Wir sind die mit dem weißen Hut

22.12.2012 | 18:01 |  von Florian Asamer (Die Presse)

Oder: Warum es langsam zu spät ist, um rechtzeitig für den Hl. Abend eine Jacht zu bestellen.

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Die Tage werden wieder länger. Ein positives und damit weihnachtliches Statement zu Beginn, um Ihnen einen Einstieg à la „Jetzt, wo die Welt doch noch steht, müssen wir uns aber wirklich um Weihnachtsgeschenke kümmern“ zu bescheren. Viel Zeit ist allerdings wirklich nicht mehr; wenn Sie diese Zeilen lesen, dürfte es selbst mit den Last-minute-Packerln einschlägiger Internethändler knapp werden, um ihre Lieben am Heiligen Abend mit Geschenken überraschen zu können.

Dafür dürfen wir uns mit einer neuen Frohbotschaft trösten. „The only thing that stops a bad guy with a gun is a good guy with a gun“, meinte der Sprecher der nationalen Gewehrgewerkschaft der USA als Reaktion auf das Massaker an knapp zwei Dutzend Volksschulkindern in Newtown vor einer Woche. Manchmal ist die Lösung wirklich ganz einfach, wenn man nur eine wirklich gute Idee hat.

Liest man die heimische Gerichtsberichterstattung, kann man sich richtig sicher fühlen, stehen doch in Österreich sämtliche Bad Guys aus dem polit-wirtschaftlichen Komplex schon vor Gericht. In Kärnten quittiert man rechtskräftige Schuldsprüche eher wie lästige Entscheidungen von Schiedsrichtern auf dem Fußballplatz. Mit einem Schulterzucken und ein bisserl schimpfen. In der Bawag-Affäre hat man sich offenbar entschlossen, die Gesamtstrafe nicht auf die zig Angeklagten aufzuteilen, sondern nur einen Angeklagten zu verurteilen. Den dafür aber ordentlich. Die beiden angeklagten Lobbyisten, die lieber Jäger oder Ermittler sein wollen, haben über die Feiertage noch Galgenfrist bis zur Urteilsverkündung.

Vor Gericht könnten sich auch die Erben von Steve Jobs und dem Designer Philippe Starck bald treffen. Starck will noch sechs Millionen Euro Honorar für den Entwurf einer Luxusjacht. Ganz abgesehen davon, dass man dem Apple-Gründer einen weniger abgelutschten Designer zugetraut hätte, sollte man seinen Erben niemals nicht abbezahlte Jachten hinterlassen.

Bevor wir die Kerzen am Christbaum anzünden und den Weltuntergang als Ausrede für fehlende Geschenke verwenden, rufen wir der Gewehrgewerkschaft in den Staaten noch zu: Bitte nicht schießen, wir sind die mit dem weißen Hut!

florian.asamer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.12.2012)

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