen etwas Besseres, Moralisches, Ethisches" oder sonst was zu bringen. Leute die irgendwo aufmarschieren und Parolen skandieren, die sind es die gefährlich sind. Die meinen es nämlich ernst. Zwei Komiker, die hart an der Schmerzgrenze agieren tun niemandem was. Sehen Sie sich mal britischen Humor an, der war immer schon weit härter an der Grenze als Stermann und Grissemann je sein werden. Und wann hatte Großbritannien das letzte mal eine Diktatur mit einem totalitären Regime? Ich bitte um Auskunft.

Re: Re: Re: Re: menschenverachtend

Nehmen Sie lieber selbst Geschichtsunterricht! Rassismus beginnt nie mit Aufmärschen und Parolen, sondern mit "ganz harmlosen und lustigen" Neger-, Ausländer- und Judenwitzen und dergleichen. Noch immer nichts kapiert??

Und Sie würden es auch sicher gaaaanz lustig finden, wenn ausländische "Komiker" Österreich als "Blinddarm der Welt" bezeichnen und etwa im deutschen öffentlichen Fernsehen die österreichischen Teilnehmer mit "schleicht's euch, Ösi-Proleten, wir wollen die nächsten sehen!" oder "verantwortlich für den Text: Alzheimer" kommentiert werden. Oder?

Britischer Humor, nur zur Anmerkung, ist etwas völlig anderes und ist nie derart menschenverachtend und herabwürdigend.

Re: Re: Re: Re: Re: menschenverachtend

Aha, und Sasha Cohen kommt woher? Und seine Kunstfigur Brüno hat welche Nationalität? Ich erspare Ihnen das Googeln: Er ist Brite und Brüno ist Österreicher.
Der Hofnarr durfte sogar zur Zeit der Monarchien über alles und jeden herziehen und das waren nicht die Zeiten wo das Recht vom Volk ausging.
Und hiermit beende ich für meine Seite diese Diskussion, weil sie sinnlos ist.

Re: Re: Re: menschenverachtend

Ich empfehle dringend Geschichtsunterricht. Totalitäre Regime sind wohl noch nie von Komikern ausgegangen, sondern von so "ernsthaften" Menschen wie ihnen, die glauben die Moral gepachtet zu haben. Alle Diktaturen kommen mit der Botschaft "für die Menschen etwas Besseres, Moralisches, Ethisches" oder sonst was zu bringen. Leute die irgendwo aufmarschieren und Parolen skandieren, die sind es die gefährlich sind. Die meinen es nämlich ernst. Zwei Komiker, die hart an der Schmerzgrenze agieren tun niemandem was. Sehen Sie sich mal britischen Humor an, der war immer schon weit härter an der Grenze als Stermann und Grissemann je sein werden. Und wann hatte Großbritannien das letzte mal eine Diktatur mit einem totalitären Regime? Ich bitte um Auskunft.

Re: Re: Re: menschenverachtend

Ich empfehle dringend Geschichtsunterricht. Totalitäre Regime sind wohl noch nie von Komikern ausgegangen, sondern von so "ernsthaften" Menschen wie ihnen, die glauben die Moral gepachtet zu haben. Alle Diktaturen kommen mit der Botschaft "für die Menschen etwas Besseres, Moralisches, Ethisches" oder sonst was zu bringen. Leute die irgendwo aufmarschieren und Parolen skandieren, die sind es die gefährlich sind. Die meinen es nämlich ernst. Zwei Komiker, die hart an der Schmerzgrenze agieren tun niemandem was. Sehen Sie sich mal britischen Humor an, der war immer schon weit härter an der Grenze als Stermann und Grissemann je sein werden. Und wann hatte Großbritannien das letzte mal eine Diktatur mit einem totalitären Regime? Ich bitte um Auskunft.

Re: menschenverachtend

entsprechend der musik halt.

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