Irina Vitjaz: Wien als perfekte Bühne für Roben

10.12.2012 | 17:33 |  von Duygu Özkan (Die Presse)

Der Neuzugang zu den Bällen, Le Grand Bal, feiert zu Silvester in der Hofburg Premiere. Die Designerin Elvira Kargapoltseva („Irina Vitjaz“) wird einige Gäste mit Ballroben einkleiden.

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Es ist so weit, wir dürfen nun das Augenmerk von Wiens Weihnachtsmärkten auf eine andere prima causa richten: die Bälle. Den Auftakt des Ballreigens macht der silversterliche „Le Grand Bal“ in der Hofburg – und damit betreten nicht nur Tanz- und Benimmsachkundige die Bühne, sondern auch jene, die für die Requisiten verantwortlich zeichnen. So wie Elvira Kargapoltseva.

Die Designerin hat die Marke Irina Vitjaz in ihrer Heimat Russland gegründet; vor drei Jahren übersiedelte sie nach Wien und eröffnete ihr Atelier stilecht im ersten Bezirk. Es war nicht zuletzt der, sagen wir, Ball-Fetisch, der sie in die „beste Stadt der Welt“ ziehen ließ, wie Kargapoltseva sagt. Mit anderen Worten: Wien und die Bälle bieten die beste Kulisse für Kargapoltsevas Ball- und Abendroben, die allesamt in feinster Handarbeit entstehen. So ist beispielsweise das schwarze, bodenlange Kleid mit Goldapplikationen in Erinnerung geblieben, das die Ballchefin Desirée Treichl-Stürgkh am heurigen Opernball getragen hat (auch Lilly Becker – Frau des Ex-Tennisspielers Boris Becker – trug heuer Irina Vitjaz). Ihre Zusammenarbeit mit dem irischen Hutmacher Philip Treacy (bekannt dafür, die britisch-königlichen Köpfe „einzukleiden“) hat Kargapoltseva schließlich international Beachtung eingebracht.

Die Designerin kam in Jekaterinburg auf die Welt. Schneidern lernte sie bereits mit sieben Jahren, im Jahr 2000 gründete die 47-Jährige ihr Label, das sie nach ihrer Mutter benannte. Die russischen Kundinnen sind ihr nach ihrem Umzug nicht abhandengekommen. Im Gegenteil: Viele besuchen sie in ihrem Wiener Atelier, und zwar oft, denn eine handgefertigte Robe muss schließlich mehrmals anprobiert werden. Die meisten Kundinnen leben aber in Österreich, sagt Kargapoltseva. Sie schätzen den Wert aufwendiger Kleider und sind auch bereit, über 3000 Euro dafür zu bezahlen.

Für ihre neuesten Kreationen hat sich die Designerin von Christian Dior inspirieren lassen. Genauer gesagt von Diors „New Look“, den taillenbetonten Kleidern und Kostümen, die Ende der 1940er-Jahre von Paris aus die Welt erobert haben. Das Besondere an diesen Kreationen liege darin, dass die Kleider zwar simpel aussehen, es aber trotzdem schwierig sei, die perfekte Silhouette zu schneidern, sagt Kargapoltseva. Hinzu kommt, dass sie viel mit Spitze arbeitet. Sie interpretiert also den New Look noch einmal new, wie die Designerin am Montag vor Journalisten demonstriert hat. Im Rahmen eines Fotoshootings hat sie die Hofburg-Direktorin Renate Danler eingekleidet, unter anderem mit einem schwarzen bodenlangen Rock und einem weißen Oberteil aus Spitze. Welches Kleid Danler zur Silvesternacht aber anziehen wird, bleibt noch ein Geheimnis.

Le Grand Bal findet heuer zum ersten Mal statt. Wie der Opernball zur Oper gehört, soll der Grand Bal der Hausball der Hofburg sein, wie die Direktorin im Vorfeld der Vorbereitungen sagte. Angekündigt hat sich jedenfalls das Who's who der Wiener Ballwelt (Elisabeth Gürtler, Gery Keszler und Thomas Schäfer-Elmayer, um nur einige zu nennen). Elvira Kargapoltseva wird auch kommen – in einer von ihr kreierten Robe, versteht sich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.12.2012)

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