Die Testerinnen: Hofmeisterei und Wachauerstube

Landessen auf dem Land. Etwa in der Wachau.

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Wem mittlerweile auch langweilig er­scheint, wie sich urbane Gastronomen vom Megatrend Landlust vereinnahmen lassen, der muss raus aus der Stadt. Es geht in die Wachau, wo heuer gleich zwei Neueröffnungen vermeldet wurden – was für die Gegend gefühlt mehr gastronomische Veränderung bedeutet als in den letzten zehn Jahren zusammen. Hier halten Winzerdynastien eben echte Traditionen hoch. Wie die Hirtzbergers. Die Familie hat in Wösendorf den Florianihof ersteigert und nun als Hofmeisterei aufgesperrt (ein gleichnamiger Wein folgt). Natürlich ist alles ausgebucht. Wir nehmen gern den langen Tisch bei der Bar – schließlich ist es besser, dem Tratsch der „Locals“ beim schnellen Achterl zu lauschen, als wieder zwischen Wienern zu sitzen. Die Wassergläser sind aus alten Weinflaschen gemacht. Süße Kürbiskerne zum Kaffee liegen in einer alten Mühle, die Rechnung kommt in einem zum Kisterl umgebauten Buch. Alles sehr liebevoll. Im Gegenzug dazu wirkt das Essen fast rau. Die Kürbiscremesuppe ist so stark gewürzt, dass auch Frischkäse und Brotchips das nicht neutralisieren können. Das Lachstatar ist köstlich – zu köstlich, um auf bitterem Rotkraut mit eiskalten Mandarinen abgelegt zu werden. Deftig, aber gut: das Beuschel.

 

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Unser eigentliches Ziel liegt jedoch in Unterloiben: die Wachauerstube. Übernommen von Stadtflüchtling Gerald Diemt, der zuvor in Wien das Novelli und Limes geleitet hat, mit Christoph Blaha in der Küche, der vom Florianihof in diese Stube gewechselt ist. Jetzt wird aufgetischt, was die Metropolen so begehren: Gulasch, saures Rindfleisch, Hendlleber und sonntags ein Schweinsbraten mit Kraut und Knödeln. Ofenfrisch. Supersaftig. Leicht durchzogen.

Was der Stakkato-Stil soll? Das fragte ich mich bei der Speisekarte auch. Der ist vom Hauptstadttreff Rochus besetzt. Dort soll er auch bleiben. Wirklich gelungen: die Tellersulz vom Spanferkel. Die Sulz noch weich, die Grammeln knusprig, der Kren als Abrundung. Das Schnitzel ist wie aus dem Lehrbuch: Die Panier wellt vom Soufflieren in der Pfanne wie der Nacken eines chinesischen Faltenhundes. Zur Nachspeise gibt’s Vanillepudding mit Himbeersauce. Wohl mit ein Grund, warum man die Winzer aus dem Ort (Knoll, Alzinger und Mittelbach) hier nicht nur auf der großen Weinkarte findet.

Info

Wachauerstube, Unterloiben 24, 3601 Dürnstein, Tel.: 02732/85950, Freitag bis Dienstag 11.30 bis 21 Uhr.

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