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Freude im Commonwealth: Niagarafälle in blauem Licht

Freude Commonwealth
Freude Commonwealth / Bild: (c) EPA (WARREN TODA) 

Auch wenn das Verhältnis zur einstigen Kolonialmacht Großbritannien nicht immer frei von Spannungen ist. Die englische Monarchie sehen einige der Commonwealth-Staaten nach wie vor als verbindendes Element.

 (Die Presse)

London. Obwohl von Queen Elizabeth in 60 Jahren Regentschaft keine einzige politische Äußerung überliefert ist, weiß man, dass ihr das Commonwealth ein besonderes Anliegen ist. Nur schweren Herzens sagte sie auf Anraten ihrer Ärzte die Teilnahme an dem Gipfeltreffen des Staatenbundes Mitte November in Colombo, der wichtigsten Stadt des Inselstaates Sri Lanka, ab. Wie heute Elizabeth wird einst der neugeborene Thronfolger der Vereinigung von momentan 53 Staaten vorstehen.

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Besonders groß wird deshalb die Freude der Queen über die begeisterten Reaktionen auf die Geburt der neuen Königlichen Hoheit am britischen Hof ausgefallen sein. Als einer der ersten Gratulanten stellte sich der australische Premierminister Kevin Rudd ein, der ausdrücklich die „enge Freundschaft“ zwischen seinem Land und Großbritannien betonte. Wie in 15 anderen Staaten auf der Welt ist der britische Monarch auch in Australien immer noch Staatsoberhaupt.

 

Königstreues Kanada

Während die Republikaner in Down Under auf die Zeit nach der auch hierzulande populären Königin Elizabeth hoffen, gibt sich Kanada seit je besonders königstreu. Premierminister Stephen Harper übermittelte „im Namen aller Kanadier die allerherzlichsten Glückwünsche“. Zur Feier des großen Ereignisses färbte Kanada die Niagarafälle in tiefes Blau, der Farbe des Commonwealth – ähnlich wie in London der BT-Tower, der die Nachricht „It's a boy“ über die ganze Stadt ausstrahlte, und das Riesenrad „London Eye“.

Während die Anfänge des Commonwealth auf den Beginn der Dekolonialisierung Ende des 19. Jahrhunderts zurückgehen, erfolgte die formale Gründung des Staatenbunds erst 1949, als der Niedergang des British Empire bereits im vollen Gang war. Dem Bund gehören vorwiegend ehemalige britische Kolonien an, die sich in der Charta der Organisation zu Demokratie und Menschenrechten bekennen.

 

Schelmischer Obama?

In Wahrheit erwies sich der Staatenbund im Umgang mit Problemen, etwa dem Apartheid-Regime in Südafrika, ebenso zahn- und wirkungslos wie bei der Diktatur von Robert Mugabe in Simbabwe. So hofft auch der Biograf von Prinzessin Diana, Andrew Morton, dass die Thronfolge im britischen Königshaus „auch eine Modernisierung des Commonwealth nach sich ziehen wird“. Zu dem Bund gehören auch zahlreiche afrikanische Staaten sowie Länder wie Indien und Pakistan, das vorübergehend suspendiert gewesen ist.

Die USA schlossen sich dem Staatenbund nie an. Ausgerechnet aus der erfolgreichsten aller britischen Exkolonien trafen Montagabend eine der ersten Glückwünsche ein. Freilich war US-Präsident Barack Obama ein kleines bisschen schelmisch, als er schrieb: „Angesichts der besonderen Beziehungen zwischen uns teilt das amerikanische Volk mit dem britischen Volk die Freude an der Geburt des jungen Prinzen.“

 

„God save the King“

Angesichts der „Royal“-Begeisterung der US-Medien meinte gestern der „Vanity Fair“-Journalist Michael Wolff: „Sie werden in den Vereinigten Staaten zwar keinen Menschen finden, der weiß, wer David Cameron ist. Aber jedermann kennt William und Kate.“

Ein Umdenken wird es auch in Großbritannien geben müssen. Nach 60 Jahren Regentschaft von Queen Elizabeth (und keinem Ende in Sicht) werden danach drei Männer – Charles, William und „Royal Baby“ – herrschen.

Wie die „Financial Times“ gestern schrieb: „Es wird Zeit, sich wieder an ,God Save the King‘ zu gewöhnen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2013)

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