TV-Kritik

"Tatort" Österreich: "Hoppala, Bibi, wir ham an Einsatz"

Bibi Fellner und Moritz Eisner kriegen es in "Virus" mit einem gefährlichen Fall zu tun, denn das Mordopfer wäre sowieso gestorben: an Ebola. Auftakt zur "Tatort"-Saison am Sonntag.

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"Tatort: Virus" – (c) ORF (Hubert Mican)

Unsere Wertung:

8,5 von 10 Punkten.

Worum geht's in "Virus"?

Ein Mann liegt erschlagen im Steinbruch - er hat keine Papiere bei sich, ist allen im nahegelegenen Dorf Pöllau unbekannt. Und er ist schwarz, so wie die Flüchtlinge, die unweit im "Fluchthof" leben. Aber auch dort will keiner den Toten gekannt haben. Während Bibi Fellner und Moritz Eisner ihre Ermittlungen aufnehmen, macht Pathologe Kreindl (Günter Franzmeier) eine erschreckende Entdeckung: Der Mann wäre sowieso bald gestorben - an der hoch ansteckenden, tödlichen Viruserkrankung Ebola. Bald bangen Fellner, Eisner und das ganze Dorf: Hat sich einer von ihnen angesteckt?

Worum geht's wirklich?

Während ein Ebola-Ausbruch in Afrika oft nur eine Randnotiz in den Zeitungen ist, wirft dieser Fall die Frage auf, mit wie viel Hysterie die Behörden reagieren würden, würde die Krankheit in Österreich ausbrechen. Drehbuchautor Rupert Henning und Regisseurin Barbara Eder haben dazu recherchiert, Eder spult das ganze Programm ab, wie man es auch aus US-Katastrophenfilmen kennt - Militär und Seuchentrupps marschieren auf, das Dorf wird abgeriegelt, wer sich infiziert haben könnte, kommt in Quarantäne . . . Der Film wirft die Frage auf, wie viel Verantwortung wir für unsere Mitmenschen in Afrika haben - und wie weit man gehen darf, um sich selbst zu schützen oder andere zu retten.

Wer ermittelt?

Zwischen Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) herrscht wieder/noch immer Eiszeit. Die beiden raufen beim Training so nach dem Motto: Bis einer weint - auch wenn die Stellungen in diesem Ringkampf den Kollegen Schimpf (in seinem Element: Thomas Stipsits) an sein Kamasutra-Buch erinnern: "Der gestürzte Engel . . . na und das ist jetzt der glühende Wacholder (Bibi gewinnt die Oberhand), der Favorit von meiner Frau". Doch dann kommt das Stichwort: "Hoppala, Bibi, wir ham' an Einsatz" - und schon läuft die Zusammenarbeit zwischen den beiden wie geschmiert . . .

Was gefällt?

Trotz der Dramatik des Themas hat auch dieser Österreich-"Tatort" einige Schmunzelmomente - fast immer auf Kosten der Beamten. Der vom Chef wegen seiner schlechten Laktatwerte gemaßregelte Schimpf versucht seine Zwischenmahlzeit heimlich zu essen, "weil so a Beamtenforön is ja ernährungstechnisch a Kapitalverbrechen". Markus Schleinzer wirkt als Koordinator der behördlichen Seuchenschutzmaßnahmen wie ein verzopfter Kollege von Dorfer/Düringer/Weinzettl in der ORF-Beamtensatire "MA 48": Nachdem keiner auf ihn hört, platzt seine Menschenverachtung aus ihm heraus: "Dann steckt's euch halt alle an, es Provinztrotteln!"

Was gefällt noch?

Am "Fluchthof" lebt ein gutes Dutzend Schwarzer. Als die Polizei auftaucht, werden sie unruhig. Einige sind illegal im Land, die meisten arbeiten ohne Erlaubnis im Steinbruch. Regisseurin Eder lässt die Darsteller in ihrer Landessprache miteinander flüstern, auch diskutieren. Mimik, Tonfall und Verzweiflung brauchen keine Übersetzung.

Woran hakt's?

Bei den Seuchenschutzaktivitäten wird ganz dick aufgetragen - als wär's ein Film aus Hollywood: Hubschrauber, Absperrungen, ABC-Trupps, die aussehen wie unheimliche Astronauten. Autor und Regisseurin haben recherchiert - und dann zur Dramatisierung alle Geschütze aufgefahren. Was das erträglich macht? Die Schlusspointe, die an dieser Stelle aber nicht verraten wird . . .

Für unsere Lieblingsnachbarn

Was ist eigentlich eine "Beamtenforön", auf Hochdeutsch: "Beamtenforelle"? Eine Knackwurst.

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