Tom Petty: Der amerikanische Rock'n'Roller par excellence ist tot

Tom Petty, mit seiner Band The Heartbreakers einer der großen Traditionalisten der US-Rockmusik, starb 66-jährig an einem Herzinfarkt. Mit Songs wie „American Girl“ und „Free Fallin'“ schuf er Evergreens, auch sein letztes Opus, „Hypnotic Eye“ aus dem Jahre 2014, war ein Highlight.

Verträumter Rebell: Tom Petty (1950 – 2017).
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Verträumter Rebell: Tom Petty (1950 – 2017).
Verträumter Rebell: Tom Petty (1950 – 2017). – (c) Warner

„Well she was an American girl, raised on promises . . .“ schnurrte er noch am Abend des 22. September in der berühmten Hollywood Bowl. Niemand hätte gedacht, dass diese letzte Zugabe gleichzeitig der letzte live gesungene Song dieses so fit wirkenden ewigen Rock'n'Rollers sein könnte. „American Girl“ war der Song, mit dem sich Tom Petty 1976 sein deutschsprachiges Publikum eroberte. Der eine Generation ältere Roger McGuinn, einst Sänger der Byrds, hatte diesen Song gecovert und spielte ihn im Rockpalast, einem damals sehr wichtigen Fernsehformat. Danach war auch das Original von Tom Petty & The Heartbreakers gefragt. Heute gilt es längst als Klassiker.

Petty wurde 1950 in Gainesville, einer kosmopolitischen Kleinstadt in Florida, geboren. Schon als Kind verfügte er über zwei ideale Eigenschaften fürs künftige Leben als Rockstar: Verträumtheit und einen Hang zur Rebellion. Über letzterer verlor sein Vater Earl regelmäßig die Nerven. Er schlug seinen Sohn. Andererseits war er es auch, der Petty für 28 Dollar die erste Gitarre kaufte. Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn blieb ambivalent. Die psychischen Folgen der körperlichen Züchtigungen wurde Petty erst spät in seinem Leben durch transzendentale Meditation los. Bis dahin löste sein berüchtigter Jähzorn häufig Turbulenzen aus. „I'm not Mr. Laidback“ pflegte er dann entschuldigend über jene heiklen Momente zu sagen, die das Bandgefüge oder die Beziehung zur Plattenfirma über alle Maße durchrüttelte.

Aus der Vogelperspektive betrachtet, war seine Karriere voller Brüche, in der Innenschau wohl nie. Als er als Kind Elvis Presley am Set des Films „Follow That Dream“ beobachten durfte, habe sich etwas in ihm verändert, erzählte er. Als er dann noch die Beatles in der Ed-Sullivan-Show sah, war es um ihn geschehen: „By the time I was 15, I knew what I wanted to do with my life.“ Seine erste Band hieß „Tom and The Sundowners“. 1970 feierte er als Mitglied von Mudcrutch erste Erfolge. Zwei der Musiker, Gitarrist Mike Campbell und Keyboarder Benmont Tench, gründeten später die Heartbreakers, die sich Tom Petty bald als Begleitband krallte, nachdem er festgestellt hatte, dass er nicht gerne mit Sessionmusikern arbeitet. Petty brauchte ein quasi-familiäres Gefüge, eine Band. Nach beachtlichen ersten Erfolgen in Europa kam mit dem dritten Album „Damn The Torpedoes“ der ganz große Durchbruch in den USA. Im selben Jahr, 1979, meldete Petty überraschend Konkurs an.

Er hatte schwer mit seiner Plattenfirma zu kämpfen, um einen besseren Vertrag zu erhalten. Erfolge regnete es dennoch: „Stop Draggin' My Heart“, sein Duett mit Fleetwood-Mac-Sängerin Stevie Nicks, „Free Fallin'“, „I Won't Back Down“. Dabei waren ihm die ganzen Alben stets wichtiger. Den Hits misstraute er, außer sie stammten aus der Rock'n'Roll-Ära von Mitte der Fünfzigerjahre, die ihm zeit seines Lebens Inspiration war.

Ganz in seinem Element war Petty 1988, als er gemeinsam mit Bob Dylan, Roy Orbison, George Harrison und Jeff Lynne, die Travelling Wilburys gründete, eine recht nostalgische All-Star-Band. Künstlerische Highlights seiner langen Karriere waren das mit Jeff Lynne gefertigte „Full Moon Fever“ (1989), das Bluesalbum „Mojo“ (2010) und das letzte Opus „Hypnotic Eye“ (2014), das mit dem hochmelodiösen „Shadow People“ einen recht pessimistischen Blick auf die USA warf. Jetzt starb Tom Petty 66-jährig an einem Herzinfarkt. Das schockte auch seinen Freund Bob Dylan. „I thought the world of Tom“, schreibt er: „He was a great performer, full of the light.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.10.2017)

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