Als unsere Theater sich in Japan verliebten

„Im Rausch der Kirschblüten“: Japonismus im Wiener Theatermuseum.

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(c) EPA (Everett Kennedy Brown)

„Madame Butterfly“, natürlich. Aber in Wien hielt der Japonismus viel früher als anderswo Einzug ins Theater. Die Premiere 1888 galt einem Stück, das noch Generationen später als Inbegriff des wienerischen Balletts gelten sollte: Bis in die 1990er-Jahre stand die „Puppenfee“ von Josef Hassreiter und Josef Bayer (Musik) im Staatsopern-Repertoire. Dass in dem viel gespielten, viel geliebten Stücklein eine japanische Einlage enthalten ist, betrachten die meisten Zuschauer nicht als wichtig, jedenfalls nicht als Hauptsache.

Anno 1888 war das ganz anders. „So was ist noch nicht da gewesen“, hieß es zwar nicht über die von der Fee belebte japanische Puppe, einem von Bayer molto adagio komponierten Solo für die erste Mimikerin des Hofopernballetts, Katharina Abel, sondern bereits zwei Jahre früher, als man aus London die dort sensationell erfolgreiche Operette des Autorenduos Gilbert & Sullivan importierte. Was im Carltheater für neugierige Augen sorgte, war der Hofoper gerade recht, um das erste Unterhaltungsballett wienerischer Provenienz exotisch anzureichern.

Liebevoll gestalteter Katalog

Das entsprach der Modeerscheinung, eben jenem Japonismus, dem das Wiener Theatermuseum eine zauberhafte Ausstellung widmet, begleitet von einem noch zauberhafteren, liebevoll gestalteten und japanisch gebundenen Katalog. Die Bestände des Hauses sind reich an pittoresken Zeugen für die Japanophilie, die nach der Öffnung des fernöstlichen Inselstaates gen Westen Europa infiziert hat. Man konnte sich nicht sattsehen an der Pracht japanischer Stoffe, Bilder, imitierter japanischer Malerei und Poesie.

Und man brachte japanischen Theaterzauber in die Alte Welt. Wobei Auftritte wie der von Abel, der durch eine exzellente Fotoserie dokumentiert ist, eher Höhepunkte der Aneignung als europäische Imitationskunst darstellen. Die geschmeidige Beweglichkeit war den fernöstlichen Theaterbräuchen abgeschaut, doch in europäische Choreografien verwandelt worden. Die Ausstellung dokumentiert auch die ersten Gastspiele japanischer Compagnien im Westen, die Sammelleidenschaft hiesiger Connaisseurs, die Masken und reich kolorierte Bilddokumente japanischer Bühnenkunst horteten.

Elisabeth Truxa hat die von Daniela Franke kuratierte Schau geschmackvoll gestaltet. Am 9. Jänner erläutert hier Bettina Zorn die Geheimnisse des Nô-Theaters, am 23. Jänner hält Matthias Pfaffenbichler einen Vortrag über die Samurai-Kultur, am 27. Februar spricht Diethard Leopold über Nô-Masken und Netsuke (jeweils 15 bis 17 Uhr, Teeverkostung inklusive). (sin)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.12.2013)

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