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Ätherische Öle: Aufgepasst am Christkindlmarkt

Symbolbild / Bild: (c) Www BilderBox com (BilderBox com) 

Duftlampen haben jetzt wieder Saison. Schlechte ätherische Öle können Kopfschmerzen verursachen. Hochwertige Produkte jedoch können Stress lindern, Konzentration und Schlafqualität bessern. Auch kochen kann man damit.

 (Die Presse)

Wenig Chance auf Qualität hat, wer ätherische Öle auf Weihnachtsmärkten kauft. „Da sind die meisten Öle verlängert, verfälscht, gepanscht. Man kann sich auch nicht 100-prozentig auf das Etikett verlassen, ich würde so ein Öl nicht verwenden“, sagt Wolfgang Steflitsch, Lungenfacharzt und Präsident der österreichischen Gesellschaft für wissenschaftliche Aromatherapie und Aromapflege. Mit Glück könne man auf einem Christkindlmarkt ein ätherisches Öl bekommen, das gut duftet und keine schädlichen Nebenwirkungen hat. „Kopfweh oder gereizte Bindehaut oder Nasenschleimhaut können durch schlechte Öle verursacht werden.“

Greifen Viren in der Raumluft an

„Es ist auch üblich, ätherische Öle mit synthetischen Substanzen zu strecken. Die Bezeichnung ,echtes ätherisches Öl‘ ist nicht geschützt und bietet keinerlei Reinheits- und Qualitätsgarantie“, heißt es in einer Broschüre der Umweltberatung (Gratis-Downloads unter www.umweltberatung.at/downloads). Einige Duftmischungen, so die Umweltberatung, seien zu 100 Prozent künstlich, etwa „grüner Apfel“.

Qualitativ hochwertige ätherische Öle jedoch seien durchaus empfehlenswert. „Es handelt sich dabei um die aktivsten und stärksten Pflanzenwirkstoffe“, betont Experte Steflitsch. Viele Öle haben mindestens 100 unterschiedliche Inhaltsstoffe, „und zahlreiche davon sind sogar in der Lage, Viren und Bakterien in der Raumluft anzugreifen und zu vernichten“, erwähnt Steflitsch. Besonders gut geeignet seien dazu Zitrusöle (vor allem Zitrone) sowie Nadelhölzer (Tanne, Latschenkiefer), aber auch Thymian, Myrte und Zimtrinde.

Macht Lust auf sinnlichen Abend

Beim Menschen selbst erfolgt der erste und einfachste Wirkmechanismus der ätherischen Öle über das Riechen. Die Duftsignale, so Steflitsch, erreichen das limbische System, den Hypothalamus, den Thalamus und andere Gehirnzentren. „Jeder Geruch kann zu Veränderungen im Gehirn führen.“ Man könne damit unter vielem anderen Gedächtnis, Stimmung, Schlaf und Stressverarbeitung beeinflussen. Steflitsch' Tipp für einen öligen Stress-Cocktail für die Duftlampe: Man nehme je vier Tropfen Limette und Benzoe, je drei Tropfen Bergamotte und Grapefruit, einen Tropfen Sandelholz oder Rosa damaszener. Wer wiederum riechend sein Gedächtnis unterstützen möchte, kann dies mit Melisse, Weihrauch oder Rosmarin tun. „Der betörende Duft von Ratrani lässt augenblicklich Ängste schwinden und weckt die Lust auf einen sinnlichen Abend zu zweit“, schreibt Cordula Greger-Arnhof, Schmerztherapeutin sowie Fachärztin für Anästhesie und Intensivmedizin in der Fachzeitschrift Ärzte-Woche.

„Duftreize sind wirklich sehr wirksam“, betont Steflitsch, vorausgesetzt, es handelt sich um hochwertige Öle. „Wenn verschiedenste ätherische Öle mit ähnlichen Preisen angeboten werden, so können Sie davon ausgehen, dass diese Öle gepanscht sind“, warnt die Umweltberatung. Auch bei Ölen, die um zwei, drei Euro pro Flascherl zu haben sind, ist äußerste Vorsicht geboten. Wenn man bedenkt, dass für die Gewinnung von einem Kilogramm ätherischer Öle zehn bis 20.000 Kilogramm Pflanzenbestandteile gebraucht werden, wird klar, dass wertvolle Öle um diesen Preis einfach nicht zu haben sind – für ein Kilogramm Rosenöl (nervenberuhigend, harmonisierend) braucht man etwa 5000 kg Rosenblüten.

100 Kilogramm Pflanzenmasse ergeben etwa bei Orangen ein halbes Kilo Flüssigmasse an Ölen (aufmunternd, anregend), bei Zitrone vier Kilo (konzentrationsfördernd), bei Pfefferminze und Lavendel ein Kilo. Lavendel, eines der bekanntesten ätherischen Ölen mit starkem Einfluss auf das Nervensystem, weist weit über 300 verschiedene aktive Moleküle auf und hat daher auch viele verschiedene Wirkungen. Unter anderem ist es schlaffördernd – das hat man auch in Forschungsprojekten in Klinik und Kurhotel Pirawarth und in britischen Krankenhäusern herausgefunden. In Pirawarth etwa stellte man fest, dass 73 Prozent der Gäste und Patienten eine Verbesserung der Schlafqualität durch die tägliche Anwendung von Lavendelöl erfahren haben. Studien gibt es auch zur Verbesserung der Stimmungslage durch Lavendelöl.

