Fasching 2012: Die Säle, die die Ballsaison beseelen

13.01.2012 | 18:17 |  Von Duygu Özkan und Karin Schuh (Die Presse)

Ohne Hofburg, Musikverein, Rathaus oder Staatsoper wären die Wiener Bälle – ja, was nun eigentlich? Ein Überblick über Wiens wichtigste, schönste und außergewöhnlichste Bälle – und vor allem deren Säle.

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Wien. Was macht einen Ball zu einem schönen, festlichen, schlicht zu einem gelungenen Ball? Die Musik, festlich gekleidete Gäste – und das Ambiente der Ballsäle. Das trägt nicht nur zum Flair eines Balls bei, sondern auch zum Image Wiens als Ballstadt. Vom Musikverein, der – zumindest inoffiziell – die Staatsoper längst als schönste Ball-Location abgelöst hat, bis zum Rathaus, wo Michael Häupl den Tirolern ebenso Platz machen muss wie den Gästen des Flüchtlingsballs. Mit allein zehn Bällen an diesem Wochenende hat die Ballsaison so richtig gestartet. Ein kleiner Guide durch die Ballsaison unter besonderer Berücksichtigung der Locations.

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Hofburg - Kaffeesieder und Burschenschafter

Räume hat die Hofburg genug – Walzer wird aber meist im Festsaal und Zeremoniensaal mit den korinthischen Säulen getanzt, bei manchen Bällen auch im weiß und gold gehaltenen Redoutensaal. Die Hofburg ist nicht nur die größte, sondern auch die schönste Location; auch heuer werden in der ehemaligen Kaiserresidenz 20 Traditionsbälle stattfinden. Heute, Samstag, beispielsweise lädt die Wirtschaftsuniversität Wien ein, dann geht es weiter mit dem Steirerball (19. Jänner), dem Ball der Offiziere (20. Jänner), Ärzteball (28. Jänner), Jägerball (30. Jänner) und Kaffeesiederball (10. Februar).
Bis zu 60.000 Ballgäste besuchen jährlich die Hofburg, im nächsten Jahr könnten es einige Hundert weniger werden: Der Ball des Wiener Korporationsringes (WKR) soll laut den Hofburg-Pächtern zum letzten Mal hier stattfinden. Umstritten ist auch das heurige Datum des Burschenschafterballs: Am 27. Jänner ist Holocaust-Gedenktag (siehe auch Bericht auf Seite 26). In der Öffentlichkeit eher unbekannt ist hingegen der Russische Ball (9. Februar). Die Karten kosten zwischen 500 und 1000 Euro, sie werden allerdings nur auf Empfehlung und/oder Einladung ausgehändigt. Der Erlös werde an ein russisches Kinderheim gespendet, so die Veranstalterin Nathalie Holzmüller. Die nächste Ballsaison wird zu Silvester übrigens nicht mit dem traditionellen Kaiserball eröffnet, sondern mit dem „Le Grand Bal“. Das neue Konzept soll neben Touristen verstärkt Einheimische ansprechen.

Konzerthaus - Traditionshaus für bunte Bälle

Das Wiener Konzerthaus ist als Location für Bälle eher sehr wenig ausgelastet – das soll sich nun ändern. Ab heuer veranstaltet das Haus einen eigenen Kostümball, auch das gibt es (noch): „From Rio to Vienna, from Carnival to Gschnas“ findet am 20. Februar statt. Schrille Kleidung ist also ausdrücklich erwünscht; im eleganten Haus, in dem normalerweise Streichkonzerte gespielt werden, soll das Flair der Copacabana einziehen.
Der zweite (mehr sind es nicht) Ball, der hier inszeniert wird, ist nicht minder bunt: Zum 63. Mal findet der Bonbonball statt – und damit die Wahl der „Miss Bonbon“ (laut regelmäßigen Besuchern Höhepunkt des Balles). Der Bonbonball ist am 17. Februar – diejenigen, die es absolut nicht erwarten können, dürfen auf bonbonball.at den Countdown zählen.

 

