Retro? Hin zum puren Sound!

Die österreichische Band Velojet, psychedelischer denn je, spielt beim „Waves“. Velojet selbst begeben sich lieber in nicht toxische Traumwelten.

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Velojet – Ink Music

Wer Popmusiker in Österreich wird, tut gut daran, sich an Armut zu gewöhnen. Die Band Velojet tut dies auf ihre Weise. Bandgründer René Mühlberger etwa lebt, um sich seine Vintage-Instrumente leisten zu können, bescheiden am Rand der Stadt. Dort hat er sich nun ein Jahr lang kaserniert, um an einem neuen Sound zu feilen: weg vom rasanten Indie-Rock, hin zu entspannten psychedelischen Klängen. Dazu bediente er einen alten Synthesizer mit modularem Stecksystem: „Das zog mich aus der Welt der Akkorde, hin zum puren Sound.“ Probierte er nicht gerade selbst herum, dann hörte er klassische Pink-Floyd-Alben wie „Meddle“.

Für ihr Album „Panorama“ pilgerten Velojet in den hohen Norden: auf die Insel Aland, wo sie mit Ex-Moneyboy-Schlagzeuger Magnus Henriksson arbeiteten. Henriksson nennt sich zwar als Produzent „Existensminimum“ (so lautet die schwedische Schreibweise), ist aber prinzipiell entspannt. „Bei ihm gab es keine Zwänge“, schwärmt Mühlberger: „Er glaubt an den gut abgelegenen Song, lässt deshalb die Aufnahmen gern eine Zeit lang ruhen. Plötzlich spielten wir Sounds, die wir noch nie gehört hatten. Auch nicht von anderen.“

Sind Velojet also nicht mehr retro? Bei diesem Wort wird Synthesizer-Spielerin Lisi Neuhold ein wenig fuchtig: „So vieles, was als hip ausgerufen wird, ist vier Monate später vergessen. Freilich entlehnen wir etwas aus der Vergangenheit, aber wir bringen es auf frische Art.“

Zu den zart surrealen Texten, die mit Entzücken von ambivalenten Seelenlagen berichten, summt und surrt es freilich weiterhin wie zuletzt in den Sixties. Eine bleibende Inspirationsquelle für Mühlberger ist Stanley Kubricks „Clockwork Orange“ von 1971: Der Bandname Velojet leitet sich von einer seltsamen Arznei namens „Vellocet“ ab.

Velojet selbst begeben sich lieber in nicht toxische Traumwelten. Sie halten Spannungen gut aus, wie der schauerlich-schöne Opener „The Manic Depression Show“ zeigt. Den bösen Fluch in „The Curse of Being Totally Lost“ nehmen sie gelassen an. Vielleicht, weil zwei Mitglieder von Velojet weiblich sind? „Frauen in Bands bringen mehr Kreativität und weniger Gefühlskontrolle“, sagt Mühlberger, „auch das Modische bei Velojet bestimmen die Girls.“

Das kann man am 3. Oktober prüfen, wenn Velojet im Fluc spielen – beim Wiener Waves-Festival, das damit angibt, 98 Bands in drei Tagen vorzuführen. Velojet haben freilich keine Angst, dort unterzugehen. Und Mühlberger freut sich auf die skandinavischen Bands. „Besonders auf Frida Hyvönen. Die anderen Namen kann ich leider nicht aussprechen...“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.10.2013)

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