Investieren in einen Wohnwagen

09.03.2013 | 18:22 |  von Karin Schuh (Die Presse)

Noch steckt Crowdinvesting hierzulande in den Kinderschuhen. Soeben hat aber die zweite Plattform gestartet. Das erste Projekt, das Investoren sucht: ein autarker Bio-Wohnwagen.

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Das Timing ist nicht schlecht. Gerade hat der Winter ernsthafte Ermüdungserscheinungen gezeigt und uns daran erinnert, dass danach doch etwas kommt – und zwar etwas Besseres. Schon macht Christian Frantal auf sein neuestes Projekt aufmerksam: einen 25 Quadratmeter großen Wohnwagen, den er ob der Größe und Anmutung „Wohnwagon“ nennt. Und der nicht nur aus recycelten und umweltschonenden Rohstoffen besteht, sondern auch völlig autark ist, sprich mittels Fotovoltaikfolien und Ähnlichem seinen eigenen Strom erzeugt.

„Ich beschäftige mich schon länger mit dem Thema Wohnen und überlege mir, wie man das gestalten kann. Immerhin nutzen wir meist nur ein Drittel der Wohnfläche. Jeder hat sein Lieblingseck auf der Terrasse, in der Küche oder im Wohnzimmer. Also habe ich mir überlegt, wie man reduzieren kann, ohne etwas zu verlieren“, sagt Frantal, der sich als Künstler und Handwerker versteht und unter dem Label „Pimp My Home“ Wohnprojekte plant und verwirklicht. Das allein reichte aber noch nicht für die Idee mit dem Wohnwagon. Da hat die „böse Lebensmittelindustrie“ auch noch einen Beitrag geleistet. „Weil ich es einfach nicht packe, was die Lebensmittelindustrie macht, habe ich mir in Süßenbrunn eine Grünfläche organisiert.“

Zirkus- bis Wohnwagen.
Dort wurde dann derart fleißig gegärtnert, dass bald eine Übernachtungsmöglichkeit hermusste. Also wurde ein alter Bauwagen, den er von den Österreichischen Bundesforsten gekauft hat, zu einer Art Gartenhäuschen und Wohnmobil umfunktioniert. „Da bin ich draufgekommen, dass man dort eigentlich sehr viel Platz hat“, so Frantal.

In dem Garten wuchs offenbar auch der Wunsch nach einem autarken Leben. Also begann Frantal irgendwann zu zeichnen, und zwar eine Mischung aus Wohnwagen und Zirkuswagen. Herausgekommen ist der Wohnwagon, der – in der großen Variante, die kleinere ist nur halb so groß – knappe 25 Quadratmeter Fläche bietet, inklusive Bad, Wohnraum, Schlafnische und bei Bedarf sogar Holzofen. Damit auch eine Familie dort ein paar Wochen verbringen kann, gibt es noch ein zweites Doppelbett, das über eine Seilwinde an der Decke hängt.


Das Ziel: Nichts zu brauchen.
Energie wird über Fotovoltaikfolien und eine Art Miniwindräder erzeugt. Wasser für die Dusche kommt vom Himmel – Regenwasser wird dazu in einer Filteranlage bearbeitet. An dem Trinkwasser muss Frantal noch etwas arbeiten. „Da gibt es auch gute Aufbereitungsanlagen, aber die sind sehr teuer. Billiger ist es, bis zum Grundwasser zu bohren. Das habe ich probiert und es hat bei uns eine bessere Qualität als das Wasser.“

Wäre noch die Sache mit der Toilette, die ist natürlich auch bio, genauer gesagt „in der Fachsprache ein Kompostklo. Das funktioniert ohne Wasser und ist absolut geruchlos.“ Transportiert muss der Wohnwagon allerdings via Auto werden – oder, wie Frantal vorschlägt, mit einem Traktor. „Das Ziel ist, dass man nichts mehr braucht.“

Einziger Haken an dem engagierten Projekt: Der Wohnwagon existiert nur auf dem Papier. Das soll sich aber bald ändern. Denn derzeit sucht Frantal über die neue Crowdinvesting-Plattform Conda Investoren. Die Plattform ist seit Anfang März online und nach 1000x1000 die zweite österreichweit. Noch warten die Conda-Betreiber auf das Eintreffen einiger Unterlagen, in wenigen Tagen soll aber die Investorensuche für den Bio-Wohnwagen starten. Ziel ist es, in den nächsten drei Monaten 70.000 Euro zusammenzubekommen, mit denen Frantal zwei Prototypen bauen will. Zwischen 100 und 3000 Euro kann jeder Investor beitragen. „Es geht dabei um eine Initialfinanzierung für ein Start-up. Voraussetzung für uns, um ein Projekt aufzunehmen, ist ein ordentlicher Geschäfts- und Finanzierungsplan“, erklärt Daniel Horak, der mit Paul Pöltner die Plattform ins Leben gerufen hat. Zwei Wochen nach dem Start soll das nächste Projekt online gehen: ein Web-Mobile-Projekt.


Vier, fünf Investoren kommen pro Tag. Dass Frantal diese Art der Finanzierung gewählt hat, ist kein Zufall. „Wir wollten einfach neue Wege gehen, auch bei der Finanzierung. Eine Bank ist kein Partner“, meint er. Noch steckt Crowdinvesting bei uns in den Kinderschuhen. Die erste Plattform 1000x1000 hat erst ein Projekt finanziert, drei sind derzeit online. „Aber das Potenzial ist da. Wir haben täglich vier bis fünf Anmeldungen von Investoren und täglich eine Anfrage für neue Projekte“, sagt Plattform-Betreiber Reinhard Willfort. Er ist überzeugt, dass sich Crowdinvesting in vier, fünf Jahren etabliert haben wird – auch in Österreich. Bis dahin hat Herr Frantal hoffentlich schon ein paar Wohnwägen verkauft – und seine Investoren haben im Idealfall ein paar Euro verdient.

Beteiligt

Crowdinvesting.Mehrere Investoren beteiligen sich mit geringen Beträgen (meist 100 bis 3000 Euro) an einem Projekt. Meist werden Projekte unter 100.000 Euro finanziert. Gesucht werden die Investoren über Online-Plattformen. In Österreich gibt es zwei davon.

1000x1000. Die Plattform von Reinhard Willfort besteht seit April 2012. Bisher wurde ein Projekt finanziert, drei stehen derzeit zur Auswahl.

Conda. Seit 1. März ist die Plattform von Daniel Horak und Paul Pöltner online. In wenigen Tagen soll das Crowdinvesting für das erste Projekt (Wohnwagon) starten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.03.2013)

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