Oliver Polaks derbe Gags, die wehtun

Der jüdisch-deutsche Stand-up-Komiker spricht in seinem neuen Programm tatsächlich „Über Alles“.

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Oliver Polak – (c) imago/Lumma Foto

Oliver Polak redet gern mit dem Publikum. Er fragt den älteren Herren in der ersten Reihe: „Warum sind Sie hier?“ und verspricht ihm, sollte er durchhalten, danach einen Drink auszugeben. „Jüdisches Zaubersperma.“ Und schon sind wir mitten in der gewohnten Brachialkomik des jüdisch-deutschen Komikers, der am Mittwoch im Wiener Rabenhof die Premiere seines dritten Programms „Über Alles“ absolvierte. Gekleidet in schwarze Jogginghosen und schwarzes Langarm-Shirt mit – ironisch gemeintem – Justin-Bieber-Konterfei trat er auf die leere Bühne. Den Stichwortspickzettel auf einem schwarzen Sessel platziert.

Und der Programmname trifft es. Polak, der sich zwar nie auf den „Juden in Deutschland“ reduziert lassen wollte, aber doch mit seinen Witzen über die Shoah und das Jüdischsein in Deutschland bekannt wurde, legt es diesmal thematisch breiter an. Er geht mit Worten und Themen aber immer noch dort hin, wo es wehtut. Er redet über Menschen mit Down-Syndrom. („Die reden, das klingt so liebevoll. Stellen Sie sich vor, die Nazis hätten Down-Syndrom gehabt.“) Afroamerikanische Foodora-Zusteller (die nicht nur Pizza bringen). Den Tod seines Vaters. („Der sitzt nicht auf einer Wolke. Der war im KZ, der will sicher nicht wieder irgendwo im Nachthemd sitzen, wo es zugig ist.“) Seinen Hund. Und Verdauungsprobleme in Flugzeugtoiletten. Von der AfD ist er flugs bei der „Anne-Frank-App“: „Die zeigt dir die besten Verstecke in Europa. Leider ist sie nicht so genau. Man hat Anne Frank ja gefunden.“ Eine gute Stunde (den Einpeitscher gab davor Stand-up-Comedian David Deery aus Los Angeles) zieht er sein derbes Programm durch, das das sichtlich auf ihn eingestellte Publikum bis auf wenige Ausnahmen laut beklatscht. Nur sein ernstes Schlussplädoyer über Terror und Flüchtlingskrise hinterließ manche verdutzt. Klare, starke Worte, aber sie kommen so plötzlich nach diesen harten Gags, dass es schwer fällt, sie ernst zu nehmen. (awa)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.10.2017)

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