Wiener Musikverein - Philharmoniker und Techniker

Am 19. Jänner wird es edel im Musikverein: Der Ball der Wiener Philharmoniker hat in Sachen Stil längst den Opernball abgelöst. Denn viele Größen aus Kunst, Politik und Wirtschaft fühlen sich von dem Rummel rund um den Opernball abgeschreckt und feiern lieber diskret im Wiener Musikverein. Der goldverzierte große Musikvereinssaal ist ohnehin eine der schönsten Locations für Bälle. Dass die Musik exzellent ist, versteht sich von selbst. Wer ein Logenplätzchen ergattern konnte, kann nicht nur den feierlichen Einzug von oben beobachten, sondern auch eines der inoffiziellen Highlights. Nach den ersten Eröffnungsstücken, die von Christoph Eschenbach dirigiert werden, verstauen die Musiker ihre Instrumente, um den Tanzpaaren mehr Platz zu machen – und zwar im Keller des Hauses, zu erreichen mittels großer Bodenluke.
Damit dann auch die Philharmoniker feiern können, übernimmt das Große Ballorchester Helmut Steubl die musikalische Unterhaltung.
Auch beim 71. Philharmonikerball ist aber nicht nur Klassik zu hören. Die Untergeschoße sind modernerer Musik vorbehalten. So wird in den relativ neuen Sälen, wie dem Gläsernen oder Hölzernen Saal, Jazz oder Disco gespielt.
Am 21. Jänner geht im Musikverein übrigens der Techniker-Cercle, der Ball der Industrie und Technik, über die Bühne.

Palais Auersperg - Disco im Wintergarten

Der Rosenball im Rosenkavaliersaal des Palais Auersperg – namentlich passt das, vom Publikum her ist es eine interessante Kombination: die Ballbesucher – Selbstbeschreibung: schrill, schräg, glamourös – und das barocke Ambiente des Palais. Der in Goldtönen gehaltene Rosenkavaliersaal ist zwar nicht der größte Ballsaal in Wien, mit 1200 Quadratmetern ist das gesamte Palais aber groß genug für eine Party.
Eher keine Drag-Queens dürften beim traditionellen Altkalksburgerball (27. Jänner) und dem Ball des Akademischen Gymnasiums (28. Jänner) anzutreffen sein. Hier passt der rote Teppich beim Stiegenaufgang wohl besser: Ballkleid und Smoking wünscht sich sowohl das Kollegium Altkalksburg als auch das Akademische Gymnasium. Klassisch.
Zudem hat das Palais Auersperg etwas, was die meisten anderen Locations nicht haben: einen Wintergarten, den die Schüler des Gymnasiums ab 22 Uhr in eine Disco verwandeln werden.

Rathaus - Tiroler Trachten und Afrika-Musik

Ohne dem Rathaus sein winterliches Ballflair absprechen zu wollen – das eigentliche Spektakel findet hier ja im Mai statt, wenn Gery Keszler zum Life Ball bittet. Im Vergleich zur opulenten Staatsoper wird man in dem im Stil der Neugotik erbauten Rathaus nicht viel (goldenen) Firlefanz finden. Bälle werden hier trotzdem abgehalten, nur nicht die elegantesten.
Im Jänner und Februar wird etwa beim Tirolerball (28. Jänner) und Flüchtlingsball (16. Februar) getanzt. Letzterer findet bereits zum 18. Mal statt und hat für gewöhnlich das Ambiente einer überdimensionalen Party für Freunde. Nicht unbedingt Walzerklänge, sondern Musik und Bands aus Afrika, Piano und afrikanische Lyrik zum Nachdenken. Veranstalter ist das Wiener Integrationshaus.
Traditionell geht es hingegen beim Tirolerball zu. Das zeigt sich beim Dresscode – Trachten, Dirndl oder Gesellschaftskleidung – ebenso wie beim Programm: Die Steinplatten Casanovas, Blechsalat oder die Pillerseer Musikanten spielen dabei auf. Heuer laden gleich fünf Pillerseetal-Gemeinden zum Tanz: Fieberbrunn, Hochfilzen, St. Jakob in Haus, St. Ulrich am Pillersee und Waidring. Selbst bei der Tombola setzt man auf die Region. Hauptgewinn ist ein Urlaub im Pillerseetal.
Bei beiden Bällen kann man ruhigen Gewissens Geld ausgeben, der Reingewinn dient karitativen Zwecken.

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Wiener Staatsoper - Opernball: Same business as usual

Der Wiener Opernball – die Mutter aller Bälle, keine Frage. Und auch der einzige Ball in der Staatsoper, alleine deshalb bleibt das Ballambiente einzigartig.
Heuer wird am 16. Februar aus der Oper ein imperiales Tanzparkett. Die Karten (ab 250 Euro bis 18.500 Euro für Logen) sind ausverkauft, insgesamt werden 5150 Ballgäste erwartet. Der 56. Opernball wird bereits zum fünften Mal von Desirée Treichl-Stürgkh veranstaltet, zum zweiten Mal unter der Ägide von Operndirektor Dominique Meyer.
Am Ablauf wird sich nicht viel ändern, heißt es aus dem Büro der Oper. Und: Alle Details werden Ende Jänner bekannt gegeben.

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1 Kommentare
Gast: Johann Eduard
15.01.2012 07:26
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Herr Duygy Őzkan: Ganz schwacher Artikel

Wer einen Wiener Ball als Party bezeichnet und von Location spricht zeigt, dass er die Idee eines Wiener Balls nicht verstanden hat.. Der Unterton des Artikels ist nur grob und derb.

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