Mutter Teresa: "Sie hat nicht gepredigt"

25.08.2010 | 15:16 |  von Irene Zöch (Die Presse)

Am 26. August wäre Mutter Teresa 100 Jahre alt geworden. Ihr langjähriger Wegbegleiter Leo Maasburg erinnert sich an die Nobelpreisträgerin. Knapp sieben Jahre lang war er für Mutter Teresa tätig.

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Sie war ein kleiner Energiebolzen mit einem unheimlich gewinnenden Wesen und gigantischem Charme.“ Leo Maasburg sitzt in seinem nüchtern eingerichteten Büro in der Wiener Innenstadt und beginnt über seine frühere Arbeitgeberin zu erzählen. „Ihr Gesicht war ein Faltenteppich, wenn sie aber jemanden angelächelt hat, war ihr Charme übernatürlich“, sagt der Priester und muss dabei selbst lächeln.

Knapp sieben Jahre lang war der heute 62-jährige Chef der Päpstlichen Missionswerke in Österreich für Mutter Teresa tätig, die am 26. August 100 Jahre alt geworden wäre. Er begleitete die Friedensnobelpreisträgerin in den 1980er-Jahren auf ihren Reisen und stand ihr als Beichtvater zur Seite. Father Leo nannte ihn Mutter Teresa. Father Leo, der die Messe las, der übersetzte, der organisierte – und der ein Fahrzeug hatte. „An meinem ersten Tag hat sie entdeckt, dass ich ein Auto habe. Da war ich engagiert.“

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Über seinen Bischof, der Slowake war und nicht Englisch sprach, kam der gebürtige Grazer Maasburg in Rom in Kontakt mit Mutter Teresa. „Sie hat sofort ausgenützt, dass ich Englisch und Italienisch konnte.“ Er bekam die Erlaubnis seines Bischofs, sie zu begleiten, „wann immer Mutter Teresa es wollte“. Und unterwegs war Mutter Teresa ständig: Statistisch gesehen wechselte sie alle 2,6 Tage Haus, Land oder Kontinent, um die Ansiedlung eines Hauses des von ihr gegründeten Ordens der „Missionarinnen der Nächstenliebe“ zu verhandeln oder um ihre Ordensschwestern in aller Welt zu besuchen.

Einer der ersten Aufträge, die Maasburg bekam, war, kurz vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion bei der Gründung eines Ordenshauses in Moskau zu helfen. Nur wenig später stand für ihn die nächste Station auf dem Programm: Nach dem verheerenden Erdbeben in Armenien im Dezember 1988, bei dem 25.000 Menschen starben, boten auch die Missionarinnen der Nächstenliebe ihre Dienste an. Maasburg wurde mit der priesterlichen Leitung der Niederlassung in Jerewan betraut.

Es gibt fast kein Land, das Maasburg nicht gemeinsam mit Mutter Teresa besucht hätte. Ins Kuba Fidel Castros reiste Maasburg – mit einer Maschine, die kubanische Politikergattinnen heimlich zum Shopping in die Konsumhochburgen der USA flog –, gemeinsam mit Mutter Teresa traf er Diktatoren und Paramilitärs. Brenzlige Situationen mit schwierigen Personen entschärfte sie, indem sie einfach ihre kleinen, ovalen Medaillen mit der Abbildung der Gottesmutter austeilte, erzählt Maasburg. Bei einem Treffen etwa mit Nicaraguas Sandinisten-Führer Daniel Ortega samt Bodyguards mit Maschinenpistolen trat nach einer flammenden Rede des Diktators gefährliche Stille ein. Mutter Teresa wischte die gefährliche Spannung weg, indem sie Ortega einige ihrer Medaillen überreichte– und sie ließ es sich nicht nehmen, jede einzelne auch noch zu küssen.

Nur der Mensch zählt. Für genau diese Haltung wurde Mutter Teresa oft kritisiert: dass sie sich mit den Diktatoren der Welt einließ, um ihr Ziel zu erreichen. Dazu sagt Maasburg: „Sie hatte zu jedem die gleiche Distanz oder die gleiche Nähe.“ Wichtig sei ihr nur der Mensch gewesen, unabhängig von seinem Rang oder seiner Position. „Sie behandelte alle vollkommen gleich, mit dem gleichen Respekt, der gleichen Freundlichkeit, der gleichen Würde.“ Bei der Verfolgung ihrer Ziele legte sie jedoch jede Menge Vehemenz an den Tag, erinnert sich Maasburg. „Wenn sie wusste, wo sie hinwill, war sie wie ein Panzer.“

Schon früh zeichnete sich der Lebensweg der als Agnes Gonxha Bojaxhiu in Skopje geborenen Mutter Teresa ab. Als Kind besuchte sie mit ihrer Mutter Arme und Kranke in Skopje, mit 18 trat sie dem Loreto-Orden bei, um ihr Leben in den Dienst der Mission zu stellen. Schließlich gründete sie in Kalkutta ihren eigenen Orden, um „demütigen Dienst“ an den Armen zu leisten. Dazu zählen die Körperpflege und das Füttern von Kranken und Sterbenden ebenso wie das endlose Putzen der Unterkünfte, das Schrubben der Gänge und das Reinigen der Toiletten.

