Unlautere Methoden? Klangkarussell in der Kritik

29.03.2013 | 12:58 |   (DiePresse.com)

Ein Radio-DJ wirft den Salzburger Chartstürmern vor, dass ihre Hitsingle "Sonnentanz" aus Versatzstücken einer Sample-Kit-CD besteht. Diese kosten im Handel lediglich rund 55 Euro.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Wer kennt ihn nicht, den "Sonnentanz" von Klangkarussell. Auf der Videoplattform Youtube hat der Sommerhit des vergangenen Jahres bereits mehr als 20 Millionen Klicks. Nun werden den Machern, einem Duo aus Salzburg, unlautere Methoden vorgeworfen. Ein niederländischer Radio-DJ entdeckte, dass die Hitsingle aus Versatzstücken einer Sample-Kit-CD besteht, die für 69,95 US-Dollar (umgerechnet rund 55 Euro) im Handel erhältlich ist. Auch wenn die Verwendung von Samples üblich ist, wurde am Donnerstag in sozialen Medien und auf diversen Blogs doch die fehlende Eigenleistung von Klangkarussell mokiert.

Das Sample-Kit stammt laut Domien Verschuuren von Big Fish Audio, die mit einer Kick-Drum, Vibrafonen, Gitarrengeräuschen und dem Saxofon die Einzelteile zum sommerlichen Tanztrack zur Verfügung stellten. Das Arrangement der Loops besorgte das Duo, was Verschuuren ebenso anerkennt wie die meisten Kommentatoren im Netz. Doch auch wenn das die Qualität des Songs nicht mindere, so sei die Bekanntheit des Songs dennoch wesentlich auf die charakteristischen Sample-Elemente zurückzuführen, so der DJ. Das Video, in dem er den Hit von Klangkarussel "demaskiert", wurde inzwischen auf Youtube gesperrt.

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

6 Kommentare

Neidisch

Gesamplete Klänge gehören in der Branche dazu und sind üblich. Man würde sich wundern, wie viel auf leicht veränderten Samples oder Synthesizer Presets basiert. Die Kunst ist aber ein Kunst(!)werk rauszubekommen.
Wenn er das unfair findet, soll er selber einen Hit basteln, wenn das so einfach ist.

da ist wohl einer neidisch

90% der Musik, ob einem das jetzt gefällt oder nicht, ist irrelevant, besteht aus bereits bekannten Melodien. Na und?
Ich empfehle den "4 Chord Song" von Axis of awesome auf YouTube anzuschauen. Lg

Re: da ist wohl einer neidisch

Es gibt nen kleinen Unterschied zwischen Sampling von diversen Einzelkomponenten und von verschiedenen Quellen, und dem vorliegenden Fall, wo Klangkarussel nicht nur die Hauptelemente von ein und derselben Sample-CD praktisch unbearbeitet übernommen hat, das ganze Zeug war auf der CD angeblich noch dazu im selben Folder.

Das ist ja so, wie wenn man als DJ nur noch mit einer einzigen CD oder Platte auflegen geht, z.B. irgendeiner Compilation, und dann alle Tracks irgendwie runterspielt... das ist einfach lahm, auch wenn am Ende des Tages natürlich nur das zählt, was aus den Lautsprechern kommt. Dafür sollte man sich dann aber nicht zu sehr feiern lassen.

Interessant ist dann auch die Frage, ob es so überhaupt Remixes von dem Klangkarussell-Track geben wird können, denn theoretisch kann jeder die Samples von dieser lizenzfreien Kit-CD zusammenstöpseln und damit etwas sehr Sonnentanz-ähnliches fabrizieren. Umgekehrt können die Künstler wohl ohne Lizensierung bei Big Fish Audio wohl kaum ein Remix Pack zur Verfügung stellen. Wären ja dann einfach die Original-Loops der CD. Irgendwie schon peinlich, das Ganze. Aber symptomatisch dafür, dass DJing und Produzieren immer mehr zum massengerechten Zusammenkleben von fixfertigem Zeug verkommt.

Naja.

Das ganze Unz-Unz-Zeug dient sowieso nur dazu, die Resonanzfrequenz der Horden so etwas hörender Lobotomierter zu treffen, damit die zu schwingen beginnen ohne die unterdimensionierte Feinmotorik damit belasten zu müssen. Da darf man nicht so heikel sein.

Re: Naja.

ach komm schon, auch wenn einem manche Musik nicht gefällt, kannst du diese Aussage nicht treffen. Wenn wir so argumentieren, kannst du jegliche Musik relativieren..

Re: Re: Naja.

Doch, kann ich, und ich kann auch so argumentieren, auch wenn es eher polemisieren ist.

Über Geschmack läßt sich nicht streiten, aber die Komplexität und damit die künstlerische Höhe eines Werkes sehr wohl.

Daß viele zufrieden sind, wenn zwei hypothetische Affen Topfdeckel im Rhytmus aneinanderschlagen und dafür auch noch Geld ausgeben, ist kein Grund, die so entstandenen Geräusche in die selbe Kategorie einzureihen, wie ein orchestrales Werk des 19. Jahrhunderts. Das ich mir übrigens großteils genau so wenig anhöre, aber da geht es ums Prinzip.

Platten der Woche

Song der Woche

Meinung

Jetzt Kultur-Newsletter abonnieren

Die Meldungen des Tages aus den Bereichen Kunst und Kultur. Kostenlos.

Newsletter bestellen

Code schwer lesbar? » Neu laden

AnmeldenAnmelden