Aus dem Schatten von King Kong

In "Kong: Skull Island" übernimmt die Kalifornierin Brie Larson die Rolle der Menschenfrau, die dem Riesenaffen Gefühle entlockt - und darf endlich mehr sein als nur eine schöne Sexfantasie für pubertierende Nerds.

Brie Larson ist im aktuellen Monsterfilm „Kong: Skull Island“ mehr als nur optischer Aufputz. Der Film enthält mehrere Anspielungen auf Werke der 1970er, u. a. „Apocalypse Now“.
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Brie Larson ist im aktuellen Monsterfilm „Kong: Skull Island“ mehr als nur optischer Aufputz. Der Film enthält mehrere Anspielungen auf Werke der 1970er, u. a. „Apocalypse Now“.
Brie Larson ist im aktuellen Monsterfilm „Kong: Skull Island“ mehr als nur optischer Aufputz. Der Film enthält mehrere Anspielungen auf Werke der 1970er, u. a. „Apocalypse Now“. – (c) REUTERS (MARIO ANZUONI)

Nicht die Heldinnen, die wir verdient haben, aber die, die wir brauchen: Die letzten Jahre über hat uns das Blockbuster-Kino eine neue Riege an Hauptdarstellerinnen beschert. Cool, stark und kompetent sind sie weniger als Eye Candy für pubertierende Nerds, sondern durchaus selbstbewusst als Role Models für junge Frauen angelegt. Klar ist das kein Sozialaktivismus, sondern knallharte Marketingkalkulation (die meisten Kinobesucher sind weiblich) – aber diese Entwicklung ermöglicht es jungen Schauspielerinnen, endlich ihre gesamte Bandbreite auf der Leinwand zu entwickeln. Eine davon ist Brie Larson: Die 27-jährige Kalifornierin erntete erste Aufmerksamkeit in „Greenberg“ und „21 Jump Street“. Für die Rolle als missbrauchte Mutter in der Romanverfilmung „Raum“ (die auf dem Inzestverbrechen des Österreichers Josef F. basiert) wurde sie 2015 mit Oscar und Golden Globe ausgezeichnet. Für das durchaus gelungene Creature-Feature „Kong: Skull Island“ wird es wohl eher keinen Oscar geben – dafür spielt Brie (kurz für Brianne) mit draufgängerischer Unbeugsamkeit den pelzigen Riesenaffen samt seinen gigantischen Urwaldkollegen glatt an die Wand.

 

Bis jetzt hatte jede „King Kong“-Verfilmung auch einen leicht sexuellen Unterton, der sich meist in einer Szene zwischen der schönen, wehrlosen Frau und dem riesigen, kraft- und testosteronstrotzenden Monster manifestierte. Ihre Filmfigur ist aber nie wehrlos – wie haben Sie das hier angelegt?

Brie Larson: Wir haben überhaupt nicht über irgendeinen sexuellen Aspekt gesprochen. In unserem Film gibt es keinerlei erotische Spannung zwischen Mensch und Monster. Umso wesentlicher war uns, was bei dieser ersten echten Begegnung zwischen meiner Filmfigur und Kong passiert: Das Wichtigste dabei waren Kongs Augen.

Warum gerade die Augen?

Die Komplexität und die Dynamik eines Blicks sind ganz wesentlich, es ist wie ein Tanz, einander zu erkennen. Regisseur Jordan Vogt-Roberts und ich haben uns sehr intensiv darüber unterhalten, was geschieht, wenn ich Kong begegne. Was sehe ich in seinen Augen? Was für Gefühle erkenne ich da, und was wird daraus? Das musste ich mir beim Dreh genau vorstellen können, denn Kong selbst war da ja nicht dabei.

Das ist vermutlich nicht einfach zu spielen.

Es war in Wahrheit nicht so schwierig, weil ich es ja als Schauspielerin gewöhnt bin, aus meiner Erfahrung zu schöpfen und Gefühle zu darzustellen, die eine Rolle vorgibt. Das weitaus Härtere an diesem Dreh war der körperliche Aspekt. Es gibt in diesem Film nur genau einen Moment, in dem es eine Atempause gibt, den Rest der Zeit sind wir konstant in Bewegung und werden von irgendwas gejagt.

Das klingt anstrengend.

Ist es auch! Da baut sich ein unglaublicher Adrenalinlevel in einem auf, während man Berge hinauf- und hinuntermarschiert, durch Dinge durchrennt, unter Sachen durchrutscht, von anderen Sachen herunterspringt, zehn Stunden am Tag, sechs Monate lang. Es geht irgendwann nicht mehr um die Eitelkeit, etwas gut hinzubekommen, sondern nur mehr darum, es überhaupt hinzukriegen und zu überstehen, ohne sich wehzutun.

Der Film liefert zahlreiche Anspielungen an die Filmgeschichte, vor allem die „Apocalypse Now“-Referenzen sind kaum zu übersehen.

Ich finde das großartig. Der Film spielt ja in den 1970er-Jahren, in denen auch „Apocalypse Now“ entstand und noch einige andere meiner liebsten Filme. Ich liebe den Stil dieser Periode. Hoffentlich bringt dieser Film junge Zuschauer dazu, sich die Klassiker dieser Zeit anzuschauen.

Sie erobern die Leinwand mit unterschiedlichen Rollen: die verzweifelte Mutter in „Raum“, die Abenteurerin in „Kong: Skull Island“, demnächst sehen wir Sie in der Krimigroteske „Free Fire“ und bald als Captain Marvel im nächsten „Avengers“-Film.

Ich versuche, Balance zu halten und nie zweimal hintereinander dasselbe zu machen. Jedesmal lerne ich dabei Neues über mich selbst, über die Welt und darüber, was den Menschen ausmacht. So kann ich in meinem Job wach bleiben. Aber ich kann keine gute Schauspielerin sein, wenn ich nicht auch ein reiches Leben lebe, denn daraus beziehe ich ja meine Energie und meine Inspiration. ?

Steckbrief

Brie Larson kam 1989 als Brianne Sidonie Desaulniers zur Welt. Schon in der Volksschule beschloss sie, Schauspielerin zu werden. Der Durchbruch gelang ihr mit „Raum“. Dafür gewann sie den Oscar für die beste weibliche Hauptrolle.

Neben dem Schauspiel macht Larson Musik, schreibt Songtexte und singt diese auch selbst.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.03.2017)

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