„Ich bin Spezialistin für Reinigung, für Toilettenreinigung habe ich ein Diplom“ – sagte Mutter Teresa über sich selbst. Auch als Nobelpreisträgerin und internationale Berühmtheit war sie sich nicht zu schade, die Klobürste in die Hand zu nehmen und ihren „demütigen Dienst“ zu verrichten.

Was war es, das Mutter Teresa ausmachte? Noch heute sagt jeder vierte junge Deutsche zwischen 14 und 29 Jahren, dass Mutter Teresa ein Vorbild sei. „Man hatte bei ihr den Eindruck, man sei mehr begegnet als nur einem Menschen. Dabei war sie das Normalste, das es gab – in jeder Hinsicht“, meint Maasburg. Authentizität, innere Fröhlichkeit und die Art, auf Menschen zuzugehen und sie psychisch zu berühren, das nennt er als ihre hervorstechendsten Eigenschaften. „Sie hat die christliche Botschaft nie gepredigt, sie hat sie gelebt.“

Zweifel und Verlassenheit. Doch all die Jahre hatte Mutter Teresa auch ihre Zweifel: In Briefen, die vor ihrer Seligsprechung im Jahr 2003 (Leo Maasburg war Mitglied der Seligsprechungskommission) veröffentlicht wurden, spricht sie über die „Nacht der Seele“, über ihr Gefühl der Gottverlassenheit, das sie über 35 Jahre lang hatte. „Nie hat sie das thematisiert. Davon haben wir nichts bemerkt“, sagt Maasburg. Wenn er heute in seiner Erinnerung Anzeichen für ihre Gotteszweifel suchen will, fallen ihm nur kurze Momente ein, in denen ihr Lächeln wie ausgeknipst war und sie eine ernste Miene hatte.

Und was hat Leo Maasburg aus dieser Zeit mitgenommen? „Sie hat mein Herz geöffnet für die Armen. Als europäisches Wohlstandskind war für mich ein Clochard nur ein Objekt des Mitleids, aber nicht mehr. Und sie hat mein Missionsverständnis geprägt.“

Es dürfte wohl kein Zufall sein, dass Leo Maasburg heute Direktor der Päpstlichen Missionswerke ist.

Ausstellung
„100 Jahre Mutter Teresa“: 27. 8–26. 9., Krypta der Peterskirche, 1010 Wien, Eintritt frei.

Lektüre
Leo Maasburg: „Mutter Teresa“, Pattloch Vlg., 240 Seiten, 20,60 €.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.08.2010)

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10 Kommentare

Sie hat nicht gepredigt ??????

War nicht ihr ganzes Leben eine Predigt zum Thema "Nächstenliebe" ???

Sie hat gepredigt - nur wer will es wissen.

Ist nicht die Predigt durch Taten viel eindrücklicher als eine solche durch Worte ? Und wird nicht bei so manch´ einer Predigt lediglich das Maul aufgerissen ? ( Man verzeihe mir meine derbe lutherische Ausdrucksweise )

Warum schafft es eigentlich Befriedigung ....

wenn man andere Menschen so frisch und frei besudelt und mit Dreck bewirft .... Ja, sie hatte schon Recht, als sie von einem Journalisten gefragt wurde: "Was muß sich in bzw. an der Kirche ändern" ???

Ihre Antwort: "Sie und ich" !


Re: Die Wahrheit über diese

Diese Frau hat wenigstens - ich denke ´mal im Gegensatz zu den meisten Kommentatoren hier - "nebenbei" sehr viel Gutes getan und sich selber, persönlich für Schwerstkranke und Sterbende eingesetzt .....

"Wer selber ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein" --- oder wenn´s beliebt auch Dreck; darin ist die Presse ja sehr leistungsfähig und die Pressegläubigen sind dankbar.

Antworten Gast: Gast
23.08.2010 18:27
1

Re: Die Wahrheit über diese




Wau! Wenn da auch nur ein Funken Wahrheit drann ist…




Re: Re: Die Wahrheit über diese

Gast: Ist es....
Die "Mutter" war eine Show-Einlage...

Antworten Gast: Grabpinkler
23.08.2010 09:07
3

Re: Die Wahrheit über diese

Mutter Theresa war halt kein Gutmensch der heutzutage so beliebten Sorte. Ja sie war sogar dagegen, dass man ungeborene Kinder umbringen darf. Na wenn das nicht eine ganz schreckliche Charaktereigenschaft ist....

Gast: Savonarola
22.08.2010 02:45
0

Eine Lobeshymne fuer einen Priester, der Gott nicht respektiert

Dafür bei Frauen als Hahn im Korb spielt

Antworten Gast: Patschini
22.08.2010 20:25
5

Re: Eine Lobeshymne fuer einen Priester, der Gott nicht respektiert

Sie hat die ganzen Spenden nicht fuer die armen benutzt sondern nach Rom geschickt fuer mich ist Mutter Theresa nichts anders als eine scheinheilige

Re: Re: Eine Lobeshymne fuer einen Priester, der Gott nicht respektiert

Ich dachte - und hoffe es immer noch - daß "Üble Nachrede" und "Verunglimpfung" insbesondere in Verbindung mit Verstorbenen ein Straftatbestand ist.

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