Gehirn von Friso massiv geschädigt

24.02.2012 | 18:52 |  WOLFGANG GREBER UND HELMUT HETZEL (Die Presse)

Der niederländische Prinz Friso, der am 17. Februar in Lech von einer Lawine verschüttet worden ist, wird womöglich nie wieder aufwachen, sagen die Innsbrucker Ärzte.

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I. I. Königin Beatrix der Niederlande und Prinzessin Mabel sowie die königliche Familie Oranien-Nassau müssen ein Tal der Tränen durchschreiten: Am Freitag gaben die Ärzte, die den vor einer Woche in Lech am Arlberg von einer Lawine verschütteten Prinzen Johan Friso (43) an der Innsbrucker Uni-Klinik behandeln, eine niederschmetternde Diagnose bekannt: Der 43-Jährige dürfte aus seinem Wachkoma wohl nie mehr herausfinden; sein Hirn sei durch Sauerstoffmangel zu sehr geschädigt worden. Friso erlitt demnach, nachdem er schon etwa 20 Minuten unter einer 40 Zentimeter dicken Schneedecke ohne Zugang zu Luft gelegen hatte, kurz nach seiner Bergung einen Herzstillstand. Der dauerte noch einmal 50 Minuten.

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„Man kann auch sagen, zu lange“

„Während dieses Zeitraums musste der Prinz reanimiert werden. Das war ein sehr langer Zeitraum. Man kann auch sagen, zu lange“, sagte Wolfgang Koller, der Leiter der traumatologischen Intensivstation der Innsbrucker Uni-Klinik, bei einer Pressekonferenz. Beinahe während dieser ganzen Zeitspanne wurde das Gehirn nicht mit Sauerstoff versorgt – das führt zum Absterben von Nervenzellen.

Nach Ansicht von Koller könne es Monate, ja Jahre dauern, bis Friso zu Bewusstsein kommt. Möglicherweise sogar nie wieder. Am Donnerstag habe eine Magnetresonanztomografie klargestellt, dass der Sauerstoffmangel zu wohl irreversiblen Schäden geführt habe. Die königliche Familie suche nun eine Reha-Klinik für Prinz Friso.

 

Apallisches Syndrom

Der niederländische Neurologe Michael A. Kuiper fürchtet, dass Prinz Friso in diesem „vegetativen Zustand“ verharren könnte. In den Niederlanden sei es üblich, in solchen Fällen die Behandlung einzustellen. Ein solcher Zustand wird auch „apallisches Syndrom“ genannt (s. Lexikon). Dabei funktionieren nur doch die lebenswichtigen Systeme des Gehirns. Die Chancen zu genesen sind gering.

In den Niederlanden fragt man sich nun: Hat Friso eine Patientenverfügung für einen solchen Fall, also wünscht er dann etwa seinen Tod? Und: Wer muss ansonsten darüber entscheiden, wie es mit Friso weitergeht? Die Königin und Mutter? Seine Gattin, Prinzessin Mabel? Beide gemeinsam?

Es sind aber nicht nur diese Fragen, die man sich in den Niederlanden stellt. Denn das Unglück ist ein schwerer Schlag für die ganze königliche Familie Oranien-Nassau – insbesondere für Königin Beatrix, Prinzessin Mabel und die zwei kleinen Mädchen des Paares. Friso ist der Lieblingssohn von Königin Beatrix. Er war als gelernter Ökonom auch quasi „Finanzminister“ der Familie. Beatrix ist 74 Jahre, lange schon wird spekuliert, dass sie bald abtreten könnte und ihr ältester Sohn Willem-Alexander (44) den Thron besteigt; dessen Gattin, Prinzessin Máxima (40), gebürtige Argentinierin, würde Königin Máxima I.

 

Bald Thronwechsel?

Der Unfall Frisos könnte den Thronwechsel nun beschleunigen: Beatrix, die in den letzten Tagen schwer gezeichnet wirkte, könnte ihn zum Anlass nehmen, um nach 32 Jahren abzutreten. Denn 2013 besteht die niederländische Monarchie 200 Jahre, dann wird Beatrix 75. Das wäre, nach all dem, was sie nun mitmacht, ein idealer Zeitpunkt für den Abgang.

Das niederländische Königshaus teilte derweil mit, dass die Königin und andere Mitglieder ihren Aufenthalt in Lech, wo die Familie seit Jahrzehnten urlaubt, bis nächste Woche verlängern. Am Freitag trafen Beatrix, Kronprinz Willem-Alexander, Mabel sowie Prinz Constantijn erneut in Innsbruck ein, um Friso zu besuchen. Der niederländische Premier Mark Rutte versicherte in einem Telefonat mit Beatrix und Mabel, dass die Niederlande „intensiv mit der königlichen Familie in dieser Zeit der Sorge und Trauer mitfühlen“.

