Wetterfühligkeit: Schutzreflex oder Einbildung?

Die Wetterfühligkeit macht zwischen 30 und 35 Prozent aller Österreichern zu schaffen. Klar definiert ist der Begriff jedoch nicht.

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Kopfschmerzen, innere Unruhe, Kreislaufstörungen, Konzentrationsschwäche, Gereiztheit - das wäre zum Beispiel ein bitterer Cocktail bei einem Wetterumschwung. Wissenschaftliche Studien, die das Phänomen untermauern, gibt es kaum. So ist die Wetterfühligkeit auch kein eigener Krankheitsbegriff.

Allgemein kann davon ausgegangen werden, dass die Kreislaufbelastung bei einem raschen Temperaturanstieg sehr hoch ist. Auch die Psyche ist davon betroffen: Menschen werden bei Hitze tendenziell aggressiver und weniger tolerant. "Das kann als Folge des mangelnden Wohlbefindens gewertet werden", so Schreiber.

Wenn das Thermometer innerhalb weniger Tage mehr als zehn Grad nach unten oder auch nach oben ausschlägt, spüren das zwischen 30 und 35 Prozent aller Österreicher, so Wolfgang Schreiber, Chefarzt des Roten Kreuz. Vor allem ältere, kranke Menschen und kleine Kinder sind betroffen. Eine Patentlösung zur Vorbeugung bei wechselhaftem Wetter gibt es keine. Jeder muss sein individuelles Rezept finden.

Ein alter Schutzreflex

Der Erforschung der Zusammenhänge zwischen dem Wetter und dem menschlichen Körper dient die Medizin-Meteorologie. Ihre Experten glauben, dass es sich bei Wetterfühligkeit um einen "übrig geblieben" Schutzreflex handelt, der in seiner Frühzeit den Menschen vor Wetterumschwüngen warnte. "Wetterfühligkeit hängt auch vom Erfahrungshorizont ab. Wenn die Mutter schon sensibel war, dann ist es die Tochter mit hoher Wahrscheinlichkeit auch", ergänzt der Wiener Sozialmediziner Michael Kunze.

Luftdruck und Impulsstrahlung

"Wir haben Hinweise, dass Wetterfühligkeit vor allem mit zwei Faktoren zusammenhängen könnte: mit niederfrequenten Luftdruckschwankungen und den so genannten Sferics, elektromagnetischer Impulsstrahlung", sagt der Biometeorologe Peter Höppe vom Institut für Arbeits- und Umweltmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Niederfrequente Luftdruckschwankungen ließen sich mit einem normalen Barometer gar nicht messen. Sie kämen aber bei jeder Wetterlage in typischen Mustern vor und könnten auch in Innenräume eindringen. Ukrainische Wissenschaftler hätten bereits in Versuchen gezeigt, dass diese Schwankungen unter anderem Herzfrequenz, Körpertemperatur und Blutdruck beeinflussen könnten.

"Elektromagnetische Impulsstrahlungen sind das, was man beispielsweise im Radio knacken hört, wenn es blitzt", erklärt Höppe. Diese "Sferics" haben ebenfalls wetterlagentypische Ausprägungen. Sie entstehen bei elektrischer Entladung in den Wolken, können aber noch in großer Entfernung davon gemessen werden.

Messfühler in den Adern

Für Wetterfühligkeit seien Messfühler in den Adern mitverantwortlich, die eigentlich Blutdruck und Puls regulieren sollen. Sie reagieren aber auch auf Luftdruckschwankungen und tragen dadurch zu Befindlichkeitsstörungen bei, so Höppe. Schuld ist vermutlich eine Fehlbalance im vegetativen Nervensystem.

 

(Ag./Red. )

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