Wearables: Volle Kraft voraus

In der Mode hat die Zukunft schon begonnen. Was den meisten Designern zu diesem Thema einfällt, sind multifunktionale Wearables.

Kostbarkeiten. In Kooperation mit Intel hat Opening Ceremony ein Wearable entworfen.
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Kostbarkeiten. In Kooperation mit Intel hat Opening Ceremony ein Wearable entworfen.
Kostbarkeiten. In Kooperation mit Intel hat Opening Ceremony ein Wearable entworfen. – Opening Ceremony

Die Mode hechelt so sehr ihrer eigenen Zukunft hinterher, dass es mitunter scheinen mag, das Morgen habe auf den Laufstegen das Jetzt schon eingeholt. Jenseits ästhetischer Innovationen sind es aber auch andere Impulse, von denen gesprochen wird, wenn es um die Kleidung der Zukunft geht. So ist tragbare Technologie in Mode gekommen. Google Glass und Apple Watch sind die prominentesten Beispiele, zugleich aber nur die Spitze des Eisbergs. Das zeigte sich jüngst auf der #Fashiontech-Konferenz in Berlin, wo man die Zukunft der Mode besprach. Dort trafen die blinkenden LED-Modekreationen der Fahrradperformer von Trafo Pop auf die mit Mikro-Algen bedruckten, ihre Farbe verändernden Stoffe des Designstudios Blond und Bieber. Thomas Gnahm, Gründer von Trafo Pop, fasst seine Sichtweise wie folgt zusammen: „Wir brauchen Konzepte mit sinnvollen Funktionen, die den Menschen als Träger im Design berücksichtigen – das wird nur in der Zusammenarbeit zwischen Designern und Techies funktionieren.“

Wie wichtig diese Entwicklung ist, hat man auch an der Kunstuniversität Linz erkannt. Dort wird bald das zuvor in Wien Hetzendorf beheimatete Modestudium fortgeführt, als Bachelor- und Masterstudium mit Fokus auf Design und Technologie. Unter anderem sollen da traditionelle und handwerkliche Techniken mit neuen Entwicklungen wie 3-D-Print, Lasercut oder Digitaldruck kombiniert werden.

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Leuchtkörper. Die Fahrrad-Performer von Trafo Pop rüsten ihre Kleidung mit LED-Elementen auf. – (c) Beigestellt

Laufen und schlafen. Im Vordergrund sollen bei dem neuen Studiengang freilich intelligente Textilien und Wearables stehen. Weiters sind Kooperationen mit dem Future Lab der Ars Electronica oder mit Christiane Luible angedacht. Sie ist Professorin für Modedesign an der Haute Ecole d’Art et de Design in Genf. Jüngst gründete sie außerdem das Fashion-Start-up Vitryon: „Es geht en gros um 3-D-Simulationen von Mode für die Bereiche Design, Produktion und den Verkauf. Die erste entscheidende Frage war für uns, wo wir das Unternehmen gründen. Auf längere Sicht benötigen wir Leute und Input sowohl aus dem kreativen als auch aus dem technischen Bereich der Programmierung. Beide Bereiche sind in Linz gut abgedeckt, durch die Kunstuniversität, die Ars Electronica, die JKU oder auch durch die Fachhochschule Hagenberg. Dass es in Zukunft auch noch den neuen Bachelorstudiengang mit Fokus auf Design und Technologie gibt, ist natürlich ein weiterer großer Pluspunkt“, so Luible.