 

Trauer auch in Lech

Im Vorarlberger Ort Lech zeigte man sich indes ob der schlechten Nachrichten aus Innsbruck „geschockt und zutiefst betroffen“, wie Bürgermeister Ludwig Muxel sagte. „Unser ganzes Mitgefühl gilt der Familie, besonders Johan Frisos Gattin Mabel und den Kindern“, sagte der Ortschef.

Lexikon: Apallisches Syndrom

Friso erlitt ein „apallisches Syndrom“ („vegetativer Zustand“), Folge eines Ausfalls der Sauerstoffzufuhr des Hirns, der Zellen schädigt. Betroffen ist v. a. die Großhirnrinde, Sitz des Bewusstseins. Der Patient wirkt wach, kann aber nicht bewusst handeln oder kommunizieren. Nur fundamentale, von Zwischenhirn und Hirnstamm gesteuerte unwillkürliche (vegetative) Funktionen wie der Herzschlag sind aktiv. Genesung ist unwahrscheinlich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.02.2012)

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29 Kommentare
 
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Medizinisches Asyl?

"In den Niederlanden sei es üblich, in solchen Fällen die Behandlung einzustellen."
Wie ich das sehe, braucht der Verunglückte ernsthaft medizinisches Asyl in Österreich. Unter diesen Bedingungen dürften die Österreicher den Mann nicht in seine Heimat reisen lassen. In der "Welt" steht heute, dass es kaum Reha-Einrichtungen in den Niederlanden für über 25-jährige gibt. Mich gruselt. Vielleicht überdenkt man einmal die Euthanasiepolitik in diesem Land. Vielleicht.

Gast: Hellgate
26.02.2012 00:24
0

Tja, dramatische Ereignisse spielen sich hier ab.


Die Welt hält den Atem an und ist zutiefst betrübt.
Alle Herzen sind natürlich bei PRINZ Friso.
Geschockt über diese unvorstellbare Nachricht leiden wir mit dem niederländischen Königshaus.

Gast: NachDenkSeitenInge
25.02.2012 13:17
1

Wenn es unsere Kinder betrifft......

Wie viele Menschen machen sich Sorgen um ihre Familien, ihre Kinder, die unsere Zukunft sind.
Das niederländische Königshaus gehört zu den Global-Playern. Sie alle haben vergessen, dass sie Macht und Geld auf Kosten vieler Lebewesen auf unserer Erde, einschließlich unseres Planeten erworben haben schon seit vielen Generationen und ihr Mitleid für andere, außerhalb ihres Kreises Grenzen hatte.
Es gibt Wunder, die auch das Leben von Prinz Frisco wieder einer positiven Wende zuführen können. Alles ist möglich, sofern es der Liebe zugeführt wird. Ich habe es so oft erlebt. In diesem Sinne kann die Familie dem Prinzen beistehen. Ich wünsche ihnen, dass sie den Weg ins Licht gehen und Vergebung finden.

Gast: dieinternationale
25.02.2012 10:34
2

Gefahren beachten!

Der Unfall hat einen Familienvater erwischt- das ist meiner Meinung nach tragischer, als dass es sich dabei um einen Prinzen handelt.

Manchmal muss es aber einen Promi erwischen, damit ein öffentliches Umdenken einsetzt. Das ist meiner Meinung nach dringend nötig, was Freeriding und Variantenfahren betrifft.

Österreich ist ein relativ sicheres, von Naturgewalten weitgehend verschontes Land. Trotzdem dürfen wir nicht vergessen, dass die Berge kein Abenteuerspielplatz für verwöhnte Städter und auch kein Playstation- Egoshooter sind, sondern (glücklicherweise) großteils noch freie Natur- und die birgt nun einmal Gefahren! Darüber sollte sich jeder im Klaren sein, wenn er seinen Skiurlaub plant!

Gast: gast:1
25.02.2012 08:38
1

schön langsam ists dann genug...

oder bin ich der Einzige dem die große mediale Aufmerksamkeit für dieses Thema inzwischen zu viel wird?

Ein Herr Prinz, den (seien wir ehrlich) zuvor eh keiner kannte, ist durch eigene Schuld nun schwer verletzt.

