Neues vom Konservativismus

Heutzutage schwer zu definieren, wer oder was konservativ ist.

Papst und Bush
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Papst und Bush
(c) EPA (Mark Wilson / Pool)

Der linksliberale Publizist Robert Misik mokiert sich in seinem neuen Buch („Politik der Paranoia. Gegen die neuen Konservativen“), dessen Cover ein schönes Hirschgeweih ziert, über das nicht ganz kongruente Weltbild der Konservativen: „Sie sind für die Familie – außer wenn es sich um türkische Familienclans handelt. Sie sind für die Freiheit – überbieten sich aber in Moralvorschriften. Sie sind für mehr privat, weniger Staat – und beklagen, dass im Kommerzfernsehen nur TV-Müll läuft.“ Trotz leichter Schwarz-Weiß-Zeichnung seiner Polemik, da die bösen Werte der Rechten, dort die guten der Linken, hat der kluge Autor damit nicht unrecht.

Ein früherer, sehr geschätzter Kollege von mir, konservativ bis in die Knochen, war, wie es sich für einen echten Konservativen gehört, Rom-treu und Washington-treu. Doch was tun, wenn der US-Präsident Krieg zu führen gedenkt und der Papst dies untersagt? Ein Dilemma. (Mein Kollege entschied sich letztlich schweren Herzens für Washington.)

Dabei ist es heutzutage schwer zu definieren, wer oder was konservativ ist. Ein Musikverein-Abonnement reicht dafür nicht mehr aus. Ein Besuch des Jägerballs ebenso wenig wie das Tragen eines Adelstitels. Ein „Presse“-Abo schon gar nicht. Nicht einmal Josef Pröll geht heutzutage als Konservativer durch.

Allerdings ist es mit den Progressiven auch nicht ganz so einfach. Lassen wir Misik das Schlusswort: „Vor einigen Jahren wohnte unter mir ein bekanntes männliches Fotomodell – um genau zu sein, das bekannte männliche Fotomodell. Nachts hörte er dröhnend laute Musik. Mein Sohn brüllte, konnte nicht schlafen. So tat ich, was ich nie für möglich gehalten hätte: Ich rief die Polizei. Das werde ich dem Kerl von den Hugo-Boss-Plakaten nie verzeihen.“


oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2009)

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