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„Der Geist von Deutschland 1939“: Morrissey verstört die Briten

07.08.2012 | 17:42 |  Von Julia Kastein (Die Presse)

Sänger Morrissey lästert über die Olympischen Spiele in London, deren Geist ihn an Deutschland vor Beginn des Zweiten Weltkriegs erinnert. In den britischen Medien entfesselte er einen kleinen Sturm der Entrüstung.

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Sie gewinnen reihenweise Medaillen, sie jubeln, sie feiern, sie sind geradezu euphorisch, kurz gesagt: Die Briten verhalten sich derzeit völlig uncharakteristisch. Nur einer bleibt sich treu: Morrissey. Der ehemalige Frontmann der „Smiths“, der in den 80ern mit vertontem pubertärem Weltschmerz den Soundtrack einer Generation prägte, kann den ganzen Rummel nicht ertragen: „Ich kann mir Olympia nicht anschauen, wegen des ganzen angeberischen Hurra-Patriotismus, in den die Spiele getränkt sind. War England jemals so widerlich patriotisch?“, so der Musiker (53) in einem „Statement“ für sein Online-Fanmagazin „True to You.“

Besonders die Dauerberichterstattung über Auftritte von Mitgliedern der Königsfamilie (die Queen spielte bei der Eröffnung mit, Enkelin Zara gewann mit den Vielseitigkeitsreitern eine Silbermedaille, Kate, William und Harry scheinen sich kaum einen Wettkampf entgehen zu lassen) bringen den bekennenden Republikaner in Rage: Die „strahlenden Royals“ würden die Spiele für ihre „empirischen“ (gemeint war wohl „imperial“, sprich „kaiserlichen“) Bedürfnisse missbrauchen, „und in der freien Presse sind keine kritischen Stimmen erlaubt. Es ist tödlich, das anzuschauen.“ London werde als „Marke für die Superreichen“ angepriesen, während der Rest des Landes unter Kürzungen und dem „wirtschaftlichen Desaster“ leide. In seiner Heimat, so sein Fazit, wehe der „Geist von Deutschland 1939“.

In den britischen Medien entfesselte Morrissey, der mit Songs wie „Heaven knows I'm miserable now“ („Der Himmel weiß, mir ist elend“) und „Bigmouth strikes again“ („Der Sprücheklopfer schlägt wieder zu“) immer noch Konzertsäle zum Mitheulen bringt, einen kleinen Sturm der Entrüstung: „Miserable Muppet“ („Schlechtlauniger Blödmann“) schrieb die „Sun“, die „Mail Online“ listete genüsslich seine bisherigen rhetorischen Querschläger auf, der „Telegraph“ kürte ihn zum „vorhersehbarsten Provokateur der Popgeschichte“, ein Twitter-Nutzer fragte, wovon Morrissey wohl weniger Ahnung habe: von Großbritannien oder Nazi-Deutschland. Ein weiterer empfahl ihm, „endlich die Klappe zu halten“.

Sogar Politiker mischten sich in die Debatte ein: „Morrissey liegt völlig daneben“, so Nigel Farage, Chef der europafeindlichen „UK Independent Party“. „London 2012 hat uns nur ein neues nationales Selbstbewusstsein gebracht und das ist gut so.“ Die Labour-Abgeordnete Kerry McCarty erklärte: „Morrissey klammert sich derzeit doch nur an Strohhalme, um noch etwas Aufmerksamkeit zu bekommen – wenn er beispielsweise seine Bandmitglieder in Argentinien ein T-Shirt mit der Aufschrift ,Wir hassen Kate und Will‘ tragen lässt.“ Nur wenige Kommentatoren fragten, ob Morrissey mit seiner Medienschelte nicht auch ein bisschen recht haben könnte.

Morrissey macht schon seit Jahren mehr Schlagzeilen mit seinen Verbalattacken als mit seiner Musik: So verglich er die Queen anlässlich ihres historischen Irland-Besuchs im vergangenen Jahr mit Libyens Exdiktator Muammar al-Gaddafi. Der überzeugte Vegetarier und Tierschützer bezeichnete die Chinesen wegen ihres Umgangs mit Tieren als „Subspezies“ und erklärte, schlimmer als das Attentat von Norwegen vor einem Jahr sei, „was sich täglich bei McDonald's oder Kentucky Fried Chicken abspielt“.

Grund seines Furors diesmal ist womöglich verletzte Eitelkeit: Bei der Olympia-Eröffnungsfeier verzichtete Regisseur Danny Boyle auf Musik von Morrissey – obwohl von den Beatles über die Eurythmics, The Who, The Prodigy, Amy Winehouse und sogar One-Hit-Wonder Frankie goes to Hollywood alles, was bekannt und britisch ist, zu hören war. „Vielleicht ist euch aufgefallen, dass ich nicht zur Eröffnungsfeier eingeladen war“, so Morrissey vergangene Woche beim Abschlusskonzert seiner Europatournee in seiner Heimatstadt Manchester: „Das liegt daran, dass mein Lächeln zu ehrlich ist.“

Zur Person
Morrissey (geb. 22. Mai 1959) wurde als Sänger der britischen Band The Smiths („Heaven Knows I'm Miserable Now“) bekannt, die als Vorläufer des Indie-Rock gelten – vom Musikmagazin „NME“ wurden sie 2004 zum „Most Influential Artist Ever“ gekürt. Nach der Auflösung der Band im Jahr 1987 startete der Sänger eine Solokarriere („Everyday Is Like Sunday“). Zuletzt ließ Morrissey vor allem mit provokanten Aussagen in Interviews aufhorchen, besonders gerne schimpft er über das britische Königshaus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2012)

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21 Kommentare
3 0

Da sieht man wieder,

was Drogen aus einem von Anfang an intellektuell nicht überausgestatteten Jammerlappen machen.