Tragisch - ohne Zweifel - aber jetzt ists dann auch wieder genug...meiner Ansicht nach.

Gast: Berg
25.02.2012 06:32
2

Die Lawine und der Berg machen eben keinen Unterschied ob ein Prominenter oder ein "Normaler" glaubt ungeachtet aller Warnungen herumkurven zu können

Insoweit hält sich bei mir als Berggeher das Mitleid in Grenzen.

Gast: Pistenrowdy
25.02.2012 00:37
7

Traurig das zu hören,

Ich wünsche ihm nur den besten Ausgang der Situation.
Man sollte aber außerhalb von gesicherten Pisten immer wissen, dass man jedes mal ein hohes Risiko eingeht. Bei Lawinenwarnstufe 4 so etwas zu tun ist sehr milde ausgedrückt fahrlässig.


Gast: Arlberg
24.02.2012 23:44
6

Für Promi sind Hirnschäden, wie man täglich vorgeführt bekommt, nichts Ungewöhnliches

Ja wenn die Hybris einmal so weit fortgeschritten ist, daß man glaubt auch Naturgesetze müßten vor einem kuschen und mutwillig bei Lawinenwarnstufe 4 im freien Gelände um des Kicks willen schifährt, dann muß man auch die Konsequenzen des Kicks tragen. Promis schmeißen des öfteren aus purer Fadesse ihr Leben weg, weil sie nichts Sinnvolles mit ihrem Leben und Geld anzufangen wissen - was indirekt aufschlußreich über ihre(n) IQ und Bildung ist. Als eine der reichsten Familienclans Europas werden sie sich die tollste Reha locker leisten können. Im Gegensatz schert sich niemand der Leute mit Krokodilstränen um die vielen finanziell nicht gut gepolsterten kleinen Leute, welche als folge der Ausbeutung krankgemacht wurden und wegen der migrantenbedingt leeren Kassen kaum mehr Reha auf Krankenschein bekommen und sich die teuren Kosten (rd. 60 Euro pro 45 Minuten) selbst absparen oder unter den Folgen ein Leben lang leiden müssen. Um die kümmert sich niemand. Vielen auch jüngeren Leuten wird durch unsere omnipotente Obrigkeit so das Leben ruiniert.

Antworten Gast: Genosse Graf Gudenus, Paris
25.02.2012 08:59
0

Für Promi sind Hirnschäden, wie man täglich vorgeführt bekommt, nichts Ungewöhnliches

Also Promi gleich Prolo liegen lassen: Zweck: Verdienstentgang des Arztes

Antworten Gast: Genosse Graf Gudenus, Paris
25.02.2012 04:31
0

Für Promi sind Hirnschäden, wie man täglich vorgeführt bekommt, nichts Ungewöhnliches

beginnt schon weiter unten als beim Bürgermeister, der ssolche Abfahrten genehmigt!

Viel geht auf Prinz zurück, der keiner ist.

Gast: Hemingway
24.02.2012 23:36
6

Sport- Verkehrs- und sonstige Unfälle sollten eine Warnung sein, mit dem Leben vorsichtiger umzugehen und sich und andere nicht zu gefährden.

Wünsche Johan Friso und auch allen anderen (Schwer)Verletzten eine gute Genesung.

Gast: Consuela
24.02.2012 23:14
4

das klingt nach einem ....

... schrecken ohne ende.
ein ende mit schrecken wäre leichter zu verkraften.

Gast: oko
24.02.2012 23:07
3

50 minuten reanimation

jeder der was von der notfallmedizin versteht weiss, das 50 minuten reanimation in keinem lehrbuch steht

wer trägt die kosten für einen produzierten appaliker ?

die arzthaftpflicht des notarztes ?

ich möchte dieser notarzt nicht sein

Antworten Gast: mulcahy
25.02.2012 06:25
3

Re: 50 minuten reanimation

ps: weil jemand angesprochen hat, dass man sich um "kleine leute" nicht kümmert:

ein bekannter von mir liegt seit ca 10 jahren mit apallischen syndrom erst im krankenhaus, jetzt im pflegeheim und die kosten werden von den zuständigen versicherungen übernommen.

Re: 50 minuten reanimation

schäbig was sie da schreiben. :-(
unfair auch noch. aber was will man von einem
der offenkundig euros statt augen hat...

[x]
ein polnischer bahnarbeiter erlitt bei verschubarbeiten massive kopfverletzungen und fiel ins wachkoma.
das geschah im jahre 1988.

anno 2007 - also nach 19(!!) jahren - begann der mann ins "leben" (wie man es üblicherweise definiert) zurück zu kehren.

kein einzelfall...