Ebenfalls in Oberösterreich, und zwar an der Fachhochschule Hagenberg (dort wähnt man sich laut Homepage in Österreichs Silicon Valley) widmet man sich ebenso dem Thema Wearables, weiß Anita Höchtl, Forscherin am Media Interaction Lab der FH. Sie erklärt ihr Forschungsobjekt: „Ein Wearable ist ein Device zur Erweiterung der menschlichen Sinne und Fähigkeiten bzw. auch die Auslagerung dieser. Dabei wird etwa sofortiger Zugang zu Informationen wie Telefonnummern, Wegbeschreibungen, Kalenderdaten, Definitionen etc. ermöglicht. Neben dem Zugang zu Informationen kann ein Wearable auch dem Aufzeichnen von Aktivitäten dienen, die danach analysiert werden können.“

Zu den Alumni der FH Hagenberg zählen auch die Gründer des erfolgreichen Start-up-Unternehmens Runtastic, das sich im Wesentlichen der Aufzeichnung körperlicher Betätigung verschrieben hat. Man startete mit einer App, mittlerweile gibt es das „Runtastic Orbit“-Wearable im Angebot, das Schlaf und Bewegung misst: „Es bringt tägliche Gewohnheiten zum Vorschein und informiert da­­rüber, wie viel man sich bewegt“, erklärt Runtastic-CEO Florian Gschwandtner. Das Orbit-Armband sei auch für diejenigen geeignet, die noch nicht sehr viel Sport machen. Übrigens muss das Smartphone nicht unbedingt mit von der Partie sein, so Gschwandtner: „Die meisten Funktionen kann man in Verbindung mit der Runtastic-Me-App nutzen, aber wir wissen, dass manche das Orbit auch ohne Handy verwenden möchten.“

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Hardware. Anfangs gab es Runtastic als App, dann folgte „Orbit“. – (c) Beigestellt

Bewährtes Verfahren. Wer es ein bisschen glamouröser mag, der sich „My Intelligent Communication Accessory“, kurz Mica, zulegen: eine Smartwatch, die aus einer Zusammenarbeit des Modelabels Opening Ceremony mit Intel entstand. Zu den mittlerweile üblichen Funktionen bekommt man Designanspruch, 18-karätiges Gold und Schlangenleder dazu. Ein Luxus der anderen Art könnte sich demnächst auf Apples Watch finden: Mittels App soll es möglich sein, den Batteriestand des eigenen Tesla-Elektroautos zu messen oder das Licht und die Klimaanlage zu steuern.

Mit welchen Herausforderungen es zu rechnen gilt, möchte man solche Wearables selbst entwickeln, weiß Manuel Laber vom Laber’s LAB. Er organisierte den Workshop Prototyping Wearables letzten Dezember in Wien, bei dem es darum ging, einmal selbst einen Hardware-Prototyp zu bauen. „Mit dem Workshop halfen wir, als Anlaufstelle für Prototyping, technikaffinen Gründern in Wien, einen grundlegenden Einblick in den Entwicklungsprozess der tragbaren Computersysteme zu bekommen und den reflektierten Umgang mit dieser Art von Technologie zu fördern“, erklärt Manuel Laber. Er ist Mitentwickler des mit Elektronik versehenen „Physical Interaction“-Kleides von Textildesignerin Antonia Nandori und weiß: „Gerade in der Modewelt gilt es, auf die Auswahl von Materialien zu achten, da hier nicht ein starres Gehäuse zur Verfügung steht, sondern die Kleidung den Computer darstellt. Leiterbahnen im Stoff werden zu den Nervenbahnen eines Kleides, Mikrocon­troller zum Gehirn und die Sensoren zu den Sinnen.“

Und dass all das dann doch irgendwie nichts Neues ist, erklärt Christiane Luible: „Einflussreiche Modedesigner haben ja schon immer gezielt die Technik ihrer Zeit genutzt. Coco Chanel verwendete als erste Jerseystoffe für Oberbekleidung, Pierre Cardin setzte die damals neue Chemiefaser ein, um die Prêt-à-porter zu erfinden, Mary Quant benötigte die Herstellungstechnik der Feinstrumpfhose, damit sich ihre Mini-Mode durchsetzte, und Iris van Herpen druckt heute Kleider.“

Tipp

Ausbildungen. An der FH Hagenberg wird Wearable-Expertise gelehrt, http://www.fh-ooe.at. Im Herbst startet Fashion Design & Technology an der Kunst-Uni Linz, http://www.ufg.ac.at

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