Gast: Braver Hooligan
08.08.2012 14:31
5 2

Seien wir froh,

dass den Herrn abseits gewisser Redaktionen weder jemand zuhört noch ernst nimmt.

Briten

Die Briten sind doch längst schon die Nazis des 21. JH....

Re: Briten

das haben sie von den deutschen gelernt

Allgemeinbildung/Englischkenntnisse in der Presse-Redaktion = 0 ?

Zitat aus dem Artikel: Die „strahlenden Royals“ würden die Spiele für ihre „empirischen“ (gemeint war wohl „imperial“, sprich „kaiserlichen“) Bedürfnisse missbrauchen, „und in der freien Presse sind keine kritischen Stimmen erlaubt.

Vielleicht sollte Frau Kastein ihre Englischkenntnisse auf den Prüfstand stellen, bevor sie Hrn. Morrisey bezichtigt, Fremdwörter nicht richtig zu gebrauchen. "The Empire" ist ein gängiger Ausdruck für das britische Weltreich zur Kolonialzeit und hat rein gar nichts mit Empirie oder kaiserlich zu tun.

Auch hier frage ich mich zum wiederholten Male: Wurde bei der Presse das Lektorat eingespart oder ist dieser Unsinn einfach niemandem aufgefallen?

Gast: Neup Sodym
08.08.2012 11:19
1 0

'gleichgeschaltene Presse'

Liebe Redaktion, nur eine Bemerkung am Rande:
das Partizip Perfekt von schalten lautet nicht "geschalten", sondern "geschaltet", weil schalten ein regelmäßiges Verb ist. Ich darf in diesem Zusammenhang vielleicht auf Bastian Sick hinweisen:
http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/zwiebelfisch-die-sauna-ist-angeschalten-a-339978.html

Herzlichst
Neup Sodym




Gast: fehlerteufel
08.08.2012 10:39
1 0

Olympischen Sommerspiele 1936 Berlin

ist da nicht ein gravierender fehler zu shen?

1 0

überzeichnet...

auch glaub zwar das er ein ganz schön frustrierter spinner ist der nach aufmerksamkeit ringt, aber nüchtern betrachtet auf erstere ausage gegen die royals meint er vermutlich das diese die olympischen spiele zu propaganda zwecke missbrauchen (wie die nazis in de). bei der ganzen hetz da drüben glaub ich schon das so mancher der außen vor gelassen wurde diesen eindruck gewinnt... den rest der "normalen" weltbevölkerung dürfte das aber ziemlich am ar... vorbeigehen

Gast: tc_t
08.08.2012 09:52
2 0

was für ein schwachsinn....

aber so findet man sich eben in der presse wieder... auch eibne form von werbung....

Das Offizielle Logo !

Spricht für sich.

Antworten Gast: interpretation
07.08.2012 23:39
1 0


Der Geist Deutschlands von 1939 wehe aktuell durch das mediale Großbritannien...

Der Vergleich der britischen Medien und der Royals mit Hitler und seinem Machtapparat ist wirklich ungeheuerlich!

Und dass sich Mister Morrissey für Tierschutz stark macht, ist sicher löblich - nur wurden in den KZ keine Tiere, sondern Menschen getötet ...

Antworten Gast: Ichlachdichaus
07.08.2012 19:50
4 5

Re: Der Geist Deutschlands von 1939 wehe aktuell durch das mediale Großbritannien...

Du weisst aber schon das die Royals Deutsche Adelige sind (Coburg-Gotha)?! Und die Liebe zu SS-Uniformen haben ihre Sprösslinge auch schon offenbart!

Antworten Antworten Gast: Erblastiger
08.08.2012 10:24
3 2

Re: Re: Der Geist Deutschlands von 1939 wehe aktuell durch das mediale Großbritannien...

Und nach der Logik bin ich wohl Ungar, weil mein Ur-Ur-Großvater 1860 in Budapest geboren wurde, oder?

Re: Re: Re: Der Geist Deutschlands von 1939 wehe aktuell durch das mediale Großbritannien...

das sind adelige. die denken in Jahrhunderten.

Antworten Antworten Antworten Gast: zuagroasta
08.08.2012 10:37
0 0

Re: Re: Re: Der Geist Deutschlands von 1939 wehe aktuell durch das mediale Großbritannien...

wie oben

Dass er sich für PETA stark macht ist außerst nobel. Was aber an Patriotismus auszusetzen ist, kann ich nicht nachvollziehen.


Wenn man sich um jeden Preis wichtig machen will, und inhaltlich nix zu sagen hat: Die Nazi-Keule auspacken. Ausgerechnet gegen die Briten? Lächerlich!!!



Schlagersänger erklären uns die Welt!

Und was sagt Johann Hinterseer dazu?

Gast: aidan
07.08.2012 12:08
0 4

Traurig

Da ist er nicht der Einzige dem es so geht.
Die Spiele sollten ja zur Völkerverständigung und nicht der billigen Propaganda dienen.
Das kann man sicher auch so langweilig sagen, dass niemand zuhört.

Gast: omgg
07.08.2012 12:05
6 1

Seriously...

Was für ein Vergleich... Er sollte sich mal bewußt machen, wie lächerlich er sich damitr macht.