Axl Rose: Rockikone mit Haarimplantaten

Der Sänger Axl Rose, um 1990 der größte Rockstar der Welt, gastiert mit seinen neu formierten Guns N' Roses morgen, Samstag in Wien. Rose ist nicht nur exzentrisch, er zieht Exzentriker an.

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(c) AP (Steve McEnroe)

Ob man Axl Rose am Wochenende am Wiener Ring oder in der Albertina über den Weg laufen wird? Man weiß es nicht. Und selbst wenn, wer würde ihn erkennen? Das Antlitz der Rockikone hat sich in den letzten Jahren so sehr verändert wie die Besetzung seiner Band Guns N' Roses.

Das Rumpelstilzchen mit der kreischenden Stimme und den roten, fliegenden Haaren ist runder um die Hüften geworden. Dazu kommen Haarimplantate, weite T-Shirts (keine weiße Radlerhose mehr!), gigantische Ringe und Silberkreuze. Zwischenzeitlich gab es auch Rastazöpfe und Hip-Hop-Outfits.

Wann, ob und wie Rose in Wien eintreffen wird, weiß ohnehin nur er selbst. Zuletzt gab es eher unrühmliche Meldungen. Als dem notorisch zu spät kommenden Sänger in Dublin einige Bierflaschen entgegengeworfen wurden, drohte er mit dem Abbruch des Gigs und verschwand für eine halbe Stunde von der Bühne. Einmal wollte Rose gar ein Konzert absagen, weil er kein gegrilltes Lamm serviert bekam. Angeblich nur ein Gerücht. Die Konzertveranstalter in Nickelsdorf, wo Guns N' Roses 2006 gastierten, haben indes gute Erfahrungen gemacht. Rose forderte lediglich einen Fernseher und – jawohl – Marillenknödel, was sich beides als machbar erwies.

Von skurrilen Anekdoten begleitet waren auch die Aufnahmen zu „Chinese Democracy“, für die Rose 15 Jahre, 14 Studios, 13 Mio. Dollar und eine endlose Liste an Musikern brauchte: Mehrmals soll der ewig Unzufriedene mit seinem Ferrari über entstandenes Tonmaterial gefahren sein. Dem schrägen Gitarristen Buckethead ließ er einen Hühnerstall im Studio einrichten, damit dieser sich – wohlgemerkt für ein Huhn haltend – richtig zu Hause fühlte. Rose ist nicht nur exzentrisch, er zieht Exzentriker an.

Aus seinem Umfeld ist zu vernehmen, dass Axl Rose der netteste, bodenständigste Kerl der Welt sei. Diejenigen, die das sagen, stehen meist auch auf seiner Gehaltsliste. Rose umgibt sich mit einem kleinen Kreis von Auserwählten. Solange man dazugehört, scheint alles prima zu sein, ansonsten wird man – wie unlängst Ex-Gitarrist Slash – als „Krebsgeschwür“ bezeichnet. Paranoia zählte seit jeher zu Ingredienzien des sleazigen Rock'n'Roll der Gunners. Genauso wie Skandale. Auf der letzten Europatournee hat Rose einen Securitymann in einem Stockholmer Hotel ins Bein gebissen. Und einen Spiegel von der Wand gerissen.

Der wichtigste Mensch in seinem Leben ist übrigens Haushälterin Beta, die der 48-Jährige auch öffentlich „Mother“ nennt. Über Jahre war sie seine Schnittstelle zur Außenwelt, Managerin und Ersatzfamilie. Von seinem leiblichen Vater wurde Rose sexuell missbraucht, von seinem Stiefvater geschlagen. Dass der Ober-Gunner der sensible und intelligente Urheber von Balladen wie „Estranged“ oder „Sweet Child O' Mine“ sein soll, davon merkt man bei seinen oft rüpelhaften Auftritten wenig. Schlagfertig ist er allemal.

„Axl = God“ stand unlängst bei einem Konzert auf einem Transparent. „Das bin ich nicht“, meinte der als Kontrollfreak Geltende, „denn sonst wären drei Viertel von euch Mädchen und der Rest Pizza und Bier.“ Davon scheint Rose reichlich genossen zu haben. Neben Gewichtsproblemen werden ihm allerlei Schönheitsoperationen und der Konsum von Psychopharmaka nachgesagt. Dass er nicht immer weiß, wo er ist, bewies Rose vor vier Jahren im Burgenland: „Hello Vienna“, hat er die Nova-Rock-Zuseher begrüßt. Mal sehen, wen er am Samstag in Wien begrüßen wird.

Auf Einen blick

Der Sänger Axl Rose und die neu formierte Band Guns N' Roses treten morgen, Samstag, ab 20Uhr in der Wiener Stadthalle (Vogelweidplatz 14, wien 15) auf. Es sind nur noch Restkarten erhältlich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.09.2010)

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