Rudern auf der Neuen Donau: Wien gegen Cambridge

Am Samstag findet zum 5. Mal der Vienna Night Row statt. Schon heute treten zum Uni-Jubiläum erstmals Akademiker-Mannschaften gegeneinander an.

Vienna Night Row 2014
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Vienna Night Row 2014
Vienna Night Row 2014 – www.vienna-nightrow.com

Donnerstagvormittag herrscht an der Neuen Donau jenseits der Steinspornbrücke noch die übliche beschauliche Ruhe: Radfahrer und Inlineskater rollen am Ufer entlang, Kanufahrer gleiten über das Wasser, nur zwischendurch gellt aus dem sommertrockenen Gras ein Quietschen, wo sich zwei Nagetiere in die Quere geraten sind. Organisator Philipp Kornfeind zeigt vom Zielturm auf der Donauinsel aus ein Stück nach Süden. 350 Meter entfernt liegt der Start der Ruderregatta gut sichtbar noch verlassen auf dem Wasser.

Das soll heute ganz anders aussehen. Vor allem: dramatischer. 2000 Meter ist ein solches Ruder-Rennen normalerweise lang. Das sei, sagt Kornfeind, schon für Zuschauer vom Fach nur mäßig spannend, „nur mit Glück gibt es einen Endspurt“. Weshalb Ruderer Martin Maier, als er vor fünf Jahren den Vienna Night Row erfand, auch eine neue Distanz ins Rennen warf: 350 Meter, kürzer als ein Ruder-Sprint. Diese Distanz gilt nun auch, wenn heute erstmals internationale Universitäts-Rudermannschaften hier in einer eigenen Regatta gegeneinander antreten.

 

Kampfmannschaft aus Cambridge

Bisher, erzählt Philipp Kornfeind vom Institut für Sportwissenschaft, seien die paar Uni-Mannschaften, die man nach Wien locken konnte, beim Vienna Night Row integriert gewesen. Nun, zum 650-Jahr-Jubiläum der Universität, ist dann das Rektorat auf die Idee gekommen, das Rudern stärker in den Vordergrund zu rücken. Seit Monaten arbeitet Kornfeind daher daran, Mannschaften aus ganz Europa nach Wien zu bringen. Das Starterfeld zeigt, dass die Sportart durchaus nicht nur in England beheimatet ist: Aus Istanbul bis Kroatien stammen die 16 Teams; als großer Favorit gilt RWTH Aachen, wo viele Sportler im deutschen Nationalkader sind und über viel WM-, EM- oder Olympia-Erfahrung verfügen.

Trotzdem darf es als Ehre gelten, dass auch Cambridge mit dabei ist und einen Großteil seiner Kampfmannschaft schickt. Denn nächste Woche steht bei den Briten die Henley Royal Regatta an, neben dem Boat Race das wohl wichtigste Rennen der Welt. Mit dabei ist auch der Österreicher Alexander Leichter, der in Cambridge studiert – und der heuer im Frühjahr die Cambridger als Kapitän ins Duell mit Erzrivalen Oxford geführt hat. Oxford wollte übrigens auch nach Wien kommen, hat dann aber doch wegen eines anderen Rennens abgesagt.

Für Österreich sieht Kornfeind, der schon als Kind zu rudern begann und der hauptberuflich an der Uni Bewegungsanalysen durchführt, trotzdem Potenzial. Weil das Team, das sich vor ein paar Monaten zusammengefunden hat, im Gegensatz zu vielen anderen die 350-Meter-Spezialstrecke mit sportwissenschaftlicher Betreuung speziell trainiert. 35 bis 40 Schläge pro Minute seien bei einem Achterrennen normal, sagt er. Hier sind es 46. Ein „Gehacke“ sei das, Taktieren unmöglich, die Sportler seien schon nach einem Rennen ausgepowert. Und dabei muss man sich erst einmal qualifizieren. „Jeder Sportler bringt dabei etwa 550 Watt Leistung. Das ist extrem viel Energie. Mit einem Achter könnte man die Batterie eines VW Polo komplett laden.“

In Sachen finanzielle Unterstützung kann sich Österreich freilich nicht mit anderen Konkurrenten messen. Immerhin, im Jubiläumsjahr bekam man um (günstige) 30.000 Euro ein neues Boot spendiert. Getauft wurde es soeben auf den Namen der griechischen Mythenfigur Kastalia – der einzigen Frau unter den Büsten und Statuen im Arkadenhof der Uni Wien.

Fast schon traditionell werden die Boote dann beleuchtet: Schließlich fährt man, wie auch beim Vienna Night Row am Samstag, in der Nacht. Das Regatta-Format, erzählt der Geschichte-Student, ÖAMTC-Ausbilder und langjährige Profi-Ruderer Martin Maier, entstammt „einem feuchtfröhlichen Abend“, seither organisiert er es, um der Randsportart zu Publikum zu verhelfen. Kein Wunder, dass die Rennen in eine Party übergehen. Es sei, sagt Maier, eine Chance, den Sport zu öffnen. Ein Spaß für die Athleten, sagt Kornfeld, sei es auch: „Wenn man da im Boot sitzt, ist das Gänsehaut.“

AUF EINEN BLICK

Der Vienna Night Row wurde 2011 zum ersten Mal auf der Alten Donau veranstaltet, um den Rudersport für Publikum spannend zu machen. Heuer findet er zum fünften Mal statt, erstmals an zwei Tagen: Heute, Freitag, lädt die Uni Wien anlässlich ihres 650-Jahr-Jubiläums zu einer internationalen Universitätsruderregatta. Ein kostenloser Shuttlebus fährt alle 15 Minuten zwischen der U2-Station Donaustadtbrücke und der Regattastrecke bei der Steinspornbrücke (Freitag 17 bis ein Uhr, Samstag 18 bis zwei Uhr). www.vienna-nightrow.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.06.2015)

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