Schamgefühl nach Kaufattacken

Die Kaufsucht wird medizinisch noch nicht als Sucht anerkannt.

Shoppers carry bags along Oxford street during the final weekend of shopping before Christmas in London
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Shoppers carry bags along Oxford street during the final weekend of shopping before Christmas in London
Mann mit vielen Einkaufstaschen – REUTERS

„Etwa sechs Prozent der Bevölkerung und deutlich mehr Frauen als Männer leiden unter sogenannter Kaufsucht, die als solche medizinisch noch nicht wirklich anerkannt ist“, weiß Benjamin Serfas, Psychologe in der Arbeitsgruppe für angewandte Sozialpsychologie und Konsumentenverhaltensforschung an der Universität Wien.

90 Prozent der Kaufsüchtigen leiden an mindestens einer weiteren psychischen Erkrankung. Häufig steckt laut Österreichischem Bundesverband für Psychotherapie auch ein schwaches Selbstwertgefühl, der Wunsch nach Zuwendung sowie eine Störung der Fähigkeit zur Selbstregulation dahinter. Eine weitere Ursache könnte ein Ungleichgewicht im Serotonin- und Dopaminhaushalt im Gehirn sein – beide Botenstoffe sind an der Regulation von Gefühlen und Antrieb beteiligt. In vielen Fällen lösen dann negative Ereignisse die Kaufattacken aus.

Serfas: „Es geht gar nicht in erster Linie um das Produkt, sondern um die Kaufhandlung.“ Einem kurzen Hochgefühl folgt meist ein schwerer Kater: Gewissensbisse, Schuldbewusstsein, Schamgefühl. Die meisten Betroffenen sind sich ihres ungezügelten Konsumverhaltens durchaus bewusst. „Viele packen ihre Einkäufe zu Hause gar nicht aus, sondern verstecken sie gleich irgendwo“, weiß Serfas. Kurze Zeit später wird vieles einfach weggeworfen. Und wieder Neues gekauft, abermals Unnötiges nach Hause geschleppt. Die häufigen Folgen: Stress mit dem Partner, Scheidung, Schulden, Isolation.

EinkaufStipps

Bewusst und mit Einkaufszettel einkaufen.

Nie müde einkaufen– da ist die Kontrolle kleiner.

Nicht hungrig einkaufen – da verleitet der Appetit.

Nicht bargeldlos zahlen – so hat man mehr Bezug zum Geld. Besser Korb als Einkaufswagen – die Gefahr des Überfüllens ist geringer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.02.2015)

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