„Fargo“ im Bruderzwist

Der ältere Bruder Emmit, gespielt von von Ewan McGregor.
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Der ältere Bruder Emmit, gespielt von von Ewan McGregor.

Diesmal geht es etwas langsamer los. Bei der dritten Staffel von „Fargo“ wird man weder von plötzlicher Gewalt noch von Blutlachen im Schnee überrascht. Und man muss sich auch nicht rückbesinnen: Bei der Serie werden ja abgeschlossene Geschichten erzählt, die Staffeln bauen (auch, wenn es Querverweise gibt) nicht aufeinander auf. Sie sind „nur“ durch die distanzierte, morbide und atmosphärische Art des Erzählens miteinander verbunden.

Das wäre etwa eine alleinerziehende Polizistin, die zwar wenig Erfahrung mit psychopatischem, sinnlosen Morden hat, auf die Herausforderung aber recht kühl reagiert. Auch, wenn man sie zu Beginn eher mit selbstgemachtem Apfelkuchen assoziiert. Ebenso zum Prinzip gehört die Kleinstadt (Eden Valley), die völlig willkürlich zum Schauplatz wird. Und die Dialoge, die skurril und gleichzeitig authentisch sind.

Die dritte Staffel wird ins Jahr 2010 gesetzt, nach Minnesota . Wieder wird vorausgeschickt, dass es sich um eine „wahre Geschichte“ handelt. Im Mittelpunkt stehen die Stussy Brüder, Emmit und sein etwas jüngerer Bruder Ray (die beide von Ewan McGregor gespielt werden, was mir nicht sofort klar war). Der eine der beiden ist erfolgreich, Emmit Stussy ist der „Parkplatzkönig von Minnesota“. Der andere der klassische Verlierer, er arbeitet als Bewährungshelfer und irgendwie geht es bei ihm immer um Urinproben.

Der jüngere Bruder Ray, gespielt von von Ewan McGregor.
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Der jüngere Bruder Ray, gespielt von von Ewan McGregor.
Der jüngere Bruder Ray, gespielt von von Ewan McGregor. – (c) Netflix

Die Rivalität der beiden Brüder hat bald den ersten Mord zur Folge. Wobei dieser eigentlich die Konsequenz einer wirklich lustigen Szene ist, in der ein Krimineller sich im Auto einraucht, den Joint durch das geschlossene Fenster werfen will und bei der hektischen Schadensbekämpfung den Zettel mit der Adresse für den geplanten Einbruch verliert. Opfer ist dann ein alter Mann mit mysteriöser Vergangenheit, von der auch seine Stieftochter (die Polizistin) nichts weiß.

Darauf, dass die Fargo seine eigene Wirklichkeit kreiert, weist nicht nur die Doppelrolle von Ewan McGregor hin. Auch die Zeitebenen werden vermischt, das sieht man in den ersten beiden Folgen am Beginn (in der DDR), aber auch, wenn ein junger Mördern als Kosacke die Familie seines Opfers schon in einem anderen Jahrhundert verfolgt haben will. Düsterer als die ersten beiden Folgen werden die restlichen sicher noch werden.


Info: Die US-Serie „Fargo“ basiert auf dem gleichnamigen Film „Fargo - Blutiger Schnee“ der Gebrüder Coen aus dem Jahre 1996. Die dritte Staffel ist etwa bei Netflix oder Amazon zu sehen.

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