Duftküche: Rezepte aufgeblättert

Ätherische Öle können aber nicht nur für Duftlampen eingesetzt, sondern auch als Badezusätze oder Massageöle verwendet werden. Da ist freilich noch mehr Vorsicht geboten, wenn diese Substanzen direkt mit dem Körper in Berührung kommen. Praktikabler Tipp der Umweltberatung: „Mischen Sie einen Tropfen ätherisches Öl mit einem Esslöffel Speiseöl und träufeln Sie ganz wenig auf den Handrücken oder die Armbeuge. Wenn sich die Haut rötet, meiden Sie dieses Öl besser.“

Und wer mit den Ölen sogar kochen will, muss noch einmal mehr auf deren Qualität achten. Interesse an entsprechenden Kochrezepten? Das Buch „Duftküche. 80 Vitalrezepte mit ätherischen Ölen“ (Kneipp Verlag, 19,99 €) blättert Köstlichkeiten auf – von Birnen-Kürbis-Ingwer-Suppe bis Kalbsmedaillons mit Muskatellersalbei-Pfeffer-Portweinsoße. Zusätzlich gibt Maria M. Kettenring, Autorin, Ernährungsberaterin und Aromaexpertin auch Tipps zur Herstellung von Würzölen (z. B. „Yogis Joy Würzöl), Salzen (z. B. Rosa-Pfeffer-Rosensalz) oder von Essigen (z. B. Muskateller-Salbei-Essig) und erzählt auch einiges Grundlegendes zu Düften und Aromaölen.

Mit Pfefferminzduft abnehmen?

Die Autorin erwähnt auch eine US-Studie, die in den 1990er-Jahren an 3000 übergewichtigen Patienten gemacht wurde: Ein Teil erhielt Sprayfläschchen mit Pfefferminzduft, an denen sie schnuppern durften, so oft sie wollten. Die Kontrollgruppe bekam nur Placebofläschchen ohne Duft. Die allgemeine Empfehlung war, die Essgewohnheiten nicht bewusst zu verändern. Teilnehmer aus der Pfefferminzgruppe hatten nach sechs Wochen bis zu vier Kilogramm weniger, die Testpersonen mit Placebo behielten indes ihr Gewicht. Studienleiter und Neurologe Alan Hirsch vermutet einen direkten Zusammenhang zwischen Riechzellen in der Nase und Sättigungszentrum im Gehirn. Ob Pfefferminzduft wirklich beim Abnehmen hilft, sei dahingestellt, ein Schnupperversuch kann ja kaum schaden.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.oegwa.at, www.aroma-med.at, www.greger-arnhof.at

Tipps für den Kauf: Auf die Kennzeichnung achten

Wer ein ätherisches Öl kauft, sollte auf einige Kennzeichnungen achten.

Auf dem Etikett sollten vermerkt sein:deutscher und botanischer/lateinischer Pflanzenname, verwendeter Pflanzenteil,Herkunftsland, Gewinnungs- und Herstellungsart, genaue Füllmenge,Chargennummer, Herstellerfirma, Sicherheitshinweise.

Farbe des Fläschchens: Ätherische Öle sind lichtempfindlich, sie werden daher in dunklen Fläschchen abgefüllt.

Preise: Die meisten ätherischen Öle werden in 5-ml- oder 10-ml-Fläschchen angeboten und kosten zwischen fünf und 20 Euro pro Fläschchen. Jasmin, Rose und Melisse und manch andere sind um einiges teurer. In einem 10-ml-Fläschchen sind rund 200 Tropfen ätherisches Öl. Da man sparsam im Verbrauch sein sollte, kommt man lange damit aus.

Marken, denen man vertrauen kann: Arte Verde, Farfalla, Feeling, Neumond, Primavera, Puressentiell, Sonnentor, Styx.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.12.2012)

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3 Kommentare

was WICHTIGES fehlt

das Ablaufdatum sollte unbedingt auf den Fläschchen stehen, da die Öle sehr unterschiedliche Haltbarkeiten aufweisen!
So sind z.B. die Zitrusöle sehr kurzlebig, da (mit Sauerstoff) sehr reaktionsfreudig und können schon nach kurzer Zeit kippen und andererseits wird beispielsweise das zitierte Rosenöl im Laufe der Zeit sogar besser und runder - gleich einem guten Rotwein; das ist wohl die von der Natur eingerichtete Gerechtigkeit für den exorbitanten Preisunterschied ;-)

www.oegwa.at, www.aroma-med.at, www.greger-arnhof.at

..... und wieder ein Werbebeitrag und sonst nichts!
Vielleicht sollte sich die Presse doch zu Transpararenz bekennen und eine eigene Beilage schaffen, wo groß und deutlich draufsteht: Hier wird Firmeninformation gebracht, um Produkte und Leistungen zu verkaufen!

Interessant

Warum im roten Wien so mancher Speckstand an jeder guten Lage ein Standl betreiben darf - wenn man weiss wie verdammt schwer es ist zu diesen guten und lukrativen!!! Standorten zu kommen, der wird dem Zufall zuprosten!

FREUNDERLSCHAFT HERR BÜRGERMEISTER !

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