[x] http://www.welt.de/vermischtes/article917797/Nach_19_Jahren_aus_Koma_erwacht.html

listet u.a.
auch die presse auf http://diepresse.com/home/gesundheit/378183/Bewusstsein_Sensation-bei-WachkomaPatienten


Antworten Gast: mulcahy
25.02.2012 06:21
8

Re: 50 minuten reanimation

warum schreiben sie zum thema, wenn sie nichts davon verstehen?

1. der patient war bereits 20 minuten ohne sauerstoff, bevor man ihn gefunden hat.

2. das gehirn kann nur ca 4 minuten ohne sauerstoff sein, ohne irreparable schäden zu erleiden.

3. ich habe schon reanimationen erlebt, die ebenso lang gedauert haben.

4. während der reanimation wird der patient mit sauerstoff versorgt ("bebeutelt".

5. das gesetz und die ethik schreibt dem notfallarzt vor, alles in seiner macht stehende zu tun, den patienten wieder ins leben zu holen.

6. dazu kann man stehen wie man will, so ist es nun einmal das gesetz.

7. was hat das reanimationsteam ihrer ansicht falsch gemacht? einfach sterben lassen? wie kommen sie auf arzthaftpflicht?

conklusio: sie haben keine ahnung, aber eine meinung. und die ist grundfalsch.

Gast: montfort
24.02.2012 21:36
13

Hoffnung stirbt zuletzt

Ich verstehe nicht warum der Prinz keinen Lawinenairbag, wie sein Begleiter, getragen hat. Finanzielle Grûnde sind sicher nicht vorgelegen. Hoffen wir auf ein Wunder oder eine Wunderheilung, denn die Hoffnung stirbt zuletzt. Meine Anteilnahme gilt seiner Familie, besonders seinen Lieben Kindern.

Mir tun die Töchter leid

Bei Lawinenwarnstufe 4 in einen ungesicherten Hang einfahren ist unglaublich dumm. Dass die Mädchen auf diesem Weg ihren Papa verlieren müssen besonders tragisch. Als Vater hat man Verantwortung für seine Kinder und fährt nicht bei Warnstufe 4 in ungesicherte Hänge. Sorry, aber das ist leider eine Tatsache, die besonders weh tut.

Antworten Gast: Noldi
24.02.2012 23:29
6

Re: Mir tun die Töchter leid

Die Leute vom Ort dort erzählen, dass es am Morgen dieses Tages an genau diesem Tag es wegen der Lawinenwarnstufe Sprengungen gab um dort eine Lawine auszulösen. Nur es ging keine ab. Danach fuhren mehrer Menschen den ganzen Tag den Hang hinunter. Die Menschen vom Ort haben wegen der gegebenen Situationen nicht mal im Traum mit einem Risiko dort gerechnet.

Ganz so einfach ist das Ganze also nicht.

Antworten Gast: beschwerer
24.02.2012 20:39
10

Re: Mir tun die Töchter leid

Sie haben leider völlig Recht. Muss eine Kurzschlussaktion gewesen sein. Selbst wenn der Prinz wieder genesen würde, würde er sie sich wohl selber nie verzeihen. Also wollen wir dennoch nicht über ihn richten.

Re: Re: Mir tun die Töchter leid

Nein, er kann ja hinfahren wo er will. Es sollten nur andere, ebenso leichtsinnige, Väter draus lernen, damit anderen Kindern erspart bleibt den Vater zu verlieren. Ein Papa ist extrem wichtig für Kinder. Auch eine intakte Familie, das ist ja heute leider auch recht selten.

Antworten Antworten Antworten Gast: beschwerer
24.02.2012 21:09
3

Re: Re: Re: Mir tun die Töchter leid

RICHTIG. Wenn ich an die zwei Mädchen denke brennt mein Herz.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Judas Ben Hur
24.02.2012 21:47
1

Re: Re: Re: Re: Mir tun die Töchter leid

Mit Geld kann man sich alles kaufen - auch Liebe!

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: beschwerer
25.02.2012 11:11
2

Re: Re: Re: Re: Re: Mir tun die Töchter leid

Mann, was für ein A-Loch-Posting zu diesem Thema!

Re: Re: Re: Re: Re: Mir tun die Töchter leid

"Mit Geld kann man sich alles kaufen - auch Liebe!"

nur wenn wer dem irrtum anheim fällt
dass die verknüpfung von sex&mitleid
etwas wie: liebe ergäbe